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| 10:03 Uhr

Senftenberger See
Bürokratie versenkt in Großkoschen Wasserspaß

 Der neue Wassersportpark am Großkoschener Badestrand ist gesperrt worden. Die Badegäste, vor allem die Kinder, verstehen das nicht. 
Der neue Wassersportpark am Großkoschener Badestrand ist gesperrt worden. Die Badegäste, vor allem die Kinder, verstehen das nicht.  FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / STEFFEN RASCHE
Senftenberg/Großkoschen. Der Wassersportpark am Großkoschener Strand des Senftenberger Sees ist überraschend gesperrt worden. Rutschungsgefahr droht, weil der Hüpfspaß die Betonanker auf dem Seegrund in Bewegung bringen könnte. Jetzt steht fest: Der Park hätte nie öffnen dürfen. Von Kathleen Weser und Jan Augustin

Der Wassersportpark am Großkoschener Badestrand des Senftenberger Sees ist im Treibsand der Bürokratie versunken. Die Freizeitanlage ist vor dem Wochenende überraschend gesperrt worden, das Betreten des Strandabschnittes ist untersagt. Denn ein Sachverständiger hat „aus geotechnischer Sicht keine Zustimmung zur Errichtung des Wasser­sportparkes“ erteilt. Das hat der Landkreis Oberspreewald-Lausitz am Montag mitgeteilt.

Der Einschätzung des Experten für die Böschungen von Tagebauen zufolge kann bisher nicht sicher ausgeschlossen werden, dass der Hüpfspaß auf den großflächigen Schwimmkörpern über die Taue zu den Beton-Ankern den locker gelagerten Seegrund ins Rutschen bringen können.

Sperrung am Senftenberger See FOTO: Steffen Rasche

Ufer des Senftenberger Sees sicher

„Die Ufer des Senftenberger Sees sind, so sie nicht anders beschildert sind, aber generell sicher“, betont Detlev Wurzler, der Vorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB). Der Verband agiert im Auftrag des Eigentümers des Landesgewässers, dem Landesamt für Umwelt (LfU) Brandenburg, als Verpächter der Strand- und Uferflächen am Senftenberger See. Die touristischen Anbieter sind Unterpächter. Und die Unterpachtverhältnisse werden nur geschlossen, wenn die Investoren das Genehmigungsprozedere überstanden haben.

Durch dieses Ziel wähnte sich der Inhaber des Wassersportparkes. Im Oktober des vergangenen Jahres war der Antrag bei der Wasserbehörde des Landkreises zum Bau der Anlage gestellt worden. Das geforderte Standsicherheitsgutachten hatte Michael Kiraly auch beauftragt. Grünes Licht für den vorzeitigen Baubeginn, also das Verlegen der Beton-Anker im Wasser, kam im Juni.

Wasserrechtliche Genehmigung des Wasserparkes nie erteilt

Für das Vertäuen der Schwimm-Elemente an diesen Beton-Ankern – und damit das Errichten der Anlage – galt dies nicht. Das teilt Marlen Weser, die Sprecherin der Kreisverwaltung, mit. Vielmehr sei eine wasserrechtliche Genehmigung zur Errichtung des Wasserparkes bislang nicht erteilt worden. Denn diese sei – ausdrücklich erklärt – von „einem abschließenden positiven geotechnischen Gutachten des Sachverständigen“ abhängig gemacht worden.

Dass die Riesen-Hüpflandschaft in Betrieb genommen worden war, sei der Wasserbehörde „bis Ende letzter Woche nicht bekannt“ gewesen.

Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (LBGR) habe den Landkreis nunmehr am Donnerstag der vergangenen Woche über die Einschätzung eines weiteren Sachverständigen informiert, der „aus geotechnischer Sicht keine Zustimmung zur Errichtung des Wassersportparkes“ erteilt hat. In der Folge habe das Landesamt gefordert, den Wassersportpark in einem Umkreis von 50 Metern sofort zu sperren. Dem sei der Landkreis „unverzüglich nachgekommen“. Bekanntlich war das Freitagmittag nach 13 Uhr, ohne jede Vorwarnung. Die Ordnungsverfügung, dass der Betrieb der Wassersportanlage einzustellen und die Anlage aus dem Gewässer zu entfernen ist, wurde dem Antragsteller persönlich übergeben.

Lösung soll gemeinsam gefunden werden

Der Landkreis ist bemüht, in Zusammenarbeit mit dem Betreiber, dem Landesbergamt und weiteren Beteiligten schnellstmöglich eine Lösung zu finden. „Ziel ist es, den Strandabschnitt zeitnah freigeben zu können“, so Marlen Weser weiter. Die Wasserbehörde sei gesprächsbereit.

„Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein Großteil des Strandes in Großkoschen weiterhin nutzbar ist. Die weiteren Strände des Senftenberger Sees sind nicht betroffen“, erklärt die Kreis-Sprecherin weiter.

Seenland-Verbandschef Detlev Wurzler hat Verständnis für den verärgerten Wassersportpark-Betreiber. „Wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten, jeden Investor zu unterstützen“, betont er. Das Problem lösen, müsse der Unternehmer aber selbst.

Für Wurzler, der Bau-Experte ist, ist auch die Behördenforderung nachvollziehbar. „Diese bewegliche Wassersportanlage kann auch Kräfte in die Uferböschung einbringen, die beurteilt werden müssen“, stellt er fest. Zur Sicherheit der Badegäste sei das prüfen.

Das offensichtliche Missverständnis zwischen der verfahrensführenden Wasserbehörde und dem Unternehmer bedauert Wurzler. Denn der Ruf des Senftenberger Sees leide.