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| 15:15 Uhr

Ehrenamt in Oberspreewald-Lausitz
Der Schluss-Akkord ohne Instrument ist Chefsache

40 Jahre und trotzdem jung geblieben: Dem Spielmannszug des SV Senftenberg stehen im Jubiläumsjahr bewegende Wochen und Monate bevor. Um einen überzeugenden Eindruck zu hinterlassen und die Nachwuchsgewinnung voranzutreiben, wird wöchentlich in der Regenbogen-Grundschule geprobt.
40 Jahre und trotzdem jung geblieben: Dem Spielmannszug des SV Senftenberg stehen im Jubiläumsjahr bewegende Wochen und Monate bevor. Um einen überzeugenden Eindruck zu hinterlassen und die Nachwuchsgewinnung voranzutreiben, wird wöchentlich in der Regenbogen-Grundschule geprobt. FOTO: Uwe Hegewald
Senftenberg. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Irena „Fischa“ Blechstein (Senftenberg). Von Uwe Hegewald

Wenn sich Vereinsmitglieder mit „Hutzi-Hutzi“ begrüßen, hinter den „Two Boys“ zwei Mädchen stecken und jeder Erwachsene in der Riege einen außergewöhnlichen Spitznamen trägt, muss es sich um eine kuriose Interessengemeinschaft handeln. Die Rede ist vom Spielmannszug SV Senftenberg; das gemeinsame Interesse: Musizieren. Okay, Lachen, Spaß und Frohsinn verbreiten, Freundschaften pflegen oder auf die Sorgen des Alltags flöten, gehören ebenso zum Standardprogramm. „In diesem Jahr blicken wir auf unsere Gründung vor 40 Jahren zurück“, berichtet Irena Blechstein, im Ensemble kurz „Frau Fischa“ genannt. Mit der Bezeichnung „eingeschworene Truppe“ ließe sich der Spielmannszug aus der Kreisstadt am treffendsten charakterisieren, so die Regisseurin, die sprichwörtlich zum Vorsitz gekommen ist, wie die Jungfrau zum Kind. Zugang zu den Spielleuten habe sie durch ihre Tochter Anne gefunden, die seinerzeit im Zug musizierte. „Ich habe die Musiker zu Auftritten, in Trainingslager oder auf Reisen zu internationalen Gastspielen begleitet und bin hängengeblieben“, erklärt Irena Blechstein und beichtet: „Wir sind womöglich der einzige Spielmannszug in Deutschland, in dem die Vereinsvorsitzende kein Instrument spielen kann.“ Ihre Qualitäten liegen im Organisieren, Erledigen des Papierkrams, Stärken der Moral der Truppe und im Moderieren.

Bestes Beispiel sind die inzwischen legendären Zapfenstreiche im Großkoschener Amphitheater, die Irena Blechstein an der Seite von Frank Losch (Ruhland) moderiert. Zum zehnten Mal in Folge setzt der Senftenberger Klangkörper mit dem Spielmannszug aus Ruhland, den Marga-Fanfaren Brieske und dem Schalmeienorchester Tettau/Frauendorf den Schlussakkord der Saison im Amphitheater. So gesehen darf der Spielmannszug Senftenberg anno 2018 ein Doppeljubiläum feiern. Der Blick ist zweifellos nach vorn gerichtet, obwohl ein Schwelgen in Erinnerungen von so mancher Musikerseele als Balsam wahrgenommen wird. Über allen schwebt Bärbel Neitzel, die 1978 mit 29 musikbegeisterten Mädchen und Jungen den Kinder- und Jugendspielmannszug der Fritz-Weineck-Oberschule Senftenberg aus der Taufe hob. Wer es vergessen hat: Fritz Weineck war der „Kleine Trompeter“, Hornist des Roten Frontkämpferbundes, der bei Unruhen am 13. März 1925 dem Schuss eines Polizisten erlag. „Heute ist Bärbel Neitzel Ehrenmitglied unseres Spielmannszuges und immer noch eine gefragte Person“, so Irena Blechstein, die vor 15 Jahren den Vorsitz übernahm. Zwar habe sich der Schulname in Regenbogen-Grundschule geändert, nicht aber der selbst auferlegte Anspruch des heute 35-köpfigen Ensembles. Wie Grit Vogel anführt, steht stets ein disziplinierter, akkurater Auftritt im Vordergrund. „Unser Nachwuchs bekommt Notenlehre, was sich durchaus positiv auf die Schulnoten im Unterrichtsfach Musik auswirkt“, so die stellvertretende Vorsitzende. Auch habe sich der Spielmannszug für eine konsequente Weiterentwicklung des musikalischen Repertoires ausgesprochen. „Ohrwürmer von ABBA, Udo Jürgens oder von Ostrockbands finden auch bei unseren Zuhörern Gefallen“, begründet Grit Vogel, die im Verein liebevoll „Mudda“ genannt wird. Nicht ohne Grund, ist sie doch von Beginn an dabei und zudem für das Pflegen und Aktualisieren der Chronik zuständig. Diese umfasst inzwischen vier Bände, gespickt mit zahlreichen Fotos und Berichten von Höhepunkten in vier Jahrzehnten und von wichtigen Leuten, die im Klangkörper den Ton angeben. Stellvertretend können an dieser Stelle Kerstin Laube und Ilka Skrock genannt werden. Die Liste könne lückenlos fortgeführt werden, jedes einzelne Mitglied von jung bis junggeblieben sei Teil des Ganzen, betonen die Vorstandsmitglieder. Kleinster gemeinsamer Nenner in der eigenständigen Sektion des Sportvereins Senftenberg sind das Musizieren und der ansteckende Humor. Irena Blechstein fällt es nicht schwer, ein treffendes Beispiel anzuführen. So habe die „Kapelle“ auf der Rückfahrt von einer Veranstaltung eine Hochzeitgesellschaft beobachtet und spontan entschlossen, die Reise zu stoppen, aus dem Bus zu steigen und dem unbekannten Brautpaar ein Ständchen zu bringen. Wer sich selbst ein Bild vom musikalischem Können und dem Zusammenhalt der Truppe verschaffen möchte, kann sich für einen Schnupperkurs anmelden oder einen der bevorstehenden Auftritte besuchen. Am kommenden Montag, 30. April, ist der Klangkörper gegen 19.30 Uhr beim Maibaumaufstellen in Hörlitz zu erleben.
www.spielmannszug-senftenberg.de