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| 17:38 Uhr

40 Jahre Segelclub in Senftenberg
Segler seit 40 Jahren hart am Wind

Der Vorstandsvorsitzende Ullrich Pfabe (r.) sieht regelmäßig nach dem Rechten auf dem Gelände des Segelclubs 1978 Senftenberg. Horst Scharfenberg (l.) ist seit 1978 Mitglied im Klub und immer zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wird.
Der Vorstandsvorsitzende Ullrich Pfabe (r.) sieht regelmäßig nach dem Rechten auf dem Gelände des Segelclubs 1978 Senftenberg. Horst Scharfenberg (l.) ist seit 1978 Mitglied im Klub und immer zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wird. FOTO: Peter Aswendt
Senftenberg. Segelclub 1978 Senftenberg hat Jubiläum begangen. Kritik zur Austonnung des Senftenberger Sees und zum Ankerverbot. Von Peter Aswendt

Seit vier Jahrzehnten hart am Wind - und dann zur Jubiläumsfeier kein Segelwetter. Das haben sich die 56 Segelfreunde und 15 Jungsegler des Segelclubs 1978 Senftenberg zu ihrem Geburtstag nicht verdient. „Leider machte uns der heftige Wind einen Strich durch die Rechnung. Und so sind wir nicht geschlossen gesegelt, hatten aber trotzdem einen sehr schönen Nachmittag am See“, sagt der Vorstandsvorsitzende Ullrich Pfabe (64).

Das Klubgelände mit knapp 30 Wasserliegeplätzen hat seine Heimstatt zwischen Senftenberg und Niemtsch direkt am Ufer des Senftenberger Sees. Zum Jubiläum wurde dreimal der sogenannte „Elbsegler“, unter den Landratten eher als Schmidtmütze bekannt, an frisch berufene Ehrenmitglieder verliehen. Für verdienstvolle Klubarbeit hat der Verband Brandenburgischer Segler auch Ehrennadeln an einige Senftenberger Klubmitglieder vergeben.

Nicht zu überhören waren aber auch die kritischen Töne in der Rede von Vorstandschef Ullrich Pfabe. Der Verein müsse modernisiert werden. „Wir müssen uns verstärkt um die Qualität der Jugendarbeit kümmern. Früher haben wir unsere jungen Segler bis zum Gardasee geschickt“, betont Pfabe.

Neben der sportlichen habe der Segelklub auch eine gesellschaftliche Funktion, ist sich Ullrich Pfabe bewusst. Er selbst hat sich gleich nach dem Studium mit dem Segelvirus infiziert. Im Urlaub 1978 hatte er ein wenig rein geschnuppert in die große Segelwelt. Das hat ihn gleich dazu bewogen, in den noch jungen Segelklub am Senftenberger See einzutreten. „Als ich fragte, ob ich Mitglied werden kann, wurde mir gesagt, dass ich zwar mitarbeiten kann, aber ein Boot nicht zur Verfügung stünde“, lacht Pfabe über diese Erinnerung.

Ein Jahr später machte er den Segelschein, und das erste Boot von Ullrich Pfabe war das typische DDR-Boot „Eikplast“. Wenig später folgte dann die Segeljolle „Ixylon“, die er heute noch segelt. Mit der politischen Wende änderten sich die Möglichkeiten des Segelns und auch beruflich gab es Änderungen. Der Bauingenieur, der bis dahin beim Stahlbau in Ruhland beschäftigt war, wechselte im Jahr 1990 als Geschäftsführer zur Firma Züblin. „Der Job war recht aufreibend, ich bin rund 42 Mal als Dienstreisender um die Welt gefahren“, lacht er. „Die Segelei blieb da etwas auf der Strecke“, bemerkt er stirnrunzelnd.

Als im Jahr 1996 plötzlich der Jugendwart Felix Fuchs verstarb, musste im Vorstand reagiert werden. Nach einer zweijährigen Übergangszeit übernahm schließlich Ullrich Pfabe im Jahr 1998 den Vorsitz und hat ihn bis heute inne. Seit April dieses Jahres ist er Rentner und hat sich das große Ziel gesetzt, die Jugendarbeit qualitativ weiter zu entwickeln. „Bei uns ist es bekannt, wenn finanzielle Mittel da sind, dass sie der Jugend zugutekommen", stellt der Vorstandschef klar.

In der Zwischenzeit ist der zweifache Familienvater dabei, den Seglernachwuchs in der eigenen Familie zu fördern. „Ich habe schon vier Enkel, die alle viel Freude am Wasser haben“, sagt er erwartungsfroh. Die Freude am Senftenberger See ist bei ihm zur Zeit etwas gedämpft: „Die Tonnen liegen so eng, dass man kaum noch nach Koschen segeln kann“, zeigt er ein aktuelles Dilemma auf. Auch gibt er zu bedenken, dass das Ankerverbot perspektivisch viele Wasserwanderer abschrecken wird: „Gerade wenn die anderen Seen über Kanäle mit unserem See verbunden sind, möchte man doch auch mal über Nacht an einer ruhigen Stelle ankern“, so seine Überlegungen. „Es wäre sinnvoll, wenn die Nutzungsbedingungen des Senftenberger Sees nochmals mit allen Beteiligten diskutiert würden, um die Attraktivität zu verbessern“, macht er ein entsprechendes Gesprächsangebot.

Aber nichtsdestotrotz geht Ullrich Pfabe das Projekt Jugendarbeit weiter an: „Wir brauchen jetzt erst mal eine neue Website, damit die jüngere Generation weiß, was wir machen.“ Mit günstigen Beiträgen und der Bereitstellung der Boote für Training und später auch Regatten schafft der Klub beste Voraussetzungen. Natürlich immer in der Hoffnung, dass der Segelnachwuchs möglichst zahlreich zum Klub findet.

Das hat zum Jubiläumsfest auch Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD). Seine seemännischen Fähigkeiten halten sich freilich in Grenzen. Vor den Seglern hat er in der Niemtscher Mühle erklärt: „Ich stamme zwar aus einer Seglerfamilie, bin aber die einzige Landratte in meiner Familie.“