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| 11:42 Uhr

Gesundheitsspeicher
Retter sind jetzt schneller beim Patienten

 Symbolische Schlüsselübergabe für die neue Rettungswache. Klinikum-Niederlausitz-Geschäftsführer Uwe Böttcher überreicht das Schließgerät an René Märten (l.) und René Perschnick (r.), dem Führungsteam der Wache.
Symbolische Schlüsselübergabe für die neue Rettungswache. Klinikum-Niederlausitz-Geschäftsführer Uwe Böttcher überreicht das Schließgerät an René Märten (l.) und René Perschnick (r.), dem Führungsteam der Wache. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Senftenberg. Anfang Juni geht die neue Rettungswache in Senftenberg in Betrieb. 33 Retter ziehen in den Gesundheitsspeicher ein. Von Torsten Richter-Zippack

Die Bilanz für das Jahr 2018 ist beeindruckend: 4500 Mal sind die Rettungswagen aus der Senftenberger Rettungswache ausgerückt. Es gab 1800 Notarzteinsätze sowie mehr als 200 Krankentransporte. 33 Retter waren an 365 Tagen in Bereitschaft. Allerdings präsentierten sich die räumlichen Bedingungen nicht mehr zeitgemäß. „Und das ist noch positiv ausgedrückt“, weiß Landrat Siegurd Heinze (parteilos). Der OSL-Kreis ist Träger des Rettungsdienstes zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen.

Doch ab Anfang Juni wird alles anders. Denn dann beziehen die Retter ihre neue Wache im Gesundheitsspeicher an der Ecke Calauer Straße/Spremberger Straße, unmittelbar gegenüber dem Klinikum Niederlausitz. Neben den neuen Räumlichkeiten gibt es einen weiteren großen Vorteil: „Wir werden dann noch schneller bei den Patienten sein“, erklärt René Märten, Leiter der Senftenberger Rettungswache. Dank des speziellen Zuschnitts der Einrichtung seien die Retter jetzt sofort bei den Fahrzeugen. Laut Gesetz müssen sie spätestens nach 15 Minuten beim Patienten sein. Jetzt gehe das noch wesentlich schneller. Schließlich entscheiden manchmal wenige Minuten über Leben und Tod.

 Im neuen Lehrraum der Rettungswache gibt es sogar sprechende Ausbildungspuppen.
Im neuen Lehrraum der Rettungswache gibt es sogar sprechende Ausbildungspuppen. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Der Umzug von der alten in die neue Rettungswache läuft bereits. Seit Anfang 2018 wird die frühere Getreide- und Leinölmühle sowie spätere Brotfabrik zum Gesundheitsspeicher umgebaut. Als Bauherr fungiert das Gesundheitszentrum Niederlausitz, Betreiberin ist die Klinikum Niederlausitz GmbH.

„Wir investieren rund 6,5 Millionen Euro, davon 2,3 Millionen in die neue Rettungswache im Erdgeschoss“, rechnet Uwe Böttcheer, Geschäftsführer des Klinikums Niederlausitz und des Gesundheitszentrums Niederlausitz, vor. Ursprünglich sollte das Vorhaben 5,5 Millionen Euro kosten. „Doch durch verschiedene Probleme hat sich der Bau verteuert. Wir haben beim Ausbau des historischen Gebäudes unter anderem ein alten Gleis, zuvor nicht bekannte Gruben sowie eingemauerte Tresore, allerdings ohne Inhalt, gefunden“, sagt Uwe Böttcher. Dadurch habe sich der Bau verteuert und etwas in die Länge gezogen. Ursprünglich sollte die Rettungswache bereits im April in Betrieb gehen.

 Die originale Klinkerfassade des Speichers wird an der Westseite auf Dauer erhalten bleiben.
Die originale Klinkerfassade des Speichers wird an der Westseite auf Dauer erhalten bleiben. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Dafür haben die Retter auf 730 Quadratmetern Nutzfläche jetzt modernste Bedingungen. Neben der großen Fahrzeughalle, die Platz für insgesamt sechs Autos bietet, gibt es mehrere Ruheräume, einen Aufenthaltsbereich sowie einen Lehrraum. Technisches Herzstück bildet indes das 84- kW starke Notstromaggregat. „Innerhalb von zehn Sekunden haben wir im Notfall wieder Spannung“, erklärt René Märten. „Wir sind also immer betriebsbereit.“

Indes gehen auch die übrigen Bereiche des Gesundheitsspeichers ins Baufinale. Laut Uwe Böttcher soll im Oktober alles vollendet sein. Bereits im Juni öffnet eine Filiale des Sanitätshauses Kröger seine Filiale. Derzeit werden noch die entsprechenden Parkplätze hergerichtet. Außerdem findet die Verwaltung des Klinikums im Gesundheitsspeicher eine neue Heimstätte. Die dann frei werdenden Räumlichkeiten sollen künftig für eine psychosomatische Tagesklinik und eine psychosomatische Ambulanz genutzt werden.

Der Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) ist froh, dass ein weiteres stadtbildprägendes Gebäude in eine neue Nutzung übergeht. Zudem gebe es zwischen Stadt und Klinikum Ideen für weitere Projekte rund um das Klinikum. Uwe Böttcher verweist etwa auf die angespannte Parksituation, die entschärft werden soll.

Der Geschäftsführer verteidigt indes die neue Außenfassade des Gesundheitsspeichers. Drei der vier Seiten sind jetzt mit hellen Dämmstoffen umgeben, lediglich die Westseite zur Calauer Straße präsentiert sich noch in der originalen Klinkerfassade. Besonders in den sozialen Medien hatte es daran einige Kritik gegeben. „Die alte Fassade ist bereits in den 1990er-Jahren an manchen Stellen ausgebessert worden. Hätten wir sie durchweg erhalten wollen, wäre das Projekt um mindestens eine Million Euro teurer geworden.“ Böttcher kündigt an, dass die Klinker an der Calauer Straße dauerhaft sichtbar erhalten bleiben.