| 02:47 Uhr

Senftenberger Bürger reden Klartext

Senftenberg ist attraktiv, kämpft aber auch mit Problemen, die den Unmut der Bürger herausfordern.
Senftenberg ist attraktiv, kämpft aber auch mit Problemen, die den Unmut der Bürger herausfordern. FOTO: Monika Müller/Stadt Senftenberg
Senftenberg. Dauerbrenner in der kritischen Bürgerschaft der Stadt Senftenberg sind der mangelhafte Zustand der Schulstraße und des Bahnhofes. Das hat Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD), der sich am Dienstagabend in guter Tradition im Großen Ratssaal den Fragen der interessierten Einwohner gestellt hat, erneut brühwarm serviert bekommen. Kathleen Weser

Die Verkehrsadern in dem zentrumsnahen Wohnquartier habe die Stadt auf dem Schirm - aber nicht sofort auf dem Bauplan. Erst nach der Sanierung der Wohnblöcke durch die Kommunale Wohnungsgesellschaft (KWG) Senftenberg und die Wohnungsbaugenossenschaft fasse die Kommune diese Anliegerstraßen an. Das sei mit den Großvermietern so besprochen.

Das Stadtoberhaupt wirbt um Verständnis und Geduld gleichermaßen. Denn für den Straßenausbau fallen auch Beiträge an, die zum Großteil von den Wohnungsunternehmen zu bestreiten sind. Finanzieren könnten die diese Summen nur über die Kaltmieten. "Wir müssen das sehr bedacht, auch über einen längeren Zeitraum, angehen", sagt Andreas Fredrich. Denn er wolle nicht erklären müssen, dass wegen des kommunalen Straßenbaus in Senftenberg die Mieten erhöht werden müssten. "Gefahrenquellen an den Straßen und Gehwegen werden laufend beseitigt", betont der Bürgermeister.

"Von mir wird es die Empfehlung, dass die Stadt den Bahnhof kaufen soll, keinesfalls geben", erklärt Andreas Fredrich. Das Gebäude gehört der Deutschen Bahn - und die stehe in der Pflicht. Über das Malern der Wartehalle hinaus, das in freiwilliger Arbeit eines ortsansässigen Unternehmens und auf dessen Kosten erfolgt ist, werde sich die Stadt nicht engagieren. Mit der Immobilie sei die Kommune überfordert. Und ein Erwerber müsse, so die Auflage des Eigentümers, auch ständig den Zugang zu technischen Anlagen für den Bahnbetrieb in den Kellern garantieren. Die Deutsche Bahn selbst saniere nur Bahnhöfe, die gut frequentiert seien. "Von der erforderlichen Anzahl der Fahrgäste ist Senftenberg weit entfernt", stellt der Bürgermeister fest. Er könne nur raten, mehr Zug zu fahren und den Unmut über den Zustand des Bahnhofes schriftlich zu äußern. Das tue die Stadt auch. Nur mit geballter Stimme sei der Eigentümer in die Verantwortung zu nehmen.

Auch zum Zeitfenster des avisierten Neubaus der Schrankenanlage, die die Fahrradstraße kreuzt, hat sich die Bahn noch nicht positioniert. Dem zunächst geplanten Tunnel hatte die Ratsrunde, nach heftigem Protest von Anwohnern, eine Absage erteilt. Die Stadt Senftenberg ist im Haushalt aber darauf vorbereitet, ihren kommunalen Eigenanteil zu stemmen, bestätigt Fredrich.

Christine Grün spricht zum Hundedreck auf den Gehwegen in der Stadt spürbar erregt Klartext. Auf dem Fußweg zwischen der Kaufhaus-Kreuzung und dem Autohaus in Höhe des Amtsgerichtes könne man derzeit vor Hundehaufen kaum noch treten. Die Senftenbergerin hat selbst seit acht Jahren einen Hund und hält es für selbstverständlich, dass die Halter die Hinterlassenschaften ihrer Tiere sofort beseitigen. Dem sei in der Stadt vielfach nicht so. "Es wird immer schlimmer", beklagt sie. Und deshalb könne sie regelrecht hasserfüllte Blicke von Mitbürgern, die sie beim Spaziergang mit dem eigenen Tier träfen, langsam auch verstehen. "Hundehalter, die den Schmutz liegen lassen, müssen dingfest gemacht und zur Verantwortung gezogen werden", fordert Christine Grün.