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| 20:00 Uhr

Lausitzer Seenland
Radfahrer schimpfen über eine Langstrecken-Umleitung im Seenland

 Reinhard und Roswitha Haschke haben sich aufgrund der Umleitung umentschieden. Statt nach Großräschen geht es jetzt um den Partwitzer See.
Reinhard und Roswitha Haschke haben sich aufgrund der Umleitung umentschieden. Statt nach Großräschen geht es jetzt um den Partwitzer See. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Lieske/Bahnsdorf. Eine 20-Kilometer-Strecke im Hinterland des Sedlitzer Sees sorgt derzeit bei Urlaubern für Frust. Schuld sind Sanierungsarbeiten in der Bergbaufolgelandschaft zwischen Lieske und dem Ilse-Kanal. Das Problem: Der Tourismusverband Lausitzer Seenland wirbt zwar aktiv für die Radwege, verschweigt aber auf der Internetseite die aktuellen Baustellen in der neuen Reiseregion. Von Torsten Richter-Zippack

Herbert und Karin Raabe wollen eine gemütliche Radtour vom Sedlitzer See nach Großräschen unternehmen. Die beiden Nieskyer haben sich als Start- und Zielort das 80-Einwohner-Dorf Lieske ausgesucht. Doch aus dem gemütlichen Ausflug wird erst mal nichts. Denn eine größere Tafel gibt erst direkt vor Ort die Auskunft über die Sperrung des Radweges entlang des Sedlitzer Sees. „Das ist natürlich ungünstig“, kommentiert Herbert Raabe.

„Wir sind die gleiche Strecke schon einmal gefahren. Im Internet haben wir nichts von einer Sperrung gelesen.“ Die Route habe sich der Nieskyer extra in sein Smart­phone gespeichert. Und jetzt das. Karin Raabe hat Bedenken, die 20 Kilometer Fahrt unter den Umständen zu wagen. Ihr Mann bringt indes Verständnis für den Grund der Sperrung auf. „Ich war früher selbst in der Bergbausanierung tätig. Unsere Mannschaft hat sich um Steinbau und Böschungssanierung gekümmert.“

Touristiker werben für die Radwege. Über die Großbaustellen und Umleitung wird geschwiegen

 Am Ilse-Kanal (im Hintergrund der Großräschener See) beginnt die 20 Kilometer lange Umleitungsstrecke für Radler und Skater.
Am Ilse-Kanal (im Hintergrund der Großräschener See) beginnt die 20 Kilometer lange Umleitungsstrecke für Radler und Skater. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Tatsächlich kann der Radweg am Sedlitzer See zwischen Lieske und dem Ilse-Kanal noch bis 31. März 2021 nicht befahren werden, weil Sanierungsarbeiten laufen. Zudem wird das Gewerbegebiet Sedlitzer Nordufer erschlossen. Die Ausweichroute der Radfahrer führt über den Welzower Flugplatz, Bahnsdorf, Allmosen und Dörrwalde nach Sedlitz.

Auf der Internetseite des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, auf der sich viele Radler vor der Anreise über die gut ausgebauten Radwege in der Bergbaufolgelandschaft informieren, werden die Baustellen nicht benannt. „Wollen wir in erster Linie den Gast ins Seenland holen. Da macht die Darstellung der Umleitung aus unserer Erfahrung dort wenig Sinn“, sagt Kathrin Winkler, die Geschäftsführerin. Die Region werde „als Landschaft im Wandel vermarktet“ und damit verbundene Einschränkungen seien damit offen kommuniziert.

 Ganz schön eng geht es an der Bahnsdorfer Flugplatzausfahrt zu.
Ganz schön eng geht es an der Bahnsdorfer Flugplatzausfahrt zu. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Die böse Überraschung lenkt auf eine gefährliche Route

Bernd Fritzsche aus Bergen ist von dem Riesen-Umweg wenig begeistert. „Also mit fünf Kilometern Umleitung würde ich noch mitgehen, aber 20 Kilometer sind eindeutig zu viel. Das geht mit dem Auto, aber doch nicht mit dem Fahrrad. Mit etwas gutem Willen hätte man doch das kleine Stück Radweg am Sedlitzer See, das tatsächlich aufgerissen ist, umfahren können“, stellt er fest. Der Elsterheider hat stattdessen die kürzere Variante über die B 156 gewählt. „Ganz schön gefährlich bei dem dichten Verkehr“, sagt er.

Von der Radlerumleitung haben auch Reinhard und Roswitha Haschke im Vorfeld nichts mitbekommen. „Eigentlich wollten wir zum Großräschener See. Aber die Umleitung ist uns zu weit“, sagt Reinhard Haschke. Der Kamenzer erklärt außerdem, dass ihm die Umfahrung zu umständlich sei. Stattdessen wolle er mit seiner Frau jetzt um den Partwitzer See radeln.

Imbissbetreiber leidet unter der Baustelle am Sedlitzer See

Imbissbetreiber Bodo Podstawa ist von der Umleitung ebenfalls wenig angetan, denn diese führt nicht mehr zu seinem Domizil auf dem neuen Liesker Urlauberparkplatz. „Deshalb habe ich zwei extra Hinweistafeln aufgestellt“, erklärt der Senftenberger. Ansonsten beziffert er den Gästerückgang wegen der Umleitung auf rund 50 Prozent. Podstawa gibt sich dennoch optimistisch: „Bei allen Bautätigkeiten gibt es Einbußen. Hier jetzt zu bestehen, ist eine sportliche Herausforderung.“ Bis Ende Oktober will der Gastronom seinen Imbiss in Lieske offen halten. „Und wenn alles klappt, bin ich im Frühjahr 2020 wieder da“, kündigt er an.

Die Umleitung über den Welzower Flugplatz hat Radfahrer und Urlauber Thomas Weber aus dem erzgebirgischen Gornsdorf gerade geschafft. Jetzt hat er Bahnsdorf erreicht. „Die Umleitung ist neu für mich, aber die Ausschilderung ist in Ordnung. Übrigens, der alte Militärflughafen in Welzow interessiert mich sehr.“ Thomas Weber staunt indes über die Ausfahrt vom Flugplatzgelände in Richtung des Bahnsdorfer Ortsteils Lindenfeld. „Ganz schön eng“, lautet sein Kommentar.