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Senftenberger Majestäten schenken ein

Weinprinzessin Jana Wobar (l.) übergibt am Sonntag nach zweijähriger Amtszeit ihre Krone an die neue Senftenberger Weinkönigin Maya Mai. Beim Federweißerfest schenken die beiden charmanten Majestäten gemeinsam den roten Sauser aus den Beeren von Tauberschwarz und Gutedel aus.
Weinprinzessin Jana Wobar (l.) übergibt am Sonntag nach zweijähriger Amtszeit ihre Krone an die neue Senftenberger Weinkönigin Maya Mai. Beim Federweißerfest schenken die beiden charmanten Majestäten gemeinsam den roten Sauser aus den Beeren von Tauberschwarz und Gutedel aus. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Senftenberg bekommt eine neue Weinkönigin: Beim Federweißerfest am Sonntag an der Raunoer Höhe setzt der Bürgermeister nun Maya Mai die Krone auf. Weinfreunde haben die Lausitzer Anbautradition wiederbelebt. Andrea Budich

Sie ist jung, auf keinen Fall schüchtern, in Südamerika aufgewachsen, Lehrerin für Englisch und Spanisch und hat sich erst auf den zweiten Blick in ihre Wahlheimat Senftenberg verliebt. Dafür dann aber so gewaltig, dass sie sich spontan fürs Amt der Weinkönigin bewirbt. Vor sieben Jahren aus Göttingen in die Lausitz gezogen, fühlt sich Maya Mai jetzt hier zu Hause, eben einfach angekommen. "Die Menschen haben mich um den Finger gewickelt", sagt sie. Und Maya Mai wird dabei das Gefühl nicht los, dass sie die Sache mit der Weinkönigin schon lange hätte durchziehen sollen.

Dass eine, die seit Kindesbeinen viel in der Welt herumgekommen ist, in Chile ihre Kindheit verlebte und in Spanien ihr Abitur machte, sich ausgerechnet mit Brandenburger Weinen auskennt, ist für die Vereinsvorsitzende Marianne Körner ein Glücksfall. Wer die Krone will, muss die 38 Vereinsmitglieder der Senftenberger Weinfreunde mit Fachwissen, Charme und Schlagfertigkeit überzeugen. Maya Mai hat mit all dem kein Problem, ganz im Gegenteil.

Dabei ist die 37-Jährige eher zufällig zur Krone gekommen. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als ihr Mann daheim von seinem ersten Schluck Brandenburger Wein erzählt. Dass der durchaus gemundet hat, hielt sie damals noch für ein Gerücht. Bei den Senftenberger Festungsspielen im Schlosshof testet sie selbst - und ist überrascht. Im Glas hat sie einen guten Tropfen vom Weingut Gunter Schurig aus Bad Liebenwerda. Auf dem Heimweg schlendert das Paar dann durch die Schlossstraße und stößt dabei auf den Aufruf der Senftenberger Weinfreunde zur Suche nach einer Weinprinzessin. Zwei Tage später klingelt bei der Vereinsvorsitzenden Marianne Körner das Telefon.

Mit Maya Mai geht am Sonntag erstmals eine Senftenberger Weinkönigin an den Start. Vorgängerin Jana Wobar hat den Verein als Weinprinzessin repräsentiert. "Mit Mann und Sohn passt der Königinnen-Titel besser zu unserer neuen Hoheit", erklärt die Vereins-Chefin die neue Rangordnung beim Majestätenwechsel. Jana Wobar hat indes zwei Jahre als Weinprinzessin hinter sich. " Zwei Jahre, in den sie Wein verkostet hat, viel unterwegs war auf Messen und Weinfesten, um den Senftenberger Wein in anderen Bundesländern bekannt zu machen. Ihre Krone legt sie am Sonntag ab, dem Wein und dem Verein will sie auch nach ihrer Amtszeit treu bleiben.

Dass bei der Krönungszeremonie beim Federweißerfest am Sonntag ordentlich Wein fließt, versteht sich von selbst. Weinkönigin Maya Mai liebt besonders leichte Weine, die ein bisschen spritzig sind. Ausgeschenkt wird Federweißer aus den Beeren, die am Dienstag von den 220 Rebstöcken auf der Raunoer Höhe gelesen wurden. Über das Lese-Ergebnis führt Kellermeisterin Sabine Simlinger genau Buch. Knapp 140 Kilogramm Trauben rechnet sie am Ende ab. Was den Senftenberger Wein aber so kostbar macht, ist das historisch verbriefte Echtheitssiedel. Gutedel, Tauberschwarz, Agostenga, Frühmuskat und Madeleine Celine sind an den Reppister Rebhängen schon vor Hunderten von Jahren gereift. Mit der Wiederbelebung der Lausitzer Anbautradition haben die Weinfreunde den Senftenbergern ein Stück Heimat zurückgeholt.

Zum Thema:
Bereits seit 600 Jahren wird in der Senftenberger Gegend Wein angebaut. Denn erstmals wurde dieses Handwerk im Jahr 1416 urkundlich erwähnt, schreibt Lehrer Paulitz in seiner Stadtchronik aus dem Jahr 1922. "Als König Wenzel von Böhmen den Hans von Polenz mit Senftenberg belehnte, wurden demselben in der Belehnungsurkunde vom 19. November 1416, ausdrücklich auch Weinberge überwiesen", heißt es in dem rund 1000-seitigen Werk. Beim Federweißerfest am Sonntag von 14 bis 18 Uhr wird zum geselligen Beisammensein am Fuße des Weinbergs am Ende der Calauer Straße eingeladen. Für zünftige Stimmung sorgen die Grünewalder Hausmusikanten. Zum Roten Sauser gibt es 15 Bleche frischen Zwiebelkuchen. Krönung der Weinkönigin um 14.45 Uhr.

Auch das Entbeeren ist bei den Weinfreunden Handarbeit.
Auch das Entbeeren ist bei den Weinfreunden Handarbeit. FOTO: str1