| 02:43 Uhr

Senftenberger gehören zu besten Meckerern

Im Wohngebiet am Stadion in Brieske steht dieser marode Kletterturm aus Holz. Ein Einwohner hatte darauf bei Maerker aufmerksam gemacht. Der Zustand wurde von der Stadt geprüft und das Gerät gesperrt. Es muss zurückgebaut werden.
Im Wohngebiet am Stadion in Brieske steht dieser marode Kletterturm aus Holz. Ein Einwohner hatte darauf bei Maerker aufmerksam gemacht. Der Zustand wurde von der Stadt geprüft und das Gerät gesperrt. Es muss zurückgebaut werden. FOTO: Manfred Feller
Senftenberg. Wer sachlich und an der richtigen Stelle meckert, der hat in Senftenberg Erfolg. Er wird erhört und das kritisierte Problem in den meisten Fällen auch gelöst. Das Beschwerdeportal Maerker macht es möglich. Seit dem Start 2010 dürfte demnächst der 1000. Bürgerhinweis in der Verwaltung eingehen. Manfred Feller

Eine des Nachts dunkle Straßenlaterne, von Vandalen zerstörte Scheiben an Bushaltestellen, ein Baum, der umzustürzen droht, eine wilde Müllablagerung, ein gefährliches Schlagloch oder Ratten auf dem Containerstellplatz - wer die Sprechzeiten im Senftenberger Rathaus wegen eines Infrastrukturproblems nicht nutzen kann, der kann seine Beschwerde rund um die Uhr anonym im Internet-Beschwerdeportal Maerker loswerden. Da die Verwaltungsmitarbeiter nicht alles sehen können, sind sie auf Hinweise angewiesen. "Insofern haben wir 25 000 Mitarbeiter", zählt Hauptamtsleiterin Beata Jenchen auf die Mithilfe der Einwohner in Senftenberg und den Ortsteilen, ihre Wohnorte noch attraktiver zu machen.

Maerker steht für "Mark Brandenburg" und "etwas bemerken" und ist im Jahr 2009 unter Federführung des Innenministeriums als Eigenentwicklung an den Start gegangen. Senftenberg hatte nach Rathenow, Rüdersdorf und Mittenwalde den Mut, sich als eine der ersten Städte auf das Wagnis der Online-Bürgerhinweise einzulassen, erinnert sich Dr. Ortwin Bröckmann, Leiter Kommunales Anwendungszentrum beim Brandenburger IT-Dienstleister, einem Landesunternehmen. Heute machen 90 Städte, Ämter und Gemeinden mit. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz sind es nur Senftenberg, Lübbenau und Vetschau. Ortrand und Ruhland hocken in den Startlöchern.

Bislang seien nicht weniger als 50 000 Bürgerhinweise bei den Kommunen eingegangen. In Senftenberg als kleiner Stadt werde das Portal mit insgesamt fast 1000 Einträgen überdurchschnittlich gut angenommen. Laut Dr. Bröckmann spricht das durchaus dafür, dass die Einwohner Interesse zeigen und ihnen Missstände nicht egal sind.

Senftenberg gehöre zudem zu jenen wenigen Städten im Bundesgebiet, die ein Serviceversprechen abgegeben haben. Das heißt: Es gibt Fristen, wann der Bürgerhinweis für alle sichtbar online gestellt sein und dass es nach spätestens drei Tagen eine verbindliche Rückmeldung geben muss. Wer seine E-Mail-Adresse hinterlässt, erhält diese auch persönlich. Die Bearbeitung richtet sich nach dem speziellen Fall. Eine defekte Laternenlampe ist schnell gewechselt, ein schief stehender Baum muss erst begutachtet werden, ehe eventuell eine Fällgenehmigung beantragt wird. Bei Gefahr im Verzug muss es natürlich sehr schnell gehen. Der Bearbeitungsstand wird in dem Portal durch eine Ampel signalisiert. Wer mit der Lösung eines Problems nicht einverstanden ist, sollte unbedingt nachhaken.

Bevor ein Bürgerhinweis online gestellt wird, muss er überprüft werden. Das übernehmen die Mitarbeiter der Poststelle, die dem Hauptamt unterstellt ist. Beata Jenchen erläutert, dass zum Beispiel auf Fotos keine Autokennzeichen oder Personen zu erkennen sein dürfen. Verunglimpfungen haben dort ebenso wenig etwas zu suchen wie Beschwerden über Nachbarn und Temposünder bzw. Anzeigen gegen Personen oder Firmen oder Hinweise zu Straftaten. Dafür gibt es die Internetwache bei der Polizei oder das Ordnungsamt.

Senftenberg sieht sich beim Maerker durchaus als Vorreiter und Ratgeber im Landkreis. Nach Auskunft von Kerstin Dankhoff von der IT-Abteilung der Verwaltung und Kreiskoordinatorin, hat es 2015 eine große Runde mit Vertretern aller Kommunen gegeben. Lediglich Ruhland und Ortrand hätten ernsthaftes Interesse gezeigt. Die anderen und ohnehin kleinen Verwaltungen, sehen Probleme bei der Organisation und beim Sicherstellen der Qualität von Maerker.

Zum Thema:
Die meisten der 983 Bürgerhinweise (vom Start am 10. Juni 2010 bis Ende September 2016) im Senftenberger Online-Portal Maerker betreffen mit 549 Einträgen die Straßen und Wege. Es folgen öffentliches Grün/Spielplätze (151), Müll/Abfall (129), Vandalismus (53), Geruchsbelästigung (41), Wasser/Abwasser (28), Tiere/Ungeziefer (9) sowie die später in das Portal aufgenommenen Straßenlaternen (9) und touristischen Rad- und Wanderwege (5). Die Einwohner aus Senftenberg und den Ortsteilen nutzen das Portal Maerker anhaltend auf gutem Niveau. Die Einträge vergangener Jahre - ab Juni 2010: 120; 2011: 152; 2012: 147; 2013: 159; 2014: 156; 2015: 128; 2016 bis Ende September: 121.So gelangt man im Internet zu Maerker, um einen infrastrukturellen Mangel anzuzeigen: www.senftenberg.de , Bürger, Bürgerservice, Bürgerbeteiligung, es folgen Erläuterungen und der Button zu "Maerker Senftenberg". Die Einträge, gern auch mit Foto, sind anonym. Es kann eine E-Mail-Adresse hinterlassen werden. Eine Ampel zeigt den Bearbeitungsstatus an.