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Zoff um Schulzentrum
Schulzentrum wird Streitthema

Die denkmalgeschützte Dr.-Otto-Rindt-Oberschule in Senftenberg soll ein Schulzentrum werden.
Die denkmalgeschützte Dr.-Otto-Rindt-Oberschule in Senftenberg soll ein Schulzentrum werden. FOTO: Jan Augustin / LR
Senftenberg . Mitten in der Planungsphase für die Senftenberger Superschule spricht die Politik einen Tadel an den Bürgermeister aus. Der Zeitplan gerät ins Wanken. Jetzt kommt noch eine Hiobsbotschaft hinzu. Von Jan Augustin

Für emotionale Wut­reden ist Wolf-Peter Hannig eigentlich nicht bekannt. Der Fraktionsvorsitzende der Linken in der Senftenberger Ratsrunde liebt eher die ruhige unaufgeregte Art. Nun aber hat auch er einmal mit der Faust auf den Tisch gehauen. Grund seines Ärgers ist eine Beratung der Fraktionsvorsitzenden mit dem Bürgermeister zum Thema Schulzentrum. Die Stadt will am Standort Dr.-Otto-Rindt-Oberschule in der Calauer Straße das gemeinsame Lernen von der ersten bis zur zehnten Klasse möglich machen. Dafür soll die rappelvolle Walther-Rathenau-Grundschule umziehen. Die Ratsrunde hat für diesen Schritt bereits grünes Licht gegeben. Geplant ist, dass die neue Schule im Schuljahr 2020/21 ihren Betrieb aufnehmen kann. Nun geht es darum, wie das neue Zentrum aussehen soll und vor allem, was es kostet.

In der Runde hat Stadtoberhaupt Andreas Fredrich (SPD) den Fraktionsvorsitzenden eine Neubau-Variante vorgelegt, die auch mit dem Denkmalschutz vereinbar ist. Wolf-Peter Hannig ist das aber zu wenig. Denn es existieren insgesamt fünf Versionen. „Wenn es mehrere Varianten gab, hätte man die auch vorstellen können“, betont Hannig. Noch mehr ärgert den Kommunalpolitiker aber, dass die ablehnende Haltung auch der anderen Vorsitzenden dazu geführt hat, dass die Verwaltung das Projekt aus dem Entwurf für den Haushalt 2019/20 gestrichen hat. „Ich protestiere, dass man so verfährt. Das ist eine Sache, die völlig undemokratisch ist“, schimpft Hannig. Diese Entscheidung habe die gesamte Ratsrunde zu treffen. „Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung können nur durch Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung aufgehoben werden“, stellt der Abgeordnete klar. Rückendeckung bekommt Wolf-Peter Hannig von anderen Abgeordneten. „Das Schulzentrum ist eines der wichtigsten Maßnahmen. Als Stadtverordneter möchte ich da schon mitgenommen werden“, sagt beispielsweise Rolf-Peter Rössiger (SPD). Auch Jürgen Brettschneider (Wir für Senftenberg/Grüne/B 90) und Kerstin Weidner (Agsus) sind dieser Meinung.

Bürgermeister Andreas Fredrich verteidigt die Vorgehensweise. Er habe, so schnell es ging, den Fraktionsvorsitzenden den aktuellsten Stand der Dinge über das ehrgeizige Projekt mitgeteilt. „Noch früher konnte ich nicht informieren“, betont Fredrich. Außerdem sei in der Beratung keine Entscheidung getroffen worden. „Es ist bis jetzt ein Entwurf der Verwaltung“, erläutert deren Chef. Die Kritik sei daher „völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar“. Die Forderung nach mehreren Varianten sei indes „völlig korrekt“ und auch in seinem Sinne.

Das aber hätte Folgen für den Zeitplan. Denn ein detaillierter Variantenvergleich mit genauen Kostenangaben dauert. Will Senftenberg den ursprünglich avisierten Fördertopf anzapfen, müsste bis März 2018 alles unterschriftsreif sein. Das ist nun unrealistisch.

Hinzu kommt noch eine andere Hiobsbotschaft. Das Land habe seinen zugesagten Förderanteil für das insgesamt rund zehn Millionen Euro geplante Senftenberger Schulzentrum um 1,5 Millionen auf 3,5 Millionen Euro verringert. Andreas Fredrich plädiert nun dafür, die Planung im kommenden Jahr voranzutreiben und zu beenden. Und dann ein neues Förderprogramm anzuzapfen.