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| 17:03 Uhr

Streit um Grundstücksverkäufe am Senftenberger See
Anwohnerprotest in Buchwalde

 In Buchwalde will die Stadt Senftenberg vier Grundstücke verkaufen. Ein öffentlicher Spielplatz, ein Teil eines Wanderweges, Parkplätze und Obstbäume sollen weichen. Nachbarn wollen das Vorhaben stoppen. Sie kritisieren die Kommunikationspolitik der Stadt scharf.
In Buchwalde will die Stadt Senftenberg vier Grundstücke verkaufen. Ein öffentlicher Spielplatz, ein Teil eines Wanderweges, Parkplätze und Obstbäume sollen weichen. Nachbarn wollen das Vorhaben stoppen. Sie kritisieren die Kommunikationspolitik der Stadt scharf. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Zu Luxuspreisen will die Stadt Senftenberg vier Grundstücke für neue Eigenheime verkaufen. Nachbarn der Flächen kritisieren das Vorhaben scharf und wollen es stoppen. Von Jan Augustin

Im ehemaligen Dorf Buchwalde erinnert nicht mehr viel an die alten Zeiten. Der Wohnplatz im Südosten von Senftenberg hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einer beliebten und dicht besiedelten Gegend am See gemausert. Überall schicke Ein- und Zweifamilienhäuser mit kleinen Grundstücken, die nicht viel Freiraum zulassen. Auf einem schmalen grünen Streifen aber, der von einem Wanderweg in die Stadtmitte begrenzt wird, wächst eine Streuobstwiese mit Pflaumen- und Nussbäumen. Gefragt bei Alt und Jung ist auch der Spielplatz hier mit allerlei Geräten und Anlagen. Doch droht dieser kleinen Oase im Osten von Buchwalde nun das Aus.

Nachdem die Senftenberger Ratsrunde vor fast drei Jahren unter Protest einen ersten Anlauf für den Verkauf dieser Fläche unternommen hat, läuft nun seit einigen Tagen die Ausschreibung. Grundlage ist ein Stadtverordneten-Beschluss von November vergangenen Jahres. Wieder hagelt es Kritik von benachbarten Anwohnern. „Die fehlende Informationspolitik der Stadt ist unmöglich“, sagt Katrin Schöning. Von der Ausschreibung erfahren habe sie durch den Schaukasten am Rathaus. Die Streuobstwiese sei vor Jahren als „absolutes Heiligtum“ behandelt worden, jetzt aber sollen Teile davon für Baugrundstücke verschwinden, die sich nur Vermögende leisten können, schimpft die 57-Jährige.

In der Tat liegen die verlangten Quadratmeterpreise deutlich über dem Durchschnitt. Das Mindestangebot ist mit 120 Euro angegeben, doppelt so viel wie der Bodenrichtwert für diese Gegend. Für die vier angebotenen Parzellen mit Flächen zwischen 600 und 1735 Quadratmetern würde die Stadt bei einem Verkauf mindestens 538 800 Euro einnehmen. Allerdings: Vorrangig sollen die Grundstücke über Erbaupachtverträge vergeben werden. Das bestätigt Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD).

Katrin Schöning ist längst nicht die einzige, die sich stark macht gegen die Verkaufspläne. Mehrere betroffene Nachbarn haben sich zu einer Art Eigentümergemeinschaft zusammengeschlossen. Einer der Wortführer ist Christian Schletter. Der 65-Jährige bezeichnet das Bauvorhaben als einen „massiven Eingriff in unser homogenes und intaktes Wohngebiet“. Als das neue Wohngebiet Mitte der 1990er-Jahre entstanden war, sei alles nach einem gültigen Plan korrekt umgesetzt worden. Die Straßenführung, die Baufelder und auch die Grünflächen und Bepflanzungen seien, wie von Planern entworfen, korrekt angelegt worden. Diese Überlegungen ignoriere die Stadt jetzt. „Darüber empören wir uns sehr“, sagt Christian Schletter.

Scharfe Kritik üben die Buchwalder auch an dem geplanten Rückbau des Spielplatzes, der nur in kleinerer Form, etwa 150 Meter entfernt, wieder entstehen soll. Der jetzige Spielplatz sei Anziehungspunkt für viele Familien. „Wie passt diese Maßnahme zu einer kinderfreundlichen Kommune, einem Titel, mit dem die Stadt ja sehr aktiv wirbt“, fragt etwa Florian Schöning.

Hinzu kommt, sagt Christian Schletter, dass die dort wachsenden Sträucher und Gehölze ein
Rückzugsgebiet für zahlreiche seltene Vögel und Insekten sind. Der Spielplatz mit seiner Bepflanzung stelle im Verbund mit der Streuobstwiese ein Biotop dar. Das Bauvorhaben käme einem Herausreißen von Teilen der grünen Lunge gleich. „Wir bitten die Stadt Senftenberg dringend, davon Abstand zu nehmen“, formuliert Schletter in einem Brief an das Stadtoberhaupt.

Doch sind die Erfolgsaussichten des Protestes nicht sehr groß. „Baurecht besteht nach Paragraf 34 Baugesetzbuch“, sagt der Bürgermeister. Einen rechtskräftigen Bebauungsplan, wie von den Buchwaldern behauptet, gebe es nicht. Grünes Licht signalisiert auch der Landkreis. Von der Bauaufsichtsbehörde liegen bereits positive Vorbescheide vor. Belange des Naturschutzes stünden nicht in der Art entgegen, „dass die Bebauung am ‚Naturschutz’ scheitern müsste“, teilt Kreissprecherin Marlen Weser mit. Nicht jede Obstbaumpflanzung sei mit dem Schutzstatus einer Streuobstwiese gleichzustellen.

Wie viele Bewerber Interesse bekundet haben, will Andreas Fredrich erst nach Abschluss des Ausschreibungsverfahrens bekanntgeben. Die Frist endet an diesem Freitag.