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| 18:53 Uhr

Wetter-Rückblick
Wetter spielt 2018 verrückt

 Die Hobbymeteorologen sowie Jürgen Tremmel (r.) vom Deutschen Wetterdienst sagen, dass das derzeitige milde Wetter noch bis mindestens 10. Januar anhält. Ein Wintereinbruch ist nicht in Sicht.
Die Hobbymeteorologen sowie Jürgen Tremmel (r.) vom Deutschen Wetterdienst sagen, dass das derzeitige milde Wetter noch bis mindestens 10. Januar anhält. Ein Wintereinbruch ist nicht in Sicht. FOTO: Richter-Zippack
Senftenberg. Hobbymeteorologen treffen sich in Senftenberg und wagen Prognosen für 2019 Von Torsten Richter-Zippack

Der Januar viel zu warm, der Februar extrem trocken, Schneeverwehungen im März, Sommer und Dürre von Anfang April bis Mitte November. Und wieder keine weißen Weihnachten: Das Wetterjahr 2018 ist durchweg turbulent verlaufen. Kaum ein Monat präsentierte sich halbwegs normal. Das ist das Fazit der Hobbymeteorologen der Region Senftenberg anlässlich ihrer 26. Jahrestagung.

Eine Bauernregel hat im zu Ende gehenden Jahr komplett ins Schwarze getroffen: „Ist der Februar zu trocken, wird das ganze Jahr zu trocken.“ Tatsächlich fielen nach Angaben des Ortrander Hobbymeteorologen und hauptberuflichen Landwirts Walter Beckmann nur zehn Prozent der monatsüblichen Menge vom Himmel. Anderswo, so Beckmann weiter, sei fast nichts mehr zusammengekommen. Unmittelbar nach Ostern begann die Trockenheit, die bis weit in den Spätherbst hinein anhalten sollte. Bis Ende 2018 hatte der Landwirt rund 400 Liter Wasser pro Quadratmeter gemessen. Normal wären 550 bis 580 Liter. Beckmann präsentiert während der Tagung zwei Maiskolben. Der eine wuchs unter künstlicher Beregnung heran und brachte zur Ernte 230 Gramm auf die Waage. Sein Pendant, das nur mit Regenwasser auskommen musste, schlug mit gerade mal 40 Gramm zu Buche.

„Im Raum Berlin/Brandenburg gab es zwischen 1881 und 2003 insgesamt 17 Trockenjahre“, hat Beckmann recherchiert. Das heißt also Jahre, in denen weniger als 500 Liter Wasser auf den Quadratmeter fielen. Die Chance auf ein extremes Trockenjahr 2019 sei zumindest laut der Statistik gering. „Nach langen Dürren folgte sechsmal ein nasses, neunmal ein normales und nur einmal ein trockenes Jahr“, sagt Walter Beckmann. Das war 1975/1976. „Ich bin also optimistisch, dass es in der Lausitz 2019 wieder feuchter wird. Ansonsten könnte ich demnächst meinen Landwirtschaftsbetrieb mit allem Drum und Dran verkaufen.“ Durch die Dürre muss seine Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz einen sechsstelligen Schaden verkraften. Der Antrag auf Entschädigung laufe derzeit noch beim Land. Doch dessen nicht genug: Bereits am 18. Januar hatte Sturmtief Friederike mehrere Gewächshäuser der Firma komplett zerstört.

Hobbymeteorologe Hans-Joachim Emmrich aus Buchwäldchen beobachtet das Wetter bereits seit fast 45 Jahren. Nach dem Hitze- und Dürresommer 2018 prognostiziert der Experte, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre die 40-Grad-Celsius-Marke in der Lausitz überschritten werden könnte. Passiert ist dies bereits am 5. Juli 2015 im unterfränkischen Kitzingen. In Buchwäldchen betrug der diesjährige Höchstwert 36,9 Grad, gemessen am 1. August.

Hobbymeteorologe Jürgen Jentsch aus Bolschwitz bei Calau hat beobachtet, dass es 2018 kaum Gewitter gab. „Es waren in der Regel nur zwei, drei Schläge zu hören, zuvor ein, zwei Blitze und Sturm, und das war es dann auch.“ Als Beispiel verweist der passionierte Naturschützer auf den 21. September, als die spätsommerliche Hitzeperiode zu Ende ging. „Die Wolken sahen so bedrohlich aus. Dann kamen ganze 1,8 Liter Regen auf den Quadratmeter.“ Immerhin brachte der Dauerregen zwei Tage später dann knapp 29 Liter Himmelswasser. Bei Hobbymeteorologe Ingo Nowak aus Schipkau standen am Jahresende 14 Gewitter zu Buche. „Die dauern nur kurze Zeit an und brachten keine Unwetter“, lautet sein Resümee.

 Nach Angaben von Jürgen Tremmel vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam kam die Niederlausitz im Vergleich zu anderen Teilen Brandenburgs niederschlagsmäßig noch relativ günstig weg. Jahreswerten von 400 bis 480 Litern pro Quadratmeter zwischen Elster und Neiße stehen 300 Liter in seiner Heimatstadt Werder gegenüber. „Das bislang trockenste Jahr in Deutschland war 1911. Damals fielen in der Goldenen Aue in Thüringen nur gut 200 Liter.“ Dafür hat 2018 seinen Spitzenplatz in der Rangfolge der wärmsten Jahre sicher. Mit einer bundesweiten Durchschnittstemperatur von 10,4 Grad übertrifft es den bisherigen Spitzenreiter 2014 um 0,1 Grad.