| 02:43 Uhr

Senioren geben Gas für mehr Sicherheit

Fahrtrainer Alexander Weiße beobachtet seine Schüler bei Manövern auf glatter Fahrbahn. "Es kommt auf die Lenkpräzision an", betont der Fahrsicherheitsexperte auf dem Dekra-Testoval in Klettwitz.
Fahrtrainer Alexander Weiße beobachtet seine Schüler bei Manövern auf glatter Fahrbahn. "Es kommt auf die Lenkpräzision an", betont der Fahrsicherheitsexperte auf dem Dekra-Testoval in Klettwitz. FOTO: Jan Augustin
Klettwitz. Rund 100 Teilnehmer haben am Montag das Training auf dem Dekra-Testoval genutzt – und die Fahrt an der Grenze genossen. Jan Augustin

Wolfgang Kettlitz gibt ordentlich Gas für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Extra aus Cottbus ist der Senior am Montag auf den Lausitzring nach Klettwitz gefahren. Nach seiner ersten Station auf dem Dekra-Testoval kommt er ins Schwärmen. "Das ist klasse. Ich habe noch nie in meinem Leben eine Totalbremsung gemacht", sagt der 70-Jährige in einer kurzen Pause. Eigentlich fühlt er sich gut gerüstet auf den Straßen. In den letzten Arbeitsjahren vor der Rente war er schließlich selbst mit dem Taxi unterwegs. Wolfgang Kettlitz weiß aber auch: "Der körperliche und der geistige Abbau gehen schleichend." Es ist das erste Fahrsicherheitstraining für den Cottbuser.

Etwa 100 Senioren, und damit fast doppelt so viel wie im Vorjahr, haben am Montag den von Polizei, Feuerwehr und Dekra organisierten "Aktionstag für Senioren im Straßenverkehr" auf dem Testoval in Klettwitz besucht. An acht Stationen können die Teilnehmer der Generation Ü 65 verschiedene Situationen auf der Straße üben. Auf dem Praxis-Programm stehen der Elchtest, verschiedene Bremsmanöver auf glatter Fahrbahn und das schnelle Fahren in der Steilkurve des Lausitzrings. Rot-Kreuz-Mitarbeiter demonstrieren die Bergung eines Verletzten aus seinem Auto. Feuerwehrmänner erläutern die Dringlichkeit, eine Rettungskarte an Bord zu haben, um den Einsatzkräften die schnelle Arbeit am Unfallauto zu erleichtern. Und Polizisten geben Auskunft und informieren zu Dauerbrennern wie dem Enkeltrick oder dem Portemonnaie-Diebstahl im Einkaufsmarkt.

Für Jens Nobis, Präventionskoordinator in der Polizeiinspektion, sind die 35 Euro Schutzgebühr je Teilnehmer angesichts der Vielfalt sehr gut angelegtes Geld. So ein Training kostet gern auch mal 200 Euro. "Jeder, der sich die Gelegenheit entgehen lässt, ist selber schuld", bringt er es auf den Punkt. Ältere, das betont er aber, bauen nicht - wie so oft falsch vermutet - mehr Unfälle. Wenn's dann aber mal kracht, dann oft mit schlimmeren Folgen. "Wir müssen aber damit rechnen, dass der Anteil größer wird", sagt Nobis. Grund ist der steigende Anteil betagter Menschen in der Bevölkerung.

Das weiß auch Hans Kornisch aus Senftenberg. "Es wird immer so viel auf den Alten rumgehackt. Das kann man aber nicht pauschalisieren", findet er. Er sei Vielfahrer. Und ein sicherer. Rückwärts einparken, das sei kein Problem für ihn. Einige Urlaubsreisen und etliche Fahrten nach Berlin kommen pro Jahr zusammen. Für den 80-Jährigen ist es die zweite Teilnahme am Aktionstag. Und er will am Ball bleiben, um weiter unfallfrei zu bleiben.

Dass die Senioren ihre Fahrzeuge gut unter Kontrolle haben, bestätigt Fahrtrainer Alexander Weise aus Dresden. Dennoch erkenne er einen Unterschied, ob jemand noch im Berufsleben steckt und viel unterwegs ist oder als Rentner eben nicht mehr so oft Auto fährt. Der 36-Jährige betreut eine Station, bei der es auf die präzise Lenkung auf glatter Straße ankommt. Im Boden installierte Sprenkleranlagen sprühen permanent Wasser auf den Asphalt. Seine "Schüler" müssen dabei im Slalom durch Hütchen-Tore steuern und je Übung die Geschwindigkeit erhöhen. Während das bei 30 Kilometern pro Stunde noch ohne Weiteres gut klappt, rutschen bei 40 bis 50 km/h die Fahrzeuge weg und reißen einige der orangen Hindernisse um.

Wilfried Schneider aus Senftenberg schätzt sich ebenfalls als einen sicheren Fahrer ein. Ein kleinerer Unfall vor Jahrzehnten - ansonsten sei die Unfall-Weste weiß. Trotzdem stellt auch er sich am Montag den Übungen auf eisglattem Asphalt und genießt die Fahrten an der Grenze. "Das ist schon interessant, sich mal testen zu können und das Auto auch im kritischen Bereich zu überprüfen", sagt der 74-Jährige nach seinem Elchtest.