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| 02:53 Uhr

Senftenbergs Pfannkuchenkönige

Glasiert oder gezuckert - für die süßen Rosenmontags-Leckerbissen müssen die Bäckermeister Volker Richter (hinten) und Martin Grafe (vorn) früh aufstehen. Chefin Marina Richter (2.v.r.) ist fürs Füllen und Zuckern zuständig. Tochter Nadine kommt im Laden mit dem Eintüten kaum hinterher.
Glasiert oder gezuckert - für die süßen Rosenmontags-Leckerbissen müssen die Bäckermeister Volker Richter (hinten) und Martin Grafe (vorn) früh aufstehen. Chefin Marina Richter (2.v.r.) ist fürs Füllen und Zuckern zuständig. Tochter Nadine kommt im Laden mit dem Eintüten kaum hinterher. FOTO: Rasche/str1
Senftenberg. Für Bäckermeister Volker Richter ist die Nacht zum Rosenmontag kurz: Nach Traditionsrezept produziert er ab 3 Uhr morgens 6000 Berliner gefüllt mit Pflaumenmus, Eierlikör und Senf. Andrea Budich

Zwischen Mitternacht und Morgengrauen backt Bäckermeister Volker Richter (59) am Rosenmontag zwanzig Mal mehr Pfannkuchen als an normalen Tagen. 6000 Stück hat er sich vorgenommen. Pfannkuchen wie am Fließband also, bei dem allerdings jeder Griff noch echte Handwerkskunst ist.

Die Pfannkuchen-Schicht ist Tradition bei Richters. Normalerweise ist montags geschlossen. Am Rosenmontag macht der Chef eine Ausnahme. Dabei hat er selbst mit dem Karneval nur wenig am Hut. Seine Pfannkuchen aber reißen ihm die Leute aus den Händen, bestellen sie schon Wochen im Voraus und stehen dafür am Rosenmontag ab 5.30 Uhr vor der Bäckereitür Schlange.

Die Pfannkuchen-Erfolgsstory ist bei Richters langsam gewachsen. Glasiert oder gezuckert - so bescheiden war die Auswahl noch vor 22 Jahren, als Richters die Traditionsbäckerei im Oktober 1994 übernahmen. Von Karneval zu Karneval wuchsen Volker und Marina Richter dann immer mehr rein ins närrische Geschäft. Zur Marmelade kam der Pflaumenmus, später dann der Eierlikör. Und neben den gezuckerten und glasierten Exemplaren kamen schließlich auch die mit Schokoladenüberzug hinzu. Die mitten in den Pfannkuchenbauch gespießten bunten Spaßmacher-Figuren gibt es als Faschingsgruß dazu.

Knapp 800 Pfannkuchen sind für Montag vorbestellt. Am begehrtesten ist der Klassiker: gezuckert und mit Mehrfruchtmarmelade. Der Eierlikör hat in der Kundengunst soweit aufgeholt, dass er inzwischen mit dem Pflaumenmus gleichauf liegt.

Für die Pfannkuchen-Schlacht stellt sich Bäckermeister Volker Richter um 2.30 Uhr den Wecker. Dann geht es ab in die Backstube in der Thälmannstraße. Für seine 6000 Stück braucht er 60 Kilogramm Mehl und 250 Eier. Welche Zutaten genau zum Teig gehören, da lässt sich der Bäckermeister nicht in die Karten schauen. Er schwört auf sein eigenes Rezept, zu dem auf keinen Fall eine Fertigmischung aus der Tüte gehört. "Das haben wir ein einziges Mal probiert und für immer abgehakt", erklärt der Meister, der auf traditionelles Handwerk schwört.

Die Pfannkuchen-Manufaktur ist bei Richters reine Familiensache. Aus der Backstube übernimmt Ehefrau Marina die Bretter mit je 60 Teiglingen in ihr Küchenreich. Sie heizt das Fettbad zum Ausbacken auf 180 Grad vor, stellt den großen Zuckernapf bereit und bringt für die süße Injektion das Füllgerät in Stellung. Den Senf schießt sie mit einem Spritzbeutel in den Pfannkuchenbauch. Auch dafür gibt es viele Bestellungen. In den Beutel kommt bei Richters nur der Bautzner Senf, weil der die Schärfe bringt, den die Narren so schätzen.

Bis zum Mittag kommt Marina Richter nicht weg vom Fettbad und der Füllmaschine. Den Gewaltritt nach 6000 Stück spürt sie spätestens am nächsten Tag. "Das geht auf den Rücken, und Muskelkater gehört dazu", sagt sie.

Auf die ersten fertigen Bleche warten im Laden die Kunden schon um 5.30 Uhr. "Wir schließen extra eher auf, weil die Leute weiter wollen nach Cottbus oder Dresden", erzählt Tochter Nadine Richter. Manche nehmen gleich vor dem Laden den ersten Biss.

"Köstlich, wie zu DDR-Zeiten", heißt es dann immer wieder nach dem ersten saftigen Happen aus dem Munde von Kunden.