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| 18:05 Uhr

Senftenberg
Brennendes Reifenlager: Verdacht der Brandstiftung erhärtet sich

Das Müllchaos aus Reifen und anderen Abfällen machen eine Spurensicherung auf dem riesigen Gelände am Senftenberger Stadtrand fast unmöglich.
Das Müllchaos aus Reifen und anderen Abfällen machen eine Spurensicherung auf dem riesigen Gelände am Senftenberger Stadtrand fast unmöglich. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Kurz vor dem Höllenfeuer in einem illegalen Reifenlager in Seftenberg ist ein Luftbild entstanden. Es zeigt zwei Rauchsäulen an zwei verschiedenen Orten. Von Jan Augustin

Eine Woche nach dem 36-Stunden-Höllenfeuer in dem illegalen Reifenlager in der Senftenberger Ackerstraße sucht die Kriminalpolizei weiter nach der Brandursache. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, bestätigt Polizeisprecher Torsten Wendt. Doch das Unterfangen erweist sich für die Kriminaltechniker als „relativ schwer“. Rund Neun Millionen Liter abgegebenes Löschwasser und Schaum, dazu das Müllchaos aus Reifen und anderen Abfällen auf dem riesigen Gelände am Stadtrand machen eine Spurensicherung fast unmöglich. Ob und wann überhaupt eine Ursache gefunden werden kann, bleibt unklar. „Das dauert noch lange“, bestätigt Torsten Wendt. Die Ermittler seien auf das Brandprotokoll, die Aussagen der Erstmelder, Bewirtschafter und Hubschrauberpiloten angewiesen. Und auf die Schilderungen der Feuerwehrmänner. In Spitzenzeiten waren mehr als 140 Einsatzkräfte aus dem ganzen Oberspreewald-Lausitz-Kreis, aus Spree-Neiße, Elbe-Elster und Cottbus vor Ort, um das Feuer so schnell wie möglich zu löschen und so ein Ausbreiten auf das benachbarte Wohngebiet zu verhindern.

Auch OSL-Kreisbrandmeister Thomas Pelzer hatte einen Anteil daran, dass die Katastrophe abgewendet wurde. Der 33-Jährige hat in der Aufbereitung des anstrengenden Einsatzes ein Foto gezeigt bekommen, das unmittelbar nach der Brandentstehung aus einem Hubschrauber aufgenommen worden ist. Das Feuer hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht bis zu neun Meter hoch gewütet. „Darauf sind eindeutig zwei Rauchsäulen zu sehen. Eine spontane Selbstentzündung findet aber in der Regel an einer Stelle statt“, sagt Pelzer. Dieses Indiz spricht für eine vorsätzliche Brandstiftung.

Im Umlauf ist auch eine Spekulation. Demnach sollen am Freitagabend zwei sogenannte Himmelslaternen in der Nähe der Deponie gesichtet worden sein. Die kleinen brennenden Ballons leuchten romantisch am Himmel, erweisen sich aber oft als gefährliche Brandsätze. Beliebt sind die Glühwürmchen bei Hochzeiten und anderen Festlichkeiten. Auch Tobias Pelzer ist diese Feuer-Hypothese schon zu Ohren gekommen. Ob sie aber stimmt, könne er nicht sagen.

Mitarbeiter des zuständigen Landesamtes für Umwelt (LfU) haben unterdessen die Sachlage auf der nach der Insolvenz des Betreibers seit Ende 2009 illegalen Deponie aufgenommen und dokumentiert. Das Fazit: Ein Großteil der etwa 3000 Tonnen an Altreifen habe gebrannt, eine Halle wurde beschädigt. Nun muss der giftige Sondermüll fachgerecht entsorgt werden. „Die Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/ Berlin mbH ist zu beteiligen. Die Grundstückseigentümer werden vom LfU zur Entsorgung der Brandabfälle aufgefordert“, erklärt Amtssprecherin Inka Schwand.

Die Eigentümer sind drei Privatpersonen, die seit 2010 im Grundbuch eingetragen sind. Das bestätigt die Leiterin des Amtsgerichtes Senftenberg, Marion Müller. Demnach haben alle drei Personen ihren Wohnsitz in Deutschland, jedoch nicht im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Weitere persönliche Angaben darf sie nicht machen.

Ob die Privateigentümer für die Feuerwehreinsatzkosten  aufkommen müssen, bleibt weiter offen. Gemäß Brandschutzgesetz ist die Hilfe kostenfrei, wenn der Brand nicht vorsätzlich verursacht worden ist. Senftenberg wird laut Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) rechtlich klären lassen, ob die Kosten den Eigentümern in Rechnung gestellt werden können. Wie teuer der Einsatz unterm Strich war, ist auch noch nicht klar. Konkrete Zahlen sollen der Stadtverwaltung erst an diesem Donnerstag  zu einem Auswertungsgespräch vorliegen, informiert Stadtsprecher Andreas Groebe. Kreisbrandmeister Tobias Pelzer hält einen Vergleich zum Großbrand auf dem Müll-Lagerplatz von Sonne-Recycling in Freienhufen vor drei Jahren für angemessen. Die Brandbekämpfung hatte der Stadt Großräschen damals rund 350 000 Euro gekostet.

Ob die drei Eigentümer der Fläche auch im Visier der Kripo stehen, beantwortet Polizeisprecher Torsten Wendt mit der Aussage, dass alle für den Fall relevanten Personen gehört werden. „Es ist aber nicht so, dass speziell gegen jemanden ermittelt wird“, erklärt er.

Senftenberg: Großbrand in einem Altreifenlager in der Senftenberger Ackerstraße
Tag 1 nach dem Feuer
Senftenberg: Großbrand in einem Altreifenlager in der Senftenberger Ackerstraße Tag 1 nach dem Feuer FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche