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| 09:31 Uhr

Vereinsauflösung nach 111 Jahren
Kaninchenzuchtverein bleibt ohne Nachwuchs

 Ein Kaninchen aus Lothar Webers Stall. Er betreibt seine Zucht nun unter dem Dach des Senftenberger Kleintierzüchtervereins.
Ein Kaninchen aus Lothar Webers Stall. Er betreibt seine Zucht nun unter dem Dach des Senftenberger Kleintierzüchtervereins. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Senftenberg. Der Senftenberger Kaninchenzüchterverein löst sich auf. Damit enden 111 Jahre Vereinsgeschichte. Zuletzt hielt nur noch ein Ehepaar tatsächlich Tiere. Von Daniel Roßbach

Wenn sich der Kaninchenzuchtverein D 208 in diesem Jahr auflöst, endet eine 110 Jahre lange Senftenberger Vereinsgeschichte. Das letzte Kapitel ist die Liquidation des Vereins, die seine Mitglieder einläuteten, als sie Anfang Dezember die Auflösung beschlossen. Lothar Weber (71) bedauert das Ende sichtlich. Seit dem Jahr 1995 ist er im Verein aktiv, seit 2010 dessen Vorsitzender. Die Preise, die er und seine Frau Brigitte in dieser Zeit mit ihren Kaninchen gewannen, füllen die heimische Schrankwand aus.

Doch dass Brigitte und Lothar Weber inzwischen als einzige der zwölf verbliebenen Mitglieder im D 208 tatsächlich noch Tiere halten, macht deutlich, warum es für die Senftenberger Kaninchenzüchter als eigenständigem Verein nicht weiter geht. „Wir haben seit der Wende keine jungen Züchter als Nachwuchs mehr dazu bekommen“, sagt Lothar Weber. Das jüngste Vereinsmitglied sei inzwischen 57 Jahre alt, die ältesten 86.

Auch Auftritte in Schulen hätten demnach nicht geholfen, den Verein zu verjüngen: „Die Kinder haben uns mit den Kaninchen dann zwar geradezu gestürmt, und auch die Eltern waren begeistert. Am Ende ist aber niemand von ihnen wirklich eingestiegen. Wo will man in einer Stadtwohnung auch einen Kaninchenstall unterbringen?“ Mit diesen Sorgen stehen die Senftenberger Kaninchenzüchter nicht allein. Wie Mike Büttner, der Vorsitzende des Kaninzüchterverbands für den OSL-Kreis sagt, sehe es überall mau mit Nachwuchs aus, auch in ganz Brandenburg. In seiner zehnjährigen Amtszeit als Kreisvorsitzender ist die Zahl der Mitglieder seines Verbands von etwa 200 auf 106 zurückgegangen. Ausnahmen wie der Verein in Hosena, in dem zehn Jugendliche aktiv sind, bestätigen da die Regel.

Gegen das schwankende Interesse könne aber helfen, bei Veranstaltungen auch Angebote zu unterbreiten, die über die bloßen Tierausstellungen hinausgehen. Büttner nennt Demonstrationen alter Handwerke und Kulturangebote als gute Beispiele für solche Ergänzungen.

 Die Trophäensammlung der zwei letzten verbliebenen Züchter, des Ehepaars Lothar und Brigitte Weber aus Senftenberg.
Die Trophäensammlung der zwei letzten verbliebenen Züchter, des Ehepaars Lothar und Brigitte Weber aus Senftenberg. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Den Beschluss, ihren Verein aufzulösen, haben die Mitglieder des Senftenberger Vereins schon Anfang Dezember beschlossen, kurz vor Weihnachten wurde er wirksam. Nun dauert es noch etwa ein Jahr, bis alle bürokratischen Akte, die zur Abwicklung nötig sind, erledigt sein werden. Die Gründung des Vereins wird dann 111 Jahre zurück liegen. Am 8. August 1908 war er in Jüttendorf, einem damals noch nicht eingemeindetem Vorort von Senftenberg, gegründet worden.

Das Ende des D 208 ist aber nicht das Ende der Kaninchenzucht in Senftenberg überhaupt. Diejenigen unter den verbliebenen Mitglieden, die weiter in Vereinen aktiv sein wollen, schließen sich dem allgemeinen Senftenberger Kleintierzüchterverein an. Mit diesem Gremium hatten die Kaninchenzüchter schon seit Jahren kooperiert, um Ausstellungen realisieren zu können. In Eigenregie gelang das den D 208-Mitgliedern schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Damals hatten sie ihr Vereinsheim verloren.

Der Kleintierzüchterverein ist übrigens sogar noch älter als die Kaninchenzüchter: Im April feiert man dort 130-jähriges Bestehen.