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| 17:05 Uhr

Senftenberger See füllt sich wieder
Wildschweine sollen Rutschung ausgelöst haben

Eine Wildschwein-Rotte soll mitverantwortlich dafür sein, dass ein Teil der imposanten Insel ins Rutschen geraten ist.
Eine Wildschwein-Rotte soll mitverantwortlich dafür sein, dass ein Teil der imposanten Insel ins Rutschen geraten ist. FOTO: dpa / Jens Büttner
Senftenberg. Sauerei: Wildschweine sollen die Verursacher der Rutschung am Senftenberger See sein. Die Schützenhilfe aus benachbarten Gewässern zeigt unterdessen Wirkung. Der See füllt sich wieder, bleibt aber noch gesperrt. Von Jan Augustin

Vermutlich das Getrampel einer Rotte Wildschweine hat die Rutschung an der Insel im Senftenberger See vor knapp zwei Wochen ausgelöst. Das bestätigt der Präsident des Brandenburger Landesbergamtes, Hans-Georg Thiem. Der Wildtritt sei wahrscheinlich das Initial für das Setzungsfließen in der ehemaligen Tagebau-Innenkippe gewesen. Neben der Ursache ist nun auch das Ausmaß der Rutschung bekannt. Etwa 200 mal 250 Meter groß sei das Inselstück, das bei einem „außergewöhnlichen Niedrigwasserstand“ von 97,93 Metern über Normalhöhennull (NHN) in den See gerutscht ist. Wichtiges Ziel sei es nun, so schnell wie möglich einen Wasserstand von 98,30 Metern zu erreichen, „um auf diesem Wege die geotechnische Sicherheit wieder herzustellen“, erläutert Hans-Georg Thiem. Er hoffe, dass dieses Vorhaben innerhalb der nächsten sechs Wochen umgesetzt ist. Dann könnte der See wieder freigegeben werden.

Steigende Wasserstände und eine schnelle Freigabe des Sees wünscht sich inständig auch Enrico Krüger-Zahn von der Firma Expeditours. Wie am Stadthafen liegen auch seine Boote am Hafencamp in Großkoschen derzeit sinnbildlich auf dem Trockenen. „Natürlich ist das eine Einbuße“, sagt der Senftenberger. Bis Ende Oktober läuft die Vermietung noch. Erst am Dienstag habe er drei Absagen nach Segelboot-Anfragen erteilen müssen. Für die Vollsperrung des Senftenberger Sees seit Freitag vergangener Woche habe er wenig Verständnis. Selbst an seine eigenen Boote, um sie gegen Sturm zu sichern oder die ersten winterfest zu machen, komme er derzeit nicht heran. „Ja, natürlich“ habe er auch Angst, dass die aktuelle Situation länger anhält als gedacht und die nächste Saison so in Gefahr geraten könnte. Dabei sei das Problem der rutschungsgefährdeten Insel verbunden mit dem niedrigen Wasserstand schon lange bekannt. „Das hat sich ja angebahnt“, kritisiert Enrico Krüger-Zahn.

Doch nun scheint die von mehreren Behörden beschlossene Schützenhilfe aus benachbarten Gewässern Wirkung im Senftenberger See zu zeigen. Durch den Zulaufstollen am Koschener Kanal werden seit Montagnachmittag rund zwei Kubikmeter pro Sekunde aus dem Sedlitzer und dem Geierswalder See zugeführt. Wenn auch langsam, steigt der Wasserstand wieder an. Am Dienstagmorgen hatte der Senftenberger See einen Stand von 97,94 Metern NHN und damit einen Zuwachs von einem Zentimeter erreicht. Das teilt der Sprecher des zuständigen Landesumweltamtes, Thomas Frey, mit.

Im Laufe des Nachmittags sei der Pegel um einen weiteren Zentimeter gestiegen. Parallel werde die Abgabe aus dem See bis auf Null abgesenkt. Zu Spitzenzeiten während des diesjährigen Sommers wurden aus dem Senftenberger See bis zu einem Kubikmeter pro Sekunde in die Schwarze Elster geleitet. Durch die ausgiebigen Niederschläge am vergangenen Wochenende habe sich die Lage an der Elster deutlich entspannt.

Zur Anhebung des Wasserstandes im Senftenberger See hatte die länderübergreifende Arbeitsgruppe „Extremsituation Spree/Schwarze Elster“ am Montag eine Strategie beschlossen. Demnach soll der Auslauf in die Schwarze Elster geschlossen werden, was bereits geschehen ist, wie Landesbergamtschef Hans-Georg Thiem bestätigt. Auch soll Wasser aus dem Sedlitzer, Geierswalder, Partwitzer und Neuwieser See durch die Überleiter nach Senftenberg fließen. „Dafür werden die Wasserstände in diesen Tagebaurestseen kontrolliert abgesenkt“, erklärt er.

Um einen Mindestabfluss in der Schwarzen Elster zu gewährleisten, sei weiterhin vereinbart worden, Wasser aus dem Wasserspeicher Lohsa II über den Oberen Landgraben einzuleiten. „Diese Maßnahme dient zur Kompensation der temporär ausgesetzten Ausleitung aus dem Senftenberger See in die Schwarze Elster“, erläutert Hans-Georg Thiem. Zum weiteren Vorgehen soll an diesem Mittwoch eine nächste große Runde mit allen beteiligten Behörden stattfinden, bestätigt Thiem.