ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:50 Uhr

Standing Ovations vor der Bühne am Senftenberger See
Amphitheater-Chef singt zum Abschied leise Servus

 „Sag beim Abschied leise Servus“ hat der langjährige organisatorische Leiter des Amphitheaters, Andreas Stanicki (4.v.r.), nach zwölf Jahren im Amt nun am Sonntag im Rahmen eines Wiener Operetten-Abends auch für sein Publikum gesungen.
„Sag beim Abschied leise Servus“ hat der langjährige organisatorische Leiter des Amphitheaters, Andreas Stanicki (4.v.r.), nach zwölf Jahren im Amt nun am Sonntag im Rahmen eines Wiener Operetten-Abends auch für sein Publikum gesungen. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
SENFTENBERG. Für den scheidenden organisatorischen Leiter des Amphitheaters, Andreas Stanicki, gab es zum Abschied Standing Ovations. Bis zur Halbzeit der Saison haben bereits 15 000 Besucher die Bühne besucht. Von Heidrun Seidel

Nach zwölf Jahren geht im Amphitheater am Senftenberger See eine Ära zu Ende. Andreas Stanicki, organisatorischer Leiter der Spielstätte seit 2007/08, geht in den Ruhestand. Am Sonntagabend hat er sich gemeinsam mit den Protagonisten des Programms mit dem Lied „Ich sag zum Abschied leise Servus“ vom Publikum verabschiedet.

Durch das Programm führte seine Ehefrau, die Sängerin Gabriele Bernsdorf, in die Wiener Atmosphäre und Gemütlichkeit, und gemeinsam mit Mona Deibele, Kai-Uwe Fahnert und Sebastian Fuchsberger verführte sie mit „Wiener Blut“ und vielen anderen Liedern von Johann Strauß, Robert Stolz, Emmerich Kalman und anderen das Publikum zum sanften Schunkeln oder rhythmischen Klatschen. Sie freute sich sichtbar, dass ihr Mann nun nicht mehr so oft von Halle nach Senftenberg reisen wird.

Ganz wird der 70-Jährige die Stadt, in der er ein Viertel seines Berufslebens verbracht hat, aber nicht aus den Augen verlieren, „nicht Lebwohl und nicht Adieu“ sagen, wie es im Lied, das er routiniert mitsingen kann, heißt. Schließlich pflegt Andreas Stanicki seit Jahren im Extra-Chor der Oper Halle und in der Robert-Franz-Singakademie sein Hobby. So wird der Einstieg in den Ruhestand auch keinesfalls langweilig. Schon am 28. September steht er wieder auf der Hallenser Bühne im Chor zur Premiere von Verdis „Ein Maskenball“. „Bis dahin muss ich noch ordentlich proben“, gesteht er.

„Ich werde auf jeden Fall nach Senftenberg Kontakt halten und sicher auch die Entwicklung des Theaters verfolgen.“ Wie sehr ihn trotz verdienten Ruhestands der Abschied berührt, hat er gerade erst am Ende der „Night-Fever“-Konzerte Mitte Juli zu spüren bekommen. Da hat ihn Frontmann Franco Leon – mit dreieinhalb Oktaven Stimmumfang verkörpert er die Robin-Gibb-Stimme der Bee-Gees-Coverband – auf die Bühne geholt. Nicht, dass Stanicki von seinem angestammten Platz in der Nähe des Ton-Pults zur Band hinabsteigen und eine „schöne Rede“ über sich ergehen lassen musste, sei das „Schlimmste“ gewesen, sondern dass dann auch noch das Publikum aufgestanden sei und Beifall geklatscht habe. Das sei ihm dann doch an die Nieren gegangen. „Es war berührend“, gesteht der sonst eher sachlich nüchterne Organisator über das Gefühl angesichts der Stehenden Ovationen. Das Bee-Gees-Programm „Night Fever“ steht auch ein bisschen für die Entwicklung des Amphitheaters. Während beim ersten Auftritt 2011 noch 310 Besucher die Band hören wollten, steigerte sich die Zahl von Jahr zu Jahr auf 673 im Jahr 2015, so dass es von da an zwei Konzerte mit der Band pro Saison buchen musste, um der Nachfrage Herr zu werden. Auch in diesem Jahr gehören die beiden Veranstaltungen zu jenen bisher zwölf ausverkauften Abenden.

Eine ebenso feste Größe bei den Zuschauern und sichere Bank für die Veranstalter sind die Vorstellungen des Boulevardtheaters aus Dresden, die in der ersten Halbzeit der Saison 2019 an sieben Abenden für vollbesetzte Ränge sorgten. Und das nicht nur mit den frivolen Komödien über den Doktor oder Landwirt, sondern auch mit den musikalischen Revuen „Die Legende vom heißen Sommer“ und „Die Fete endet nie“. Ebenso begeisterten „Das Dschungelbuch“ vom Theater Lichtermeer, Anna Loos mit ihrem ersten Soloprogramm „Werkzeugkasten“ und die Rock-Legende Peter Kraus. Der legte mit seinen 80 Jahren sogar noch einen Rock’n’Roll mit einer Zuschauerin hin, erzählt Andreas Stanicki über den wunderbaren Abend mit dem prominenten Künstler.

Mehr als 15 000 Besucher haben in der ersten Halbzeit das bunte Angebot in der Spielstätte bereits genutzt. „Da könnten wir die 30 000er-Schallmauer auch in diesem Jahr wieder durchbrechen“, rechnet der studierte Mathematiker vor. „Obwohl es mir nie um die Quantität, sondern eher um die Qualität, also den künstlerischen Anspruch, gegangen ist.“

Dieser ist auch für die zweite Amphitheater-Halbzeit gesichert. Für Heinz Rudolf Kunze (2. August), Jan Josef Liefers (15. August), den Landwirt, dessen Gurke wächst (12. und 13. August) und den Zapfenstreich (8. September) sind die Plätze im Rundtheater schon so gut wie ausgebucht. Auch für die „17 Hippies“ (27. Juli), Purple Schulz (16. August), Ingo Appelt (17. August), Keimzeit (6. September), die Dresdner „Medlz“ (10. August) ist die Nachfrage groß. Ebenso beliebt sind die musikalischen Programme, in denen Bands große Musik professionell hochwertig covern, wie die von Abba (25. Juli), Johnny Cash (26. Juli), Phil Collins (1. August), Joe Cocker (2. August) oder Rolling Stones (7. September).

Ein ganz besonderer Abend verspricht auch „Count Basie meets Frank Sinatra“ am 18. August zu werden. Da werden als Teil der Brandenburgischen Sommerkonzerte 2019 Marc Secara und die BigBand der Deutschen Oper Berlin am Senftenberger See zu Gast sein. Dazu kommen Abende mit Schlagern oder Kabarett, Kinderprogramme und einiges andere mehr – natürlich auch zwei weitere Vorstellungen der aktuellen Neue-Bühne-Eigenproduktion „Die Dreigroschenoper“ (22. und 23. August).

Zu diesem Zeitpunkt kann sich Andreas Stanicki schon etwas zurücklehnen. Er hat dann die Verantwortung an seinen Nachfolger Tom Fehrmann abgegeben, wird ihn aber noch bis Saisonende unterstützen. Dieser hat wie sein Vorgänger auch jetzt schon Gäste für die nächste Amphitheatersaion in der Tasche. „Zum Kindertag wird am 2. Juni 2020 eine Pippi Langstrumpf-Inszenierung des Theaters Poetenpack zu erleben sein“, verrät er. „Ebenfalls im Juni 2020 werden wir das Comedyschwergewicht Torsten Sträter begrüßen dürfen. Musikalisch werden die „Brothers in Arms“ mit den Hits der Dire Straits am Seeufer twisten. Und mit NightWash wird es ein Format für die Freunde von Stand-up-Comedy geben“, verspricht der „Neue“ weitere Ideen umzusetzen und Bewährtes fortzuführen.

 „Sag beim Abschied leise Servus“ hat der langjährige organisatorische Leiter des Amphitheaters, Andreas Stanicki (4.v.r.), nach zwölf Jahren im Amt nun am Sonntag im Rahmen eines Wiener Operetten-Abends auch für sein Publikum gesungen.
„Sag beim Abschied leise Servus“ hat der langjährige organisatorische Leiter des Amphitheaters, Andreas Stanicki (4.v.r.), nach zwölf Jahren im Amt nun am Sonntag im Rahmen eines Wiener Operetten-Abends auch für sein Publikum gesungen. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE