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| 19:58 Uhr

Bahnverbindung
Seenland-Express bleibt weiter ein Traum

 Die Einbindung privater saisonaler Wochenendverkehre von Finsterwalde zum Besucherbergwerk F 60 im regulären VBB-Tarif sind im Infrastrukturministerium noch nicht vom Tisch.
Die Einbindung privater saisonaler Wochenendverkehre von Finsterwalde zum Besucherbergwerk F 60 im regulären VBB-Tarif sind im Infrastrukturministerium noch nicht vom Tisch. FOTO: LR / Gabi Böttcher
Finsterwalde/Senftenberg. Eine Direktverbindung per Bahn von Berlin über Finsterwalde nach Senftenberg wäre zwar wünschenswert, ist aber logistisch nicht machbar, sagt das Ministerium. Von Torsten Richter-Zippack

Mehr als 60 000 Besucher jährlich zählt das Besucherbergwerk F 60 in Lichterfeld. Damit gehört die umgebaute Abraumförderbrücke zu den gefragtesten Attraktionen im Lausitzer Seenland. Allerdings könnten es durchaus noch mehr Gäste sein. Die nicht ganz einfache Erreichbarkeit der F 60 mittels öffentlicher Verkehrsmittel (ÖPNV) macht diesem Wunsch jedoch einen Strich durch die Rechnung. Das sagt Karsten Feucht, Manager für das Inkula-Projekt, das sich mit der Infrastruktur rund um Industriekultur im Lausitzer Seenland befasst. Im Rahmen dieses Vorhabens sind sechs Standorte der einstigen Internationalen Bauausstellung (IBA) „Fürst-Pückler-Land“ unter die Lupe genommen worden. Herausgekommen ist ein Konzept, nach dem mit geringem Aufwand die Attraktivität der Objekte erhöht werden soll.

„Der ÖPNV muss deutlich verbessert werden“, fordert Feucht. Konkret regt der Experte eine direkte Bahnverbindung von der Berliner Stadtmitte über Finsterwalde und Großräschen nach Senftenberg an. Karsten Feucht spricht dabei vom „Berlin-Brandenburg-Seenland-Express“. Ideal wäre eine Fahrzeit von rund einer Stunde vom Alexanderplatz bis zur F 60.

„Etwa vier Fünftel der Berliner besitzen kein Auto. Untersuchungen haben ergeben, dass die Leute direkte Bahnverbindungen bevorzugen. Gibt es dabei einen Umstieg, geht bereits ein Viertel der Kunden verloren.“ Wer derzeit von der Haupt- in die Sängerstadt möchte, muss entweder in Cottbus oder in Doberlug-Kirchhain umsteigen.

 Knapp zwei Stunden dauert eine Fahrt von Berlin nach Senftenberg. Viel zu lange, bemängeln Lausitzer Touristiker.
Knapp zwei Stunden dauert eine Fahrt von Berlin nach Senftenberg. Viel zu lange, bemängeln Lausitzer Touristiker. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE

Daher sei es mehr als überlegenswert, einen Seenland-Express zu starten, der während der Saison an sieben Tagen in der Woche möglichst stündlich verkehrt. Aktuell dauert es einfach  zu lange, bis die Berliner per Bahn im Seenland sind. Das gelte auch für Senftenberg, obwohl es von dort eine direkte Verbindung nach Berlin zu den Bahnhöfen Schöneweide, Ostkreuz und Lichtenberg gibt. Die zentralen Bahnhöfe in der Mitte und im Westen der Hauptstadt sind so nicht direkt erreichbar. „Zwei Stunden Reisezeit gehen einfach nicht“, bringt Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, die Problematik auf den Punkt.

Ins gleiche Horn stößt auch Bergwerksdirektor und Amtsdirektor (Kleine Elster/Niederlausitz), Gottfried Richter. „Wir müssen mehr Wachstum organisieren. Das funktioniert nur mit einem besseren Nah- und Regionalverkehr.“ Es geht darum, möglichst viele Berliner und Dresdner für unsere Region zu begeistern und vor Ort zu befördern.“

Das für den ÖPNV zuständige Infrastrukturministerium ist dabei nicht untätig geblieben. „Noch in diesem Jahr wird die neue Intercity-Linie 17 gestartet, die zweistündig in Elsterwerda und Doberlug-Kirchhain halten wird und die Region mit Berlin, Rostock und Dresden verbindet. Dafür können die Tickets des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) genutzt werden“, kündigt Steffen Streu vom Ministerium an. Und ab Dezember 2022 werde Finsterwalde mit fünf Zugpaaren morgens und nachmittags an Berlin angebunden. Dabei handele es sich um den neuen RE 8.

„Wir haben geprüft, ob wir diese Verbindung über Finsterwalde hinaus über Calau und Großrä­schen nach Senftenberg verlängern können“, erklärt Streu. „Auf dieser Strecke kommt es allerdings zu Konflikten mit anderen Linien, die dort unterwegs sind. Deshalb kann die Verlängerung des RE 8 nicht umgesetzt werden.“

Das Ministerium kündigt aber an, die Region bei der weiteren touristischen Entwicklung unterstützen zu wollen. Zur Betriebsaufnahme des neuen Netzes Elbe-Spree ab Ende 2022 werde geprüft, ob der RE 8 auch an den Wochenenden verkehren kann. Nicht zuletzt sei eine Diskussion über die Einbindung privater saisonaler Wochenendverkehre von Finsterwalde zum Besucherbergwerk F 60 im regulären VBB-Tarif in der Diskussion.

Mehr noch: Das Ministerium ist darüber hinaus bereit, weitere Maßnahmen zu unterstützen.  „Zu prüfen wären beispielsweise saisonale einzelne Zugverbindungen bis Senftenberg oder Plus-Bus-Verbindungen zwischen Senftenberg und Finsterwalde“, sagt Steffen Streu.