Von Jan Augustin

Es dauert keine 20 Minuten, und schon spricht Richter Harald Rehbein das Urteil. Wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge hat das Senftenberger Amtsgericht einen 29-jährigen Familienvater zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verdonnert. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Warum der Fall so schnell abgehandelt werden kann, liegt einerseits an seiner einfachen Struktur: Der Verurteilte kauft in Senftenberg vor anderthalb Jahren fast zwei Kilogramm Marihuana und packt diese ins Auto. Wenig später gerät der Mann in eine Verkehrskontrolle. Ohne Umschweife schenkt er den Polizisten reinen Wein ein, sagt, dass er „zwei Kilo Grünes“ im Kofferraum liegen habe. Dieses kooperative Verhalten, ohne nach Ausreden zu suchen oder aggressiv zu werden, ist dann auch der zweite Grund, warum der Prozess so schnell wieder vorbei ist. „So wie vorgelesen entspricht das den Tatsachen“, sagt der in Hoyerswerda geborene Vater eines siebenjährigen Kindes nach Verlesung der Anklageschrift ohne Wenn und aber – und wird rot dabei. Seine Antworten auf Nachfragen des Gerichts fallen so kurz wie möglich aus. Mit den Fingern berührt er sich beiläufig im Gesicht, schaut eingeschüchtert nach unten.

Für den 29-Jährigen ist es der erste Termin vor Gericht. Das Vorstrafenregister ist sauber. Richter Rehbein bestätigt: „Es gibt keinerlei Eintragungen.“ Er lebt in einer festen Beziehung und hat einen Job in der Kunststoffverarbeitung. Zum Zeitpunkt der Straftat sei er selbst drogenabhängig gewesen. Er verliert damals sogar seinen Führerschein, als er unter Drogen hinterm Steuer sitzt. Doch der Mann schafft die Wende. Er besorgt sich einen Therapeuten und macht einen Entzug. Die Fahrerlaubnis hat er auch seit wenigen Tagen wieder, nachdem er den viel gefürchteten MPU-Test – Medizinisch-Psychologische Untersuchung oder Idiotentest – im ersten Anlauf besteht. „Er ist Ersttäter und hat eine positive Sozialprognose. Er ist auf einem guten Weg“, begründet Richter Harald Rehbein das Urteil, das bereits rechtskräftig ist. Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben sich darauf noch im Gerichtssaal geeinigt.

Während dieser Fall in Windeseile ad acta gelegt wird, muss der Prozess gegen den Verkäufer der Drogen womöglich neu aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof prüft das Urteil des Cottbuser Landgerichtes, das den Senftenberger im Oktober vorigen Jahres wegen bewaffneten Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt hatte.