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| 02:44 Uhr

Senftenberger Ostereier reisen bis nach Istanbul

Erika Hommel aus Senftenberg verbringt Ostern mit ihren Enkeln Felix und Marc (r.). Im Schloss Eier verzieren kommt an.
Erika Hommel aus Senftenberg verbringt Ostern mit ihren Enkeln Felix und Marc (r.). Im Schloss Eier verzieren kommt an. FOTO: Augustin
Senftenberg. Ostern ist das Fest der Eier. Als Kunstwerke hübsch verfeinert hängen und liegen sie jetzt in den Lausitzer Stuben. Die Tradition des Bemalens findet immer mehr Anhänger, auch in Senftenberg. Ein Besuch im Schloss, wo mehr als 1000 Eier ausgestellt sind. Jan Augustin

Normalerweise schneiden die kräftigen Hände von Hasan Tanar saftiges Fleisch vom Dönerspieß. Für den Imbissbetreiber aus Senftenberg ist der künstlerische Umgang mit dem Hühner noch ungewohnt. Er probiert es trotzdem. Mit einem Lächeln auf den Lippen. "Wenn man einmal dabei ist, macht es Spaß", sagt der 54-Jährige, der seit 20 Jahren in der Kreisstadt lebt. Im Kommandantenhaus auf dem Senftenberger Festungsgelände übt sich Hasan Tanar kurz vor Ostern in der Wachsbossiertechnik. Die Luft ist leicht vernebelt, es riecht ziemlich streng nach heißem Wachs. Ob jung oder alt, Mädchen oder Jungen - der Raum ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die sorbische Ostertradition, Eier mit hübschen Mustern zu verzieren, wird immer beliebter.

Martin Baumgart kann das bestätigen. Der Museumspädagoge aus Brieske bietet regelmäßig Workshops an. Als gelernter Porzellanmaler und studierter Kunsthistoriker ist der 35-Jährige ein echter Experte. Kurz vor Ostern sei die Nachfrage besonders groß. Die Wachsbossiertechnik lasse sich recht schnell erlernen und umsetzen. Was es braucht, ist farbiger Wachs, der sich in einem waagerecht gebogenen Esslöffel mittels eines Teelichtes gut erwärmen lässt, und ein Bleistift. Mit ihm zeichnet Martin Baumgart zuerst ein grobes Muster auf dem Ei vor. Dann geht es schnell. Der Museumspädagoge tunkt den winzigen Glaskopf einer Stecknadel, die im Radiergummi des Bleistiftes steckt, in das flüssig gewordene Wachs und tupft kleine Punkte und Striche aufs Ei. Keine drei Minuten dauert es, dann kann sich das Ergebnis schon sehen lassen. Anders als bei der Ätz-, Kratz- oder Reservetechnik erhebt sich das feine Wachsmuster auf der Eierschale.

Nicht ganz so schnell geht es bei Erika Hommel voran. Die 67-jährige Senftenbergerin ist mit ihren beiden Enkeln Felix (12) und Marc (14) gekommen. "Die beiden wollen lernen, wie man das macht", erklärt sie. Sie selbst habe das letzte Mal als Kind Eier mit dieser Technik verziert. "Der Vater hat mir das gezeigt", sagt sie. Jetzt gibt ihr Marc gute Tipps: "Oma, du musst den Stift halten wie einen Kartoffelschäler", beratschlagt er. Sein Muster sieht derweil ganz passabel aus. Geschickt und flink zeichnet Marc weiter. Ostern, das sei eine gute Gelegenheit, bei der die ganze Familie zusammenkommen kann, findet Erika Hommel. Es werden, na klar, Eier gesucht. Immerhin für sieben Enkel und ihre drei eigenen Kinder müssen Verstecke gefunden werden. Dann gehört natürlich auch gutes Essen dazu. Roulade soll es bei den Hommels geben. Oft steht zum Fest der Auferstehung Christi aber auch eine gebackene Ente auf der Speisekarte.

Bei Evelin Schacht aus Jannowitz kommt zu Ostern ein als Hase geformter Hackbraten auf den Mittagstisch. Die 56-Jährige hat Erfahrung in der Wachsbossiertechnik. Zu Weihnachten trägt sie die Muster auf die Kerzen auf. Mit den Ostereiern habe sie durch Zufall aber erst im vergangenen Jahr angefangen.

Der Dönerexperte Hasan Tanar hat immerhin zwei Eier verschönert. Ins Schloss, in dem gerade mit mehr als 1000 Kunstwerken die größte Ostereiersammlung der Lausitz gezeigt wird, schafften es seine Exemplare zwar nicht. Dafür sollen sie mit nach Istanbul fliegen. Der Alevit feiert dort Ostern bei seiner Familie, inklusive Eier suchen.