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| 11:11 Uhr

Lausitzer Seenland
Lebensgefahr am Schiffsanleger

 Gleich neben dem Geierswalder Badestrand befindet sich der Schiffsanleger. Wer als Badegast die Bojenkette nicht überschreitet, muss keine Gefahr durch den Solarkatamaran befürchten.
Gleich neben dem Geierswalder Badestrand befindet sich der Schiffsanleger. Wer als Badegast die Bojenkette nicht überschreitet, muss keine Gefahr durch den Solarkatamaran befürchten. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Senftenberg, Geierswalde. Manche Badegäste sorgen auf den Fahrgastschiffen im Seenland für mehr als eine Schrecksekunde. Von Torsten Richter-Zippack

Drei Meter: Diese Zahl hat sich bei Kapitänin und Reederin Marianne Löwa tief im Kopf eingebrannt. Denn drei Meter waren es zwischen ihrem Fahrgastschiff Santa Barbara und einem Kind auf einer Luftmatratze. „Unser bislang krassester Fall“, kommentiert Löwa. In unmittelbarer Nähe der Anlegestelle Niemtsch im Senftenberger See musste das Schiff eine Vollbremsung absolvieren. „Zudem haben wir das Horn betätigt, und die Besatzung hat lautstark auf die Gefahr hingewiesen“, erinnert sich Marianne Löwa. Von den Eltern habe es keine Reaktion gegeben, berichtet die Reederin weiter.

Wäre es zur Kollision gekommen, hätte das Kind nur geringe Überlebenschancen besessen. Die Schiffsschraube bilde einen Sog aus. Wer da hineingerate, habe kaum eine Möglichkeit, dort unversehrt herauszukommen.

Laut Marianne Löwa komme es bei schönem Wetter fast täglich zu solchen Konflikten zwischen Badegästen und Fahrgastschiff. „Manche Badende denken, dass unser Schiff wie ein Auto reagiert, also selbst im letzten Moment ausweichen könnte. Das geht aber schon rein physikalisch nicht“, erklärt die Unternehmerin.

Am Schiffsanleger an der See­brücke im Senftenberger Stadthafen kommt es ebenfalls öfter zu gefährlichen Situationen. „Manche springen von der Brücke vor oder hinter dem Schiff ins Wasser.“ Nicht zuletzt seien die Anleger sowohl in Senftenberg als auch in Niemtsch durch die Badenden nass, sodass Rutschgefahr für die Fahrgäste bestehe.

Immerhin ist Ende Juni die Wasserschutzpolizei auf Bitte des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) aktiv geworden. Nach Angaben von LSB-Sprecherin Dana Hüttner hatten Wasserspringer an der Seebrücke das Personal des Verbandes bedroht.

In der Strand- und Badeordnung für den Senftenberger See ist festgehalten, dass das Springen von Anlegestellen und Stegen beziehungsweise das Baden, verboten ist. Entsprechende Schilder weisen darauf hin. „Wir weisen die Leute darauf hin, wenn wir sie erwischen“, erklärt Hüttner. Mehr noch: „Wir können hierzu nur immer wieder auf die hohe Lebensgefahr hinweisen und an die Vernunft appellieren.“

Am Geierswalder See befindet sich der offizielle Badestrand direkt neben dem Schiffsanleger. Marianne Löwa, die den dortigen Anleger mit ihrem Solarkatamaran Aqua Phoenix ansteuert, glaubt, dass sich die Bojen zur Abgrenzung des Badestrandes zu nahe am Anleger befinden. Sie habe dieses Anliegen bereits beim zuständigen Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen (LSS) vorgebracht. Geschäftsführer Daniel Just sagt indes, dass aus der entsprechenden wasserrechtlichen Genehmigung kein Mindestabstand zu Badebereichen hervorgehe. Allein durch die Tonnen des Badestrandes erfolge eine eindeutige Kennzeichnung.

„Wer über den abgegrenzten Bereich hinaus schwimmt, tut dies somit auf eigene Gefahr. Darüber hinaus ist in den Bereichen gegenseitige Rücksichtnahme geboten.“ Dennoch wolle der LSS in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Elsterheide und den zuständigen Fachbehörden prüfen, ob Optimierungen in diesen Bereichen erforderlich sind.

„Wenn der Strand richtig voll ist, müssen wir genau aufpassen“, sagt Bodo Aust, Schiffsführer auf der Aqua Phoenix. Zwar gebe der Katamaran akustische Signale, und zwar drei mal kurz aus dem Horn, nur, manche Leute verstünden die Absicht dahinter nicht. Aust sagt aber auch, dass sich die meisten Badegäste durchaus an die Bojenkette halten. Doch gebe es immer wieder auch solche, die das nicht täten. „Besonders bei bewegtem Wasser sind diese Schwimmer vom Schiff aus schwer erkennbar. Ich würde denen empfehlen, zumindest bunte Badekappen zu tragen.“ Sollte dennoch ein Badender dem Schiff zu nahe kommen, werde die Maschine ausgekoppelt, sodass der Fahrmotor zum Stehen kommt.

Für problematischer als die Badegäste hält Bodo Aust indes Surfer, die das Fahrgastschiff mit nur geringem Abstand passieren. „Falls von denen einer stürzen sollte, bin ich schon drüber“, zeichnet der gelernte Hochseefischer die Konsequenz auf. Besser und sicherer wäre ein bisschen mehr Respekt, rät der Schiffsführer.

 Gleich neben dem Geierswalder Badestrand befindet sich der Schiffsanleger. Wer als Badegast die Bojenkette nicht überschreitet, muss keine Gefahr durch den Solarkatamaran befürchten.
Gleich neben dem Geierswalder Badestrand befindet sich der Schiffsanleger. Wer als Badegast die Bojenkette nicht überschreitet, muss keine Gefahr durch den Solarkatamaran befürchten. FOTO: Torsten Richter-Zippack