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| 08:47 Uhr

Debatte um gesperrten Wassersportpark in Großkoschen
Der Behörden-Zirkus am Senftenberger See ist „absoluter Blödsinn“

 Der Badestrand Großkoschen zählt zu den beliebtesten Ufern des Senftenberger Sees.
Der Badestrand Großkoschen zählt zu den beliebtesten Ufern des Senftenberger Sees. FOTO: Steffen Rasche
Der Sanierungsexperte Walter Karge aus Brieske hält Rutschungen an den Ufern des Senftenberger Sees für ausgeschlossen. Die Arbeitsweise der öffentlichen Hand sei „für die Region unerträglich“. Von Kathleen Weser

Die Ufer des Senftenberger Sees sind absolut sicher. Das sagt Walter Karge, Bergmann und langjähriger Sanierungsexperte der Lausitz aus Brieske. Und das schließe auch den gesamten Strandbereich Großkoschen ein. Der liege auf gewachsenem Boden. Rutschungsgefahren seien an allen See-Ufern ausgeschlossen.

 Walter Karge hat als Bergmann und Sanierer das Landschaftsbild im Lausitzer Kohlerevier maßgeblich mitgeprägt.
Walter Karge hat als Bergmann und Sanierer das Landschaftsbild im Lausitzer Kohlerevier maßgeblich mitgeprägt. FOTO: Steffen Rasche

Auf Verdacht eines Sachverständigen gesperrt

Doch an diesem Hauptbadestrand ist auf den Verdacht eines Sachverständigen der Bereich, in dem ein Unternehmer etwa eine Viertelmillion Euro in einen Wassersportpark investiert hat, gesperrt worden. Laut des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) in Cottbus, hat der Gutachter eine mögliche Rutschung locker gelagerter Sande nicht ausgeschlossen. Der Betrieb der Hüpfburgen-Landschaft ist daraufhin mit einer Ordnungsverfügung des Landkreises Oberspreewald-Lausitz untersagt worden.

Ein zweites Gutachten wird gefordert

 Blick auf den Tagebau Niemtsch aus der Richtung des heutigen Hauptbadestrandes Großkoschen (unten). Auf der historischen Aufnahme ist zu sehen, dass das Areal des Wassersportparkes am heutigen Senftenberger See vollständig auf dem gewachsenen Boden fern der gekippten Bereiche liegt.
Blick auf den Tagebau Niemtsch aus der Richtung des heutigen Hauptbadestrandes Großkoschen (unten). Auf der historischen Aufnahme ist zu sehen, dass das Areal des Wassersportparkes am heutigen Senftenberger See vollständig auf dem gewachsenen Boden fern der gekippten Bereiche liegt. FOTO: Walter Karge
 Der heutige Blick von der Seepromenade Großkoschen auf den Senftenberger See.
Der heutige Blick von der Seepromenade Großkoschen auf den Senftenberger See. FOTO: Steffen Rasche

Ein zweites Gutachten wird für die Genehmigung der Freizeitanlage auf dem Wasser gefordert. Dieses muss beweisen, dass die sportliche Bewegung auf den schwimmenden Elementen des Wassersportparkes über die Seile, mit denen sie an den erlaubten 70 Beton-Ankern vertäut sind, den See-Boden und das Ufer in dem Strandabschnitt nicht ins Rutschen bringen können. Laut Landesbergamt schließt der Sachverständige nicht aus, dass durch die auf die Seile übertragenen Schwingungen ein Initial in den Seegrund eingetragen werden könnte, das locker gelagerte Sande in das Gewässer fließen lassen könnte. Die Sorge sei, dass Kinder und Nichtschwimmer in den Sog geraten könnten.

„Eine derartige Arbeitsweise ist für die Region unerträglich“

Der Sanierungsexperte Walter Karge hält diese Theorie „für absoluten Blödsinn“. Die Begründung für die Sperrung des Strandabschnittes Großkoschen „kann nicht zutreffend sein“, sagt er. Und so wichtige Entscheidungen könnten ohne sachlichen Hintergrund nicht vorgenommen werden, sie müssten vor Investitionen eindeutig abgeklärt sein. „Eine derartige Arbeitsweise ist für die Region unerträglich“, stellt Walter Karge fest. Denn in den Dienststellen und Ämtern seien alle Unterlagen mit technischen Abläufen des Tagebaubetriebes und auch aussagekräftige Gutachten vorhanden.

Strandbereich ist gewachsene Böschung

„Der gesamte Uferbereich vom Parkplatz Großkoschen bis zur Südsee ist gewachsen. Da gibt es keine Bereiche, bis auf die Steinkippe, die angekippt worden sind“, erklärt Walter Karge. Der Strandbereich Großkoschen sei in der Endgestaltung leicht ansteigend abgetragen worden, um folgende Nacharbeiten auszuschließen. Um den Strand zu verbreitern, sei der maximal mögliche Auszug der Abraumförderbrücke F 45 von etwa 13 Metern genutzt worden. In dieser Phase wurde auch die Tiefschnittböschung ansteigend mitgenommen. Die Tagebautechnologie sei dokumentiert nachvollziehbar. „Nach allen vorliegenden Bildern können die Beton-Anker der Hüpfburgen-Landschaft, deren sicherer Standort infrage gestellt wird, nur in dem gewachsenen Bereich liegen“, bestätigt der Experte. Das beigefügte Foto (unten) zeigt sehr eindeutig die Entfernung zwischen Kippe und gewachsener Böschung.

Nur an der Insel besteht Rutschungsgefahr

Die Sicherheit der Senftenberger See-Ufer ist in den 1990er-Jahren, veranlasst durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), gutachterlich untersucht worden. Die Gefahren für die sanierten Tagebauböschungen wurden überprüft.

Bekanntlich ist lediglich die Insel des Senftenberger Sees geschüttet, unsaniert geblieben, nicht betretbar – und deshalb bewusst für den Naturschutz zum Vollreservat gemacht worden. Bei einer sehr teuren bergtechnischen Sanierung wäre das Eiland zum großen Teil auch verschwunden.

Nur an der Insel, die aus den über dem Köhleflöz entnommenen Erdmassen gekippt worden ist, bestehen Rutschungsgefahren. Die See-Ufer sind allen gewonnenen Erkenntnissen zufolge – und seit vergangenem Jahr auch von Mutter Natur bewiesen – sicher. Alle Szenarien einer plötzlichen Böschungsbewegung in den Tagebaurestsee und damit extrem starken Wellen haben das bewiesen.

Alle Ufer sind ausreichend sicher

„Alle Ufer waren ausreichend sicher. Bis auf die Südsee“, erläutert Walter Karge, der damals als Sanierungsbereichsleiter der LMBV für die Lausitz noch aktiv im Berufsleben stand. Deshalb seien in diesem Strandbereich dann Sprengungen veranlasst worden, um mit starken in den Boden eingeleiteten Initialen die Stabilität dieser Kippe zu prüfen. „Es konnte keine Gefährdung festgestellt werden“, versichert Walter Karge. Das Ergebnis sei eindeutig: Lediglich an der Kohlebahnausfahrt, dem heutigen Abschnitt zwischen Segelhafen und Südsee, könnte demnach durch eine Insel-Rutschung ausgelöster Wellenschlag schwimmende Kinder gefährden.

Dass der damalige Sachverständige korrekt begutachtet hat, ist im vergangenen Jahr bewiesen worden. Im Herbst war aufgrund des unterschrittenen Grenzwasserstandes, der für die Standsicherheit der gekippten Insel benötigt wird, ein Teil der Insel in den See gerutscht. An den See-Ufern ist nichts passiert.

Behörden-Zirkus ist unverständlich

Der Behörden-Zirkus ist für Walter Karge unverständlich. Ein aussagekräftiges Bewirtschaftungskonzept für den Senftenberger See, der als Wasserpeicherbecken dem Land Brandenburg gehört, werde gebraucht. Auch für nachgeordnete Nutzungen – wie den ausdrücklichen erwünschten Tourismus – seien die Möglichkeiten, aber auch die klaren Grenzen von der öffentlichen Hand aufzuzeigen.

Investoren, die für die weitere Entwicklung der aufwendig sanierten Bergbaufolgelandschaft zum funktionierenden Reisegebiet Lausitzer Seenland gebraucht werden, mit den schwierigen Bedingungen aus der Bergbauzeit allein zu lassen, sei einfach nur schädlich für die Region.