Von Jan Augustin

Er sinkt seit Wochen, aber nur um wenige Zentimeter: Der Wasserstand im Senftenberger See liegt am Montagnachmittag bei 98,62 Meter über Normalhöhennull. Angesichts der anhaltenden Dürre ist das ein beruhigender Wert. Die kritische Marke von 98,30 Meter ist noch ein Stück weit entfernt. Fällt der Pegel aber auf diesen Wert, steigt laut Bergbau-Experten das Risiko einer Rutschung an der Insel – und der See würde gesperrt. So wie im vergangenen Herbst, als bei Niedrigwasserstand unweit von Niemtsch eine 250 mal 200 Meter große Fläche der Insel abgebrochen und in den See gerutscht war.

„Ganz sparsame“ Flutungszentrale

Die Flutungszentrale der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) agiert im Auftrag des Brandenburger Landesumweltamtes (LfU) „ganz sparsam“. Das bestätigt LfU-Sprecher Thomas Frey. „Vereinfacht dargestellt, fällt bei der augenblicklichen Steuerung der Pegel durchschnittlich um circa einen halben Zentimeter täglich.“ Dieser vereinfachten Formel folgend würden noch Wochen vergehen bis der kritische Bereich Bereich erreicht sei.

Der erneut extrem trockene Sommer stelle jedoch eine enorme Herausforderung für die Mengenbewirtschaftung im Schwarze-Elster-Gebiet dar. „Das LfU reagiert darauf mit einer fein austarierten, auf große Sparsamkeit ausgerichteten und vorausschauenden Bewirtschaftung des Speicherbeckens“, betont Thomas Frey.

AG „Extremsituation“ erhöht Grenzwasserstand für mehr Sicherheit

Die Ämter übergreifende Ad-hoc-AG „Extremsituation“ hofft trotzdem dringend auf Regen. Zuletzt hatte diese festgelegt, dass die Bewirtschaftung nur bis zu einem Wasserstand von 98,4 Meter erfolgt, um den geotechnischen Grenzwasserstand von 98,3 Meter „mit hinreichender Sicherheit einhalten zu können“, sagt Frey. Auch wenn aber keine aktive Abgabe in die Schwarze Elster erfolge, könne das Speicherbecken Niemtsch durch Verdunstung an Volumen verlieren.

Zufriedene Touristiker ohne Sorge

Auswirkungen auf den Tourismus hat der sinkende Pegel bisher nicht. Im Gegenteil: Campingplätze und Hotels sind sehr gut gebucht. Auf und am See tummeln sich Gäste aus ganz Deutschland, Tschechien und Polen. Norbert Noack, Leiter Tourismus beim Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg, habe daher bisher auch keine Sorgen. Die Urlauber und der Verband seien sehr zufrieden mit der Saison.

Für das Setzungsfließen in der ehemaligen Tagebau-Innenkippe im vergangenen Jahr wurde als mögliches auslösendes Initial Wildtritt, etwa von Wildschweinen, angenommen. Im Januar starteten die Sanierungsarbeiten. Im Saugspülverfahren wurden die ersten gefährlichen Schüttrippen des ehemaligen Tagebaus Niemtsch im Unter-Wasser-Bereich abgetragen. Das Material wurde über bis zu zwei Kilometer lange Rohre befördert, um es dann in die tiefsten Stellen des Sees zu versenken. Die Unterwasserbereiche sollen so inselumlaufend abgeflacht werden, um das Rutschungsrisiko zu minimieren.