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| 17:13 Uhr

Prozess am Landgericht Cottbus
Cannabis-Plantagen-Besitzer krempelt sein Leben um

 Der 31-jährige Angeklagte aus Senftenberg (l.) wird von Rechtsanwalt Ulli Boldt vertreten. Am Freitag wird das Urteil am Landgericht Cottbus erwartet.
Der 31-jährige Angeklagte aus Senftenberg (l.) wird von Rechtsanwalt Ulli Boldt vertreten. Am Freitag wird das Urteil am Landgericht Cottbus erwartet. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Der Angeklagte aus Senftenberg soll vor sechs Jahren bis zu zehn Gramm Gras pro Tag konsumiert haben. Heute ist er clean. Von Jan Augustin

Eine vergleichsweise harmlose Straftat könnte für einen heute 31-jährigen Senftenberger gravierende Folgen haben. 14 Cannabis-Pflanzen, 300 Gramm Marihuana und 1500 Euro Bares haben Ermittler vor sechs Jahren in seiner Wohnung gefunden – und einen Schreckschuss-Revolver. Das ist der Grund, warum die Verhandlung am Mittwoch von der 1. Großen Strafkammer am Landgericht Cottbus eröffnet wird. Vorgeworfen wird dem Angeklagten der bewaffnete Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Höhe. Das Gesetz sieht dafür eigentlich eine Strafe von mindestens fünf Jahren vor.

Doch wird das für diesen Freitag erwartete Urteil wohl deutlich milder ausfallen. Die Prozessbeteiligten haben sich auf einen Deal geeinigt. Gesteht der Senftenberger und gibt an, wie viel er von der Ernte selbst geraucht und wie viel verkauft hat, dann käme auch eine Bewährungsstrafe in Betracht. Und der Angeklagte lässt sich ein, gibt zu, dass er damals bis zu zehn Gramm mit einer Wasserpfeife geraucht hat und dass er etwa die Hälfte des zu erwartenden Ertrages weiterverkauft habe, um seinen Konsum finanzieren zu können. Den ersten Kontakt mit Gras habe er in der 8. Klasse gehabt. Mit der Zeit sei der Bedarf gestiegen. „Ich habe mein Leben gelebt, gekifft und nur Blödsinn gemacht“, räumt er ein. Er fängt zwei Lehren an, kann beide aber nicht zu Ende bringen. Nach der Wohnungsdurchsuchung sei er zur Erkenntnis gelangt, dass es so nicht weitergehe. Er löst sich vom Marihuana, will alles hinter sich lassen. Seit drei Jahren lenkt er Laster durch die Straßen und hat so ein Einkommen. „Ich bereue die Tat“, sagt er. Heute führe er ein normales Leben. Die Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Frank Schollbach wird das alles in die Urteilsfindung einfließen lassen. Staatsanwalt Frank Schöning und Verteidiger Ulli Boldt haben jeweils für eine Bewährungsstrafe plädiert.