ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:02 Uhr

Wilde Raserei in Senftenberg
Polizeiautos gerammt: dafür drei Jahre ins Gefängnis

Eine irre Verfolgungsjagd im November vergangenen Jahres in Senftenberg hatte es in sich. Der flüchtende Fahrer rammte gleich zwei Polizeiautos.
Eine irre Verfolgungsjagd im November vergangenen Jahres in Senftenberg hatte es in sich. Der flüchtende Fahrer rammte gleich zwei Polizeiautos. FOTO: Frank Hilbert
Senftenberg. Nach einer wilden Raserei durch Senftenberg hat das Amtsgericht jetzt den 55-jährigen Fahrer verurteilt. Von Jan Augustin

Mit 120 Sachen durch die Stadt, dabei rote Ampeln missachtet, ohne Führerschein unterwegs – dafür unter Alkohol – und dann noch zwei Streifenwagen gerammt:

Diese irre Verfolgungsjagd im November vergangenen Jahres hatte es in sich. Jetzt musste sich der 55-jährige Senftenberger vor dem Amtsgericht verantworten - und eine satte Strafe verkraften. Das Schöffengericht verurteilte den Mann zu drei Jahren Gefängnis. Richter Harald Rehbein folgte damit dem Antrag von Staatsanwalt Thomas Grothaus.

Der schilderte in seiner Anklage den Ablauf dieser durch Alkohol enthemmten Raserei: Es ist gerade 10 Uhr, als der Angeklagte mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch die Senftenberger Hanseatenstraße donnert und sich wenig später in der Greifswalder Straße einer Verkehrskontrolle entzieht. Autos, die ihm bei seiner Flucht entgegenkommen, müssen ausweichen, um nicht mit dem Nissan des Angeklagten zu kollidieren. Thomas Grothaus findet klare Worte: „Sie spielen wilde Sau, fahren wie ein Bekloppter über rote Ampeln.“ Mit Blaulicht und Sirene versuchen mittlerweile zwei Streifenwagen, der „rücksichtlosen Fahrt“ ein Ende zu setzen. Als sich ein Polizeiwagen neben das Auto des Beschuldigten setzt, um den Fahrer zum Anhalten zu bewegen, rammt dieser den Streifenwagen einfach von der Straße. Damit nicht genug. Der Senftenberger rast weiter und knallt auch gegen das zweite Polizeiauto. „Dass er die Beamten hätte schwer verletzen können,  hat er in Kauf genommen“, sagt Grothaus. Die unverletzt gebliebenen Beamten können den Mann schließlich aus dem Wagen ziehen und ihm Handfesseln anlegen. Der Alkoholtest zeigt 0,65 Promille an. „Die Fahruntauglichkeit war ihm bewusst. Ihm kam es darauf an, unerkannt zu entkommen“, erläutert der Staatsanwalt.

Aufgrund der erdrückenden Beweislast – die Verfolgungsjagd ist mit der Videokamera eines Streifenwagens gefilmt und von allen beteiligten Polizisten bestätigt worden – versuchen der Angeklagte und Rechtsanwalt Bernd-Ullrich Bäßler erst gar nicht, den Vorwürfen etwas entgegenzusetzen. „Das ist so abgelaufen, wie angeklagt“, sagt der Verteidiger. Dennoch habe sein Mandant darauf geachtet, dass kein Mensch verletzt wird. Es tut ihm alles unendlich leid, sagt der Angeklagte. Eigentliche habe er etwas für seine schwer an Parkinson leidende Frau einkaufen wollen.

Rechtsanwalt Bernd-Ullrich Bäßler hält eine Bewährungsstrafe mit der Verpflichtung, eine Langzeittherapie gegen die Alkoholsucht anzutreten, für angemessen. „Das würde allen Beteiligten mehr helfen, als ihn einfach in den Knast zu stecken“, sagt der Verteidiger.

Doch für das Schöffengericht ist das eben keine Option. Neben dem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, etlicher Verkehrsdelikte inklusive der Angriffe gegen die Polizisten, Fahren unter Alkoholeinfluss und ohne Führerschein wird der 55-Jährige zudem noch wegen eines heftigen Faustschlages gegen das Auge eines Trinker-Kumpels bestraft.  Über eine Bewährung brauche man trotz Geständnis und Entschuldigung überhaupt nicht nachdenken.

„Sie gehören schlichtweg für diese Taten in den Knast. Sie haben den Bogen überspannt“, betont Richter Harald Rehbein.