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| 15:26 Uhr

Firmenchef sucht Zeugen
140.000 Euro teure Maschine von Baustelle geklaut

 Aufgeladen und weg - von der Spezial-Bohranlage von Ditch Witch fehlt seit Montag jede Spur. Letzte Hoffnung für die geschädigte Großkmehlener Firma: Der Hersteller meldet  die Anlage jetzt  weltweit  im Händlernetzwerk als gestohlen.
Aufgeladen und weg - von der Spezial-Bohranlage von Ditch Witch fehlt seit Montag jede Spur. Letzte Hoffnung für die geschädigte Großkmehlener Firma: Der Hersteller meldet die Anlage jetzt weltweit im Händlernetzwerk als gestohlen. FOTO: Jens Mittag
Großkmehlen. Diebe haben als vermeintliche Baustellen-Mitarbeiter getarnt in Settinchen (Oberspreewald-Lausitz) eine 3,5 Tonnen schwere Bohr-Anlage geklaut. Wert des Diebesguts: 140.000 Euro. Der bestohlene Firmenchef aus Großkmehlen hat nun eine letzte Hoffnung. Von Andrea Budich

Der Geschäftsführer von Tief- und Landschaftsbau Mittag GmbH, Jens Mittag, ist sauer: „Das waren keine Gelegenheitsdiebe, sondern eine organisierte Bande. Da waren professionelle Auftragsdiebe am Werk, die auf Bestellung die Spezialmaschine ausspioniert und abtransportiert haben.“

Eine andere Erklärung hat der junge Bauunternehmer aus Großkmehlen für den dreisten Klau von seiner Baustelle nicht. Denn die Horizontalspülbohranlage kann niemand so einfach von der Baustelle wegbewegen, der nicht genau weiß, wie das funktioniert.

„So was klaut doch niemand, ohne dass im Hintergrund bereits ein Käufer auf der Matte steht“, sagt Jens Mittag. Die 3,5 Tonnen schwere Spezialmaschine war auf der Baustelle am Ortsausgang von Settinchen (Höhe Blitzer) in der Erde verbohrt. Wer das Gerät bewegen will, muss wissen wie die Verbohrung zu lösen ist.

GPS-Ortungssystem auf Baustelle zurückgelassen

 Der Großkmehlener Unternehmer Jens Mittag hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung zum Verbleib seiner 140 000 Euro teuren Horizontalspülbohranlage.
Der Großkmehlener Unternehmer Jens Mittag hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung zum Verbleib seiner 140 000 Euro teuren Horizontalspülbohranlage. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE

Nach einer Diebstahlserie 2011 war die Bohranlage jetzt mit einem GPS-Ortungssystem gesichert. Damals war aus der Elektroinstallations-Firma seiner Eltern Sabine und Roland Mittag faktisch die komplette Tiefbauausrüstung des Kmehlener Unternehmens im Wert von 180.000 Euro gestohlen worden: ein Lkw-Kipper, zwei Bagger, Erdraketen, Rüttelplatten und Grabenverdichter.

Irgendwo in der Steuereinheit der Maschine verbaut, haben die Baustellen-Ganoven das Ortungsgerät entdeckt und einfach am Tatort zurückgelassen, damit sich niemand an ihre Fersen heften kann.

Um 6.28 Uhr, das kann Jens Mittag nach dem SOS-Anruf seiner Mitarbeiter am Montagmorgen genau anhand der GPS-Box nachvollziehen, ist das Gerät vom Strom getrennt worden. Die Maschinendiebe sind mit der Bohranlage dann noch etwa einen Kilometer auf einem Erdwall gefahren.

Dann wurde das noch fast neuwertige Spezialgerät am hellerlichten Tage auf einen Transporter verladen - was mindestens ein 7,5 Tonnen Klein-Lkw gewesen sein muss. Danach verliert sich jedwede Spur von der 140.000 Euro teuren Anlage.

Diebstahl von Spezialmaschinen eher selten

Die Spuren am Tatort und am zurückgelassenen Ortungssystem sind von Kriminaltechnikern gesichert worden. Der Klau solch teurer Spezialmaschinen ist im Landkreis Oberspreewald-Lausitz aber relativ selten, die polizeiliche Aufklärungsrate ist bundesweit gering.

Das bestätigt Polizeisprecher Torsten Wendt. Häufiger tauchen in der Kriminalitätsstatistik aufgebrochene Baucontainer, geklaute Rüttelplatten oder Gleisrückmaschinen auf. „So etwas Teures gab es lange nicht mehr“, erklärt Wendt den besonderen Stellenwert der Ermittlungen.

Für den Großkmehlener Bauunternehmer Jens Mittag ist es ein herber Rückschlag. Der 29-jährige Wirtschaftsingenieur führt neben der Tief- und Landschaftsbau GmbH auch die Elektroinstallations GmbH seiner Eltern weiter.

Das Aufrüsten gegen die Maschinendiebe beschäftigt ihn seit seinem Start vor vier Jahren. Immer wieder mussten die Verluste durch Diebstähle ausgeglichen werden. Erst die 180.000 Euro nach dem dreimaligen Raubzug vor acht Jahren, dann 2015 schon wieder ein Bagger-Klau im Wert von 25.000 Euro.

Maschinen-Diebstahl bedroht Existenz

Der Diebstahl vom Montag geht an die Existenz des Firmenverbundes mit bis zu 50 Mitarbeitern, den Vater Roland Mittag 1991 als Ein-Mann-Betrieb aufgebaut hatte. „Wir halten durch, geben nicht auf und kämpfen weiter“, sagt Sohn Jens Mittag entschlossen. Das sei er seinen Mitarbeitern und auch den Kunden schuldig.

Dabei klammert er sich an den Strohhalm, dass es vielleicht Zeugen gibt, die am Montagmorgen gegen 7 Uhr auf der Straße zwischen Calau und der Autobahn einen Transporter beobachtet oder das Gefährt an einer Autobahn-Raststätte gesehen haben.

„Bitte melden Sie sich bei der Polizei“, appelliert der Firmenchef an die Solidarität der Lausitzer. Auch die sozialen Medien hat er genutzt, um noch mehr Leute auf den dreisten Diebstahl aufmerksam zu machen.

Für die Kabel-Legearbeiten auf der Baustelle Settinchen muss jetzt ein Leihgerät organisiert werden. Einige andere Aufträge mussten zudem nach hinten geschoben werden.

Derzeit allerdings bleibt nur die Hoffnung, dass Jens Mittag sein Eigentum irgendwann wieder sieht. Auf keinen Fall will er wie schon zweimal erlebt, wieder ein Schreiben von der Polizei erhalten: Der Fall ist eingestellt, die Täter sind nicht zu ermitteln.