Der länger als ein Jahrhundert andauernde Braunkohleabbau verfolgt auch die Senftenberger bis in die heutige Zeit. Der Ausläufer des gekipptes Areals des Alttagebaus "Impuls", auf dem inzwischen auch der Gewerbestandort Laugkfeld errichtet worden ist, soll für Wohnhäuser baureif gemacht werden. Vor zehn Jahren hat eine Senftenberger Unternehmerin die Fläche am Stadtrand von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) erworben. Und die Stadt hatte später - und schon damals nur schweren Herzens - zugestimmt, einen Bebauungsplan aufzustellen.

Jetzt rudert sie aus gutem Grund zurück. Denn die Risiken für die Stadt sind zu hoch, stellt Rechtsamtsleiter Alexander Mai-Winkler fest. Die Rathaus-Spitze befürchtet, dass Spätfolgen aus dem schwierigen Baugrund die Kommune in die Haftung bringen könnten und dies dann finanziell hart ins Kontor schlage.

Die Investorin hat mit fundierten Untersuchungen bisher nicht nachgewiesen, dass der Baugrund für ein- und zweigeschossige Wohnhäuser geeignet ist. Aus Kostengründen sei auf "tatsächliche Baugrunduntersuchungen vor Ort" durch Messungen und Sondierungen verzichtet worden, gibt Andrea Fischer, die Chefin des Stadtplanungsamtes, im Bauausschuss deren Aussage wieder. Die Stadt Senftenberg, der dem Gesetz folgend die Planungshoheit obliegt, solle erst Planungsrecht schaffen. Bis dato liegt zum Problem-Baugrund nur ein wenig aussagekräftiges Schreibtisch-Gutachten vor. Die Bauverwaltung empfiehlt den Senftenberger Abgeordneten, die das letzte Wort zum Bebauungsplan haben, angesichts dessen das Verfahren einzustellen. Damit würde das Bauen auf der bereits sanierten und aus der Bergaufsicht entlassenen Alttagebau-Randfläche im Stadtgebiet ausgeschlossen. "Grundsätzlich ist es heute nur eine Frage des Geldes, schwierigen Baugrund baureif zu machen", sagt Rolf-Peter Rössiger (SPD). Der SeeCampus Niederlausitz stehe auf ähnlich beschaffenem Boden. Die Baukosten in der Erde seien ebenso hoch wie das Errichten der Häuser, schätzt der langjährige Bergbausanierer ein. "Aber dafür muss ein belastbares Gutachten auf den Tisch, und die Bedingungen müssen stimmen. Ist dies der Fall, kann auch gebaut werden", sagt er. "Wir können und werden aber keine zweite Grubenteichsiedlung riskieren", betont Rössiger. Dieser Wohnstandort auf einem Kippenmassiv in Lauchhammer-West war in den 30er-Jahren errichtet worden. Die Bewohner müssen bis Mitte des Jahres wegziehen. Sie haben Haus und Hof verloren. Neue Risiken wider besseren Wissens, oder konkreter auf der Basis erklärten Unwissens, müssten die Senftenberger Stadtväter ablehnen.