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Senftenberger lassen Betrüger abblitzen

Senftenberg. Windige Gangster treiben wieder ihr Unwesen in der Region. Mit Gewinnlegenden und anderen Abzockmaschen übers Telefon oder per Post versuchen die Betrüger, ans Geld fremder Menschen zu kommen. Das gelingt aber nicht immer. Andrea Budich und Jan Augustin

"Sie haben 46 490 Euro gewonnen." Diesen schönen Satz hat in dieser Woche ein 61-jähriger Senftenberger gehört. Über das Telefon teilt ihm eine freundliche Stimme mit, dass er nur noch 900 Euro in Gutscheinnummern übermitteln soll, dann erhalte er seinen Gewinn. Der Mann fällt nicht auf den Betrug rein, teilt Polizeisprecher Torsten Wendt mit. Von Gaunern ins Visier genommen wird am Dienstag auch eine 76-jährige Frau aus Senftenberg. Die Seniorin erhält per Post eine Mahnung vom "Fachverband der Lotterie und Glücksspielanbieter". In dem Brief wird sie aufgefordert, 314 Euro auf ein Konto in Rumänien zu überweisen. Die aufmerksame Rentnerin erkennt den Schwindel aber und ruft stattdessen die Polizei an. Während in diesen beiden Fälle bei den ausgewählten Opfern sofort die Alarmglocken geschrillt haben, lässt sich eine 64-jährige Senftenbergerin Ende Juni darauf ein, ihre Kontodaten am Telefon preiszugeben. Überlistet wird die Frau von den Unbekannten mit einer Legende. "Kurze Zeit später bekam die Frau diverse Vertragsunterlagen und Geldforderungen einer unbekannten Firma zugesandt, ohne mit dieser Firma je einen Vertrag abgeschlossen zu haben", erläutert Torsten Wendt. Ein Schaden ist bisher nicht eingetreten.

"Das sind die Dauerbrenner", bestätigt Verbraucherschützerin Hannah Kneißl. Die Fälle sind typische Abzockmaschen, bei denen ohne Grundlage Forderungen behauptet werden, um die Leute zum Bezahlen zu bewegen, erklärt die Expertin. Die anonymen Zahlweisen über Gutscheine seien sehr beliebt. Auch dass die genannten Absender in Wahrheit nicht existieren, sei ein charakteristisches Merkmal. "Bloß nicht zahlen und sofort zur Polizei", rät Hannah Kneißl. Einen aktuellen Gaunertrend gebe es nicht. Auffällig sei aber, dass Betrüger immer besser technisch ausgerüstet sind. So können Wählautomaten mittlerweile nicht nur mehrere Nummern gleichzeitig anrufen. Möglich ist auch, dass die angezeigte Telefonnummer eine falsche ist.

Eine dreiste Schwindelpost hat auch die Senftenberger Rentnerin Erika Seidler im Briefkasten vorgefunden und sich damit bei der RUNDSCHAU gemeldet, um vor der Betrugsmasche öffentlich zu warnen. Eingeladen zum "Schweizer Sommerausflug", enthielt die Post auch gleich eine Bordkarte für eine "Gute Laune Schifffahrt". Vorgegaukelt wird dabei den Adressaten in Lauchhammer, Senftenberg, Großräschen und Sallgast, sie würden bei der lustigen Schifffahrt als zweite Preisträger 500 Euro "sofort in bar" erhalten. Der Fahrpreis ist bereits bezahlt, eine Kaffeemaschine gibt es gratis, die Gute-Laune-Schifffahrt sowieso. Die Haltestelle für den Luxusreisebus an der Bushaltestelle am Busbahnhof in Senftenberg hat Erika Seidler glücklicherweise nicht angekreuzt und stattdessen den Schriftverkehr der Verbraucherzentrale zur Verfügung gestellt. Dort sind die als "Schweizer Sommerausflug" getarnten unseriösen Einladungen zur Kaffeefahrt hinreichend bekannt. Die Gewinnversprechen zum Beispiel lösen sich in Luft auf, weil Adressaten wie Erika Seidler lediglich "nominiert" sind. Neben der Kaffeemaschine heißt es "Dekofoto". Das bedeutet, dass sich die Maschine als fast wertloser Halter für eine Filtertüte entpuppen kann. Unklar ist auch, ob es überhaupt zu einer Schifffahrt kommt, denn neben der eingeblendeten Bordkarte steht der Hinweis "Schifffahrt möglich im Spreewald". Dass die Senftenberger Rentnerin ihre Bordkarte in hohem Bogen über Bord geworfen hat, war also goldrichtig. "Die gut getarnte Abzock-Masche dient einzig und allein dafür, gutgläubige, meist ältere Menschen zu einer Verkaufsfahrt zu locken, auf der dann überteuerte Ware verkauft wird", warnen Verbraucherschützer und Polizei. "Obwohl diese Masche seit Jahrzehnten bekannt ist, fallen immer noch viele Menschen darauf hinein", erklärt Polizeisprecher Torsten Wendt.

Zum Thema:
Der Beratungsstützpunkt der Verbraucherzentrale am Markt 1 in Senftenberg ist mittwochs von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Eine Terminvereinbarung ist über das Internet unter www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/Senftenberg oder über Telefon unter 0331 98 22 999 5 (Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr) möglich. Angeboten werden Beratungen zu den Themen Energie, Markt und Recht, Medien und Telekommunikation sowie Reise und Mobilität.