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| 10:11 Uhr

Glück im Unglück
Zwei Tage ums Portemonaie gebangt

 Riesig ist die Wiedersehensfreude: Klaus Ebeling hat seine vergessene Geldbörse unversehrt wieder in Empfang genommen.
Riesig ist die Wiedersehensfreude: Klaus Ebeling hat seine vergessene Geldbörse unversehrt wieder in Empfang genommen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Senftenberg, Schwarzkollm. Der Senftenberger Klaus Ebeling vergisst in Schwarzkollm sein Portmonee. Mit Geld, Karten und besonderen Fotos. Von Torsten Richter-Zippack

Klaus Ebeling befindet sich auf dem Heimweg von Spohla nach Senftenberg. Unterwegs will der 64-Jährige noch Eis kaufen. Er entscheidet sich für den Penny-Markt im Schwarzkollmer Gewerbegebiet, das sich unmittelbar an der B 96 befindet. Ebeling trägt Tiefkühltasche und Portemonaie bei sich. Es ist Samstagabend, im Markt sind nur noch wenige Kunden unterwegs. Schnell das Eis geholt, dann geht es an die Kasse. „Ich habe meine Geldbörse auf den dortigen Tresen gelegt, um das Eis einzupacken“, berichtet Ebeling. Er plaudert mit der Verkäuferin, dann greift der Senftenberger zur Kühltasche. Das Portemonaie bleibt im Markt.

Wachschutz konnte nicht helfen

Zuhause angekommen, schiebt der 64-Jährige seinen Einkauf ins Tiefkühlfach. „Dann wollte ich noch einen Tee trinken gehen. Ich greife zur Brieftasche. Das Handy ist da, die Geldbörse fehlt. Um Gotteswillen“, erinnert sich Klaus Ebeling. „Ich habe mich sofort wieder ins Auto gesetzt und bin nach Schwarzkollm zum Penny gefahren. Allerdings war es bereits nach 20 Uhr und der Laden schon zu. Niemand von den Verkäuferinnen befand sich mehr vor Ort.“

Klaus Ebeling ist verzweifelt. Er ruft den Wachschutz an, geht in die nahe Tankstelle. „Die Leute waren zwar nett, konnten mir aber nicht weiterhelfen“, erzählt der Senftenberger. Plötzlich kommt ihn ein Gedanke. Vielleicht mal einen Stein nehmen und die Scheibe einschlagen und anschließend das Portemonaie herausholen, schießt es durch seinen Kopf. Doch davon nimmt, Ebeling ganz schnell wieder Abstand. „Ich war schließlich selbst jahrzehntelang als Polizist in Hoyerswerda tätig. Würde ich dann auf die ehemaligen Mitarbeiter treffen, würden die denken, der ist völlig durchgeknallt“, lautet die Begründung.

Portemonaies früher öfter abgegeben

Im Portemonaie befinden sich zu jener Zeit 80 Euro in Scheinen, Hartgeld, mehrere Dokumente, die EC-Karte und persönliche Dinge. „Die EC-Karte habe ich sofort sperren lassen“, erzählt Ebeling. Besonders heftig wiegt der Verlust der übrigen Papiere und die damit verbundene aufwendige Rennerei.“ Nicht minder schmerzlich ist das Fehlen zweier Bilder. „Eines zeigt meine Frau, das andere Hund Paulchen. Beide leben leider nicht mehr“, begründet der pensionierte Polizist.

Während seiner Dienstzeit gaben die Leute öfter mal gefundene Portemonaie bei der Polizei ab oder verrie­ten, wo diese lagen. „Da haben wir so manches Gebüsch durchsucht“, erinnert sich der einstige Hoyerswerdaer Ordnungshüter.

Dönerverkäufer leiht Geld in der Not

Klaus Ebeling fährt wieder nach Senftenberg, geht dann zum Döner in die Kreuzstraße, wo er Stammkunde ist. „Zum Glück hat mir einer der Dönermänner 50 Euro geliehen. Denn ich hatte ja keinen Cent in der Tasche“, sagt Ebeling. Es beginnen unruhige Stunden des Hoffens und Bangens. „Nachts konnte ich nicht richtig schlafen. Alle Gedanken kreisten nur um die verlorene Geldbörse.“ Er ahnt noch nicht, dass diese wenig erfreuliche Odyssee insgesamt rund 37 Stunden beziehungsweise fast zwei Tage dauern würde.

Es versteht sich von selbst, dass Klaus Ebeling am Montagmorgen der erste Kunde im Schwarzkollmer Penny-Markt ist. „Da kam auch schon eine Verkäuferin und brachte mir mein Portemonaie“, berichtet der Senftenberger. „Es war alles noch drin: Geld, Papiere, Fotos. Ich habe bei der Penny-Zentrale in Köln angerufen und mich dort bedankt. Dort wurde mir zugesagt, dies weiterleiten zu wollen.“

Nie aus den Augen lassen

Dass Klaus Ebeling sein Portemonaie unversehrt in Empfang nehmen kann, ist längst keine Selbstverständlichkeit. Gerade in jüngster Zeit häufen sich in den Polizeiberichten Fälle von gestohlenen Geldbörsen in Einkaufsmärkten der Region. Immer wieder warnen die Beamten, die Portemonaies auch nur eine einzige Sekunde aus den Augen zu verlieren.

Bei den Verkäuferinnen hat sich der glückliche Senftenberger im Nachhinein mit einem kleinen Präsent bedankt. Seine schwarze, erst rund ein Jahr alte Geldbörse wolle er künftig jederzeit im Blick behalten. „Denn ich kann ja mein Glück nicht öfter so herausfordern wie im Schwarzkollmer Penny.“