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| 16:24 Uhr

Universität
Lieber Technik als Medizin

 In Senftenberg könnten künftig auch angehende Mediziner ausgebildet werden.
In Senftenberg könnten künftig auch angehende Mediziner ausgebildet werden. FOTO: BTU Cottbus-Senftenberg
Senftenberg. Senftenberger Abgeordnete setzen an der BTU auf die technischen Studiengänge. Doch der Medizin wollen sie sich nicht verschließen. Bürgermeister Fredrich verhandelt bereits. Von Torsten Richter-Zippack

Medizinerausbildung in der Seestadt ja, aber nicht auf Kosten technischer Studiengänge: Das ist die überwiegende Meinung der Senftenberger Stadtverordneten. Sie sprechen sich für die Initiative der Brandenburger Landesregierung aus, einen Teil der medizinischen Hochschulausbildung an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) anzusiedeln. Möglichst weite Teile sollen davon in Senftenberg heimisch werden. So steht es in einem Antrag der CDU/FDP-Fraktion. Ab dem Studienjahr 2023/2024 könnte demnach die Medizinerausbildung an der BTU starten. „Ein großer Teil der dafür benötigten Infrastruktur ist bereits vorhanden“, sagt der CDU-Stadtverordnete Andreas Pfeiffer.

„Der medizinische Aspekt ist wirklich eine gute Idee“, kommentiert der ausgeschiedene Stadtverordnete Prof. Peter Biegel (SPD), der an der BTU Maschinenbau lehrt. „Aber Senftenberg ist dafür zu klein. Wir brauchen die technischen Studiengänge. Hunderte Absolventen leben in unserer Stadt und entwickeln diese weiter.“ Ohnehin hatten die Abgeordneten in den vergangen 30 Jahren dafür gekämpft, dass diese Studiengänge nicht von Senftenberg nach Cottbus verlagert werden. Biegel betont, dass schon deshalb eine schützende Hand auf die Universität gelegt werden müsse.

Ins gleiche Horn stößt auch Norbert Philipp (Wir für Senftenberg/Grüne): „Die technischen Richtungen dürfen nicht nach Cottbus abgezogen werden. Denn wir haben die Betriebe, die im Hinterland der BTU stehen und von den Absolventen profitieren.“

Nach Angaben von BTU-Sprecherin Susett Tanneberger sind keine Studiengänge der Hochschule von der Schwarzen Elster an die Spree verlagert worden. Es gebe auch keine entsprechenden Pläne. Insgesamt studieren an der Brandenburgischen Technischen Universität derzeit 7276 Menschen, davon 1196 in Senftenberg.

Die Medizinerausbildung hingegen wäre für Senftenberg komplettes Neuland. Die mögliche Ansiedlung böte eine historische Chance, vom Strukturwandel nachhaltig zu profitieren, heißt es im Antrag der CDU/FDP-Fraktion weiter. Die entsprechende Vorlage ist von den Stadtverordneten mit großer Mehrheit beschlossen worden. Die Kommunalpolitiker setzen nicht zuletzt darauf, dass sich die frischgebackenen Mediziner in Senftenberg langfristig niederlassen. Letztlich könne so dem grassierenden Problem des Ärztemangels in ländlichen Gegenden begegnet werden. Zudem seien schon heute in Senftenberg die Studien der Pflege- und Therapiewissenschaft, der Biochemie sowie der Medizintechnik möglich.

Nach Angaben von Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) hatte es bereits im Juli ein persönliches Gespräch zwischen ihm und der amtierenden BTU-Präsidentin Prof. Christiane Hipp sowie der Leiterin des BTU-Standortes Senftenberg, Prof. Katrin Salchert, gegeben. Fredrich forderte dabei ein, dass die Vorklinik in Gänze auf den heimischen Campus kommen müsse. Die Vorklinik beinhaltet die theoretische Ausbildung der Medizinstudenten. Der praktische Teil solle im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum vollzogen werden.

Darüber hinaus werden mittelfristig die beiden BTU-Standorte Senftenberg und Cottbus intensiver miteinander verbunden. Denn die Bahn will ab Ende 2022 den Takt zwischen beiden Städten verdichten. Ziel sei, dass jede halbe Stunde ein Zuge zwischen Cottbus und Senftenberg verkehrt.

 In Senftenberg könnten künftig auch angehende Mediziner ausgebildet werden.
In Senftenberg könnten künftig auch angehende Mediziner ausgebildet werden. FOTO: BTU Cottbus-Senftenberg