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| 19:00 Uhr

Kein Termin trotz Überversorgung
Augen-Patient aus Senftenberg erlebt Spießrutenlauf

Augenärzte in der brandenburgischen Lausitz
Augenärzte in der brandenburgischen Lausitz FOTO: LR / Katrin Janetzko
Senftenberg. Einen Spießrutenlauf von Augenarzt zu Augenarzt hat ein Senftenberger jetzt erlebt. Dabei liegt der Versorgungsgrad bei mehr als 100 Prozent. Von Jan Augustin

Dieser Dienstag im September bleibt Roland Meister-Walka aus Senftenberg lange in Erinnerung – aber nicht in guter. Der 63-Jährige wacht am Morgen mit einem grauen Schleier vor Augen auf. Was das bedeutet, weiß er nicht. Klar aber ist: Er muss zum Arzt. Kein Problem, denkt er sich. Doch dann erlebt der frisch gebackene Rentner einen Spießrutenlauf von Augenarzt zu Augenarzt. Er schildert ihn so: Bei seinem ersten Versuch in Senftenberg wird er von der Aufnahmeschwester abgewiesen. Alles voll, kein Termin, heißt es. Er soll nach Finsterwalde fahren, was Roland Meister-Walka auch macht. Dort sagt der Arzt, dass er nur noch Patienten aus Elbe-Elster behandelt. Zähneknirschend zurück nach Senftenberg zum nächsten Augenarzt. Der sagt ihm, dass er einen Überweisungsschein vom Hausarzt braucht. Meister-Walka fährt zu seinem Hausarzt, der ihm eine Überweisung für das Klinikum Hoyerswerda ausstellt. Also, ab nach Hoyerswerda. Das Klinikum jedoch hat keine Augenklinik, vermittelt den Mann aber sofort in die Augenambulanz des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums. Die lange Reise quer durch die Lausitz endet hier. Nach 20-minütiger Wartezeit wird Roland Meister-Walka untersucht. Die Diagnose: Grauer Star.

Hat die Lausitz zu wenige Augenärzte? Nein, sagt die gesetzliche Bedarfsplanung. Sie soll vorgeben, wie viele Ärzte in einer Region ambulant tätig sein müssen, damit alle Menschen einen gleichmäßigen Zugang zur medizinischen Versorgung haben. Cottbus ist mit 133 Prozent statistisch sogar überversorgt. Das bestätigt Christian Wehry von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB). Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz ist mit einem Versorgungsgrad von 102 Prozent Schlusslicht in der brandenburgischen Lausitz. In Senftenberg gibt es aktuell zwei Augenärzte, in Lübbenau und Großräschen auch, in Vetschau praktiziert ein Augenarzt.

Trotz Beschwerden ist Roland Meister-Walka bei mehreren Augenärzten in der Region abgeblitzt.
Trotz Beschwerden ist Roland Meister-Walka bei mehreren Augenärzten in der Region abgeblitzt. FOTO: LR / Jan Augustin

KVBB-Sprecher Christian Wehry weiß um den von Patienten erlebten Unterschied zwischen rein rechnerischer und gefühlter Versorgung. Gerade in ländlichen Regionen mit weiten Strecken vergrößert sich dieser Effekt. Die vom Bund erstellte Richtlinie zur Bedarfsplanung soll im kommenden Jahr angepasst werden, stellt Wehry in Aussicht. Außerdem kündigt er für Senftenberg eine Veränderung an: „In absehbarer Zeit könnte es ein weiteres Augenarzt-Angebot geben.“

Der Senftenberger Roland Meister-Walka kann darauf nicht warten. Er muss operiert werden. Einen OP-Termin hätte er in Cottbus gleich noch am Freitag bekommen. Weil er an diesem Tag aber nicht kann, wird er nun am 5. November operiert. Roland Meister-Walka ärgert sich darüber, wie er als Patient, der selten beim Arzt ist, regelmäßig aber die Beiträge für die Krankenkasse bezahlt, behandelt wurde. „Das finde ich nicht gut. Man geht ja nicht aus langer Weile zum Arzt, sondern weil man Beschwerden hat.“