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Senftenberger Drogenhändler muss in den Knast

Der Handel mit Betäubungsmitteln floriert in der Region. Ein Dealer aus Senftenberg ist erwischt und verurteilt worden.
Der Handel mit Betäubungsmitteln floriert in der Region. Ein Dealer aus Senftenberg ist erwischt und verurteilt worden. FOTO: Fotolia
Senftenberg. Der wegen Handelns mit harten Drogen angeklagte Matthias G. (32) aus Senftenberg zieht es vor, vor Gericht zu schweigen. Das ist sein gutes Recht, wenn auch nicht immer ratsam. Das betont der Senftenberger Strafrichter Harald Rehbein in seiner Urteilsbegründung. Für ein Jahr und zehn Monate schickt er den nicht einschlägig vorbestraften Mann hinter Gitter. Kathleen Weser

Der Handel mit Betäubungsmitteln ist für Matthias G. aus Senftenberg offensichtlich keine große Sache. Sichtlich erfolgreich um einen entspannten Eindruck bemüht, sitzt der Mann im Amtsgericht Senftenberg auf der Anklagebank. Zum Vorwurf des Handelns mit nicht geringen Mengen von Kokain und Crystal, ein Verbrechen, schweigt er. Lautstark erklärt er dagegen, dass seine Verlobung mit der Zeugin Anja F. (30) aus Senftenberg den Richter nichts angehe. In zehn der elf angeklagten Taten aber hat die junge Floristin sowieso ein Auskunftsverweigerungsrecht - als geständige Mittäterin, die in einem eigenen Verfahren bereits zur Bewährung verurteilt wurde. Trotz unterschiedlicher Schilderungen zu Ort und Anlass der Verlobung, die mehrere Monate nach dem Zugriff der Polizei und gut acht Monate vor dem Prozess stattgefunden haben soll, muss Anja F. auch im entscheidenden Fall nicht gegen ihren frisch Verlobten aussagen. Das erledigt Polizistin Doreen B. dafür gründlich.

Anfang des Jahres 2012: Ermittler der Polizei werden durch mehrere Drogenkonsumenten auf den blühenden Rauschmittelhandel von Matthias G. in Kleinkoschen aufmerksam. Die Telefonüberwachung untermauert den Verdacht.

Der Handel floriert

Mehrere Abnehmer kontaktieren den Kleinkoschener, der sich zu der Zeit bereits hauptsächlich bei seiner Lebensgefährtin Anja F. in Senftenberg aufhält, wöchentlich. Gelegentlich ist auch die junge Frau am Draht und erklärt, "du brauchst nicht vorbeikommen". Der Angeklagte sendet schon wenig später mit großem Verteiler "ab 17 Uhr alles wieder okay" an seine Abnehmer. Der Handel floriert offensichtlich. Deshalb wird die Wohnung durchsucht. Matthias G. ist zu der Zeit abwesend. Die Polizei finden eine verschlossene Geldkassette. Anja F. erklärt, diese für ihre Mutter aufzubewahren. Diese wohne in Großrä schen, sei im Urlaub und habe keinen Schlüssel hinterlassen. Nach der Durchsuchung greift die junge Frau allerdings unverzüglich zum Telefon, um Matthias G. zu berichten, dass die Polizei die Kassette mitgenommen habe. Der, so bestätigt Polizistin Doreen B., sei darüber hörbar verärgert gewesen. Anja F. habe das Gespräch jedoch kurz gehalten und erklärt, sie erzähle ihm mündlich, was sie der Polizei gesagt habe, weil sie abgehört würden.

In der Dienststelle wird die Geldkassette geöffnet: 16 Gramm Kokain, dem ermittelten Wirkstoffgehalt zufolge mehr als das Dreifache der nicht geringen Menge, und 2,6 Gramm Crystal werden ans Tageslicht befördert.

Dazu kommt ein Notizzettel mit einer "szenetypischen Schuldenabrechnung", wie die Polizistin bestätigt. Auch der Zahlplan für die Schuldner ist erkennbar. Experten haben auf dem Papier die DNA des Angeklagten sichern können. Auch Matthias G., der nicht wie zuvor seine Lebenspartnerin geständig ist und keine Reue zeigt, ist überführt.

Gericht greift hart durch

An der Schuld hat auch das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Harald Rehbein im Verfahren keinen Zweifel. Es folgt voll umfänglich dem Antrag der Staatsanwaltschaft Cottbus: ein Jahr und zehn Monate Haft ohne Bewährung. Damit greift das Gericht hart durch. Denn der Angeklagte ist zuvor einschlägig noch nicht in Erscheinung getreten. Doch für eine günstige Sozialprognose, die Matthias G. den Knast hätte ersparen können, hat er selbst durch sein Schweigen zu den Vorwürfen keinerlei Anlass gegeben. Ein "besonderer Umstand, der das Aussetzen der Freiheitsstrafe gestattet, ist nicht erkennbar", so der Richter. "Jeder Angeklagte hat das Recht zu schweigen", betont Harald Rehbein. "Aber ob das immer so richtig ist, ist zu bezweifeln. Das hat dieser Fall gezeigt", konstatiert der Richter. Denn strafmildernd hätte hier "möglicherweise nur ein Geständnis wirken können", sagt er.

Das Urteil des Amtsgerichtes Senftenberg ist noch nicht rechtskräftig.