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| 01:02 Uhr

Senftenbergs Angst vor den Studiengebühren

Senftenberg.. Bei den FHL-Studenten geht die Studiengebühren-Angst um. 500 Euro monatlich, wie von der Kultusminister-Konferenz vorgeschlagen, könnten etliche nicht aufbringen, so der FHL-Studentenrat. Viele müssten das Studium abbrechen oder könnten es gar nicht erst beginnen. Für Senftenbergs 1. Beigeordneten Andreas Fredrich wäre solch ein Aderlass ein „Abbruch für die Stadt“ . FHL-Präsidentin Brigitte Klotz hingegen hält die Gebühren für „notwendig“ . Von Daniel Preikschat <br> und Sascha Klein

Wann kommt die Studiengebühr„ Wie hoch wird sie sein“ Kommt die neue Einnahme wirklich dem Fachbereich zugute? Diese Fragen treiben derzeit die Studenten der FHL um, heißt es vom Studentenrat. „Viele sehen ein finanzielles Desaster auf sich zukommen und sind erschrocken.“ Andreas Karsten, Koordinator des Vereins „BrandStuVe“ , in dem Studenten aller acht Hochschulen in Brandenburg vertreten sind, hat eine Befürchtung: „Die Hochschulen bekommen das, was an Studiengebühren bei ihnen reinkommt, an Landeszuschüssen wieder gestrichen.“ Deswegen glaubt der Student an der BTU in Cottbus auch nicht, dass mit den Gebühren die Lehre verbessert wird. Natürlich würde die Gebühr „sozial selektiv wirken“ , auch wenn Kulturministerin Johanna Wanka das abstreite.
Karsten: „Das sieht man in Nachbarländern, wo es die Gebühr schon gibt. Dort ging die Zahl der Studierenden um zehn bis 15 Prozent zurück.“
FHL-Präsidentin Brigitte Klotz ist diese Zahl nicht bekannt. Sie hat keine Angst davor, dass der FHL die Studenten weglaufen, sollte die Gebühr kommen. Sie hält sie für „notwendig“ , betont aber im gleichen Atemzug, dass die sozialen Härten gerade in der Lausitz abgefedert werden müssen. Die Präsidentin hat da schon so ihre Vorstellungen: „Das Land muss zinsgünstige Kredite anbieten und Stipendienprogramme auflegen.“ Auch sollten zunächst nur die Studenten die Gebühr zahlen, die ihre Regelstudienzeit deutlich überschritten haben. Außerdem will Brigitte Klotz bei der Brandenburgischen Rektorenkonferenz in der nächsten Woche eine Stiftung vorschlagen. Dabei appelliert sie an die Solidarität: „Es könnte zum Beispiel jeder Student und Dozent monatlich einen Euro einzahlen.“

Vom Land nichts mehr zu erwarten
Dass die Gebühren nur zur Sanierung des Landeshaushalts herhalten sollen und eben nicht die Lehre verbessern – das hält die FHL-Präsidentin für einen „Trugschluss“ . „In einem Hochschulpakt muss festgeschrieben werden, dass die Finanzminister keinen Zugriff auf das Geld haben.“
Und verbessert werden müsse die Lehre – auch an der FHL – dringend. Zwar bewege man sich in Senftenberg und Cottbus schon jetzt auf hohem Niveau. Doch um bundesweit weiter konkurrenzfähig zu bleiben, müsse die Qualität weiter erhöht werden. Die Umstellung auf die Abschlüsse Bachelor und Masters sei auch nicht umsonst zu haben. Vom Land, so Brigitte Klotz, dürfe man bei klammen Kassen keine Unterstützung erwarten.

Hochschulstadt will Studenten halten
„Weniger Studenten wäre ein Abbruch für die Stadt“ , so Senftenbergs 1. Beigeordneter Andreas Fredrich. Bei zurückgehenden Studentenzahlen könnte auch die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Senftenberg Schaden nehmen. „Wir versuchen weiterhin, so viele Studenten wie möglich nach Senftenberg zu holen“ , so Fredrich. Er selbst ist Gegner von Studiengebühren und befürchtet, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien so der Weg zur Hochschule verbaut werden könnte. Für Fredrich ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für gute Ausbildung zu sorgen: „Wir müssen uns das ganz bewusst leisten.“

Hintergrund Gebühren Ländersache
 Das Bundesverfassungsgericht hat in dieser Woche das Gebührenverbot des Bundes für das Erststudium für nichtig erklärt. Das Verbot verletze das Gesetzgebungsrecht der Länder. Die können nun selber entscheiden. Dabei hat sich Ministerpräsident Matthias Platzeck bereits für eine bundeseinheitliche Regelung ausgesprochen. Auch FHL-Präsidentin Brigitte Klotz hält das für notwendig.
Bei der FH Lausitz in Senftenberg und Cottbus wären 3300 Studenten von der Gebühr betroffen.