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Senioren bleiben fit am Steuer

Gert und Margit Eggert aus Niemtsch wollen so lange wie möglich sicher mobil bleiben.
Gert und Margit Eggert aus Niemtsch wollen so lange wie möglich sicher mobil bleiben. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Senioren sind in Oberspreewald-Lausitz statistisch betrachtet sehr sicher in der Spur. Als akute Gefahr auf den Straßen werden sie oft unbegründet vorverurteilt. Kathleen Weser

Das bestätigt Jens Nobis, der Koordinator für Prävention in der Polizeiinspektion. Aber er weiß auch: Wenn es kracht durch Opa am Steuer, dann kracht es wiederum auch vielfach heftig.

Der jüngste Fall in Senftenberg: Mittwochabend kollidiert auf der Calauer Straße ein Mercedesfahrer (80), der die Vorfahrt missachtet hat, mit einem Audi. Im Unfallstress verwechselt der Rentner noch die Bedienelemente seines Autos. Er überquert die Unfallkreuzung schnurgerade und durchbricht mit dem Gefährt ein Zufahrtstor, rauscht über die Grundstücksabgrenzung hinweg und weiter auf ein Nachbargrundstück. Erst hier kommt der Wagen an einer Mauer zum Stehen. Verletzt wird niemand. Den Schaden beziffert Polizeisprecher Torsten Wendt mit 55 000 Euro.

Der Anteil der Menschen betagten Alters in der Bevölkerung steigt deutlich an. Allein die demografische Entwicklung lässt daher darauf schließen: Im Jahr 2030 dürfte rechnerisch bereits jeder dritte Verkehrsunfall einer mit Beteiligung eines älteren Mitbürgers sein. Das sagt Präventionsberater Peter Schmidt. Und das Ordnungshüter-Doppel steuert gegen: mit einer Wiederholung des erfolgreichen "Aktionstages für Senioren im Straßenverkehr" auf dem Dekra-Testoval am Lausitzring in Klettwitz.

Margit (77) und Gert Eggert (80) aus Niemtsch sind wieder dabei. "Wir müssen und wollen so lange wie möglich selbst mobil bleiben", sagt die Niemtscherin. Im ländlichen Raum sei das Auto unverzichtbar. Deshalb hat das Paar die Idee, das eigene Fahrzeug unter fachkundiger Anleitung besser kennen und in Extremsituationen beherrschen zu lernen, sofort für gut befunden. "Ich bin hier zum ersten Mal so richtig auf die Bremse getreten", erzählt Margit Eggert, die seit 1963 den Führerschein für Motorrad und Auto besitzt - und selbst all die Jahre unfallfrei geblieben ist. Nur einmal ist ein anderer Fahrer dem Paar auf das Gefährt gerauscht. "Beim Rattern des Autos hätte ich im normalen Straßenverkehr schon aufgehört, auf die Bremse zu treten", bestätigt die Seniorin. Die Angst vor dem Antiblockiersystem (ABS) ist allgemein groß, kommentiert Peter Schmidt diesen Erfahrungsbericht. "Wer aber einmal richtig auf die Bremse getreten ist und das sichere Gefühl kennen gelernt hat, ist auch sicherer unterwegs", betont er. Und Margit Eggert bestätigt das.

Zuerst ist die Familie mit dem Sohn auf dem Kindersitz mit dem Berlinroller unterwegs gewesen. "Wir haben uns gefühlt wie Gott in Frankreich", erzählt sie lachend. Dann kam der Trabi. Nunmehr ist der gute alte Opel gegen einen neuen Skoda ausgetauscht. Der rollt mit dem Paar zum Testoval. Das Bremsen, das Fahren enger Kurven auf verschiedenen, auch unebenen Fahrbelägen bei Regen und Glätte sei eine hervorragende Schule. "Die Fahrtrainer sind sehr gut und vor allem gründlich im Beurteilen des Könnens und der Fehler", bestätigt Gert Eggert. Das Bedienungshandbuch des neuen Autos hat er immer griffbereit. "Wir halten nichts davon, die Assistenzsysteme aus Unsicherheit abzuschalten. Die sind sehr nützlich, wenn der Fahrer sie erst beherrscht", sagt er.

"Die technischen Hilfen sind wirklich gute Erfindungen, um Unfälle zu vermeiden", bestätigt Polizeiberater Jens Nobis. Gerade viele ältere Fahrer aber deaktivierten sie. Das Elektronische Stabilitäts-Programm (ESP), das das Ausbrechen von Fahrzeugen verhindert, sei in den meisten Autos abgeschaltet.

Dranbleiben für die eigene und die Sicherheit der anderen Leute im Verkehr ist dem Paar wichtig. Auch, weil sie zum Sohn nach Forst natürlich mit dem Auto fahren.

Zum Thema:
Die Polizeiinspektionen Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster legen den Aktionstag für Senioren im Straßenverkehr gemeinsam mit der Prüforganisation Dekra am 18. September erneut auf. Etwa 200 Teilnehmer der Generation 65 plus können mit dem eigenen Auto auf dem Testoval in Klettwitz anreisen und sich an den Sicherheitssystemen testen, um in Grenzbereichen und -situationen richtig zu agieren. Weitere Infos und Anmeldung (erforderlich): nobis@polizei.brandenburg.de; Telefon: 03573 881080 oder - 83