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| 13:53 Uhr

Probleme der Lausitzer Bauern
Landwirte in Existenzsorge

 Thomas Domin (l.) zeigt anderen Landwirten, Kreistagsabgeordneten, dem Vorstand des Südbrandenburger Bauernverbandes und dem Landrat die Schutzpflanzungen auf seinen Feldern.
Thomas Domin (l.) zeigt anderen Landwirten, Kreistagsabgeordneten, dem Vorstand des Südbrandenburger Bauernverbandes und dem Landrat die Schutzpflanzungen auf seinen Feldern. FOTO: Kupfer Renate / Rudolf Kupfer
Senftenberg. Die extreme Trockenheit, steigende Pacht- und Bodenpreise und immer wieder Wildschäden: Die Bauern der Lausitz stehen vor einem Bündel von Problemen und suchen nach Lösungen. Von Rudolf Kupfer

Die enormen Ernteausfälle in den beiden zurückliegenden Jahren bringen die Landwirte in der Region zunehmend in eine existenzbedrohende Lage. „Deshalb ist es besonders wichtig, gemeinsam nach Lösungen und Wegen für die weitere Entwicklung der Landwirtschaft zu suchen“, so der Vorsitzende des Bauernverbandes Südbrandenburg, Thomas Goebel. Unter diesem Vorzeichen fand jetzt das jährliche Treffen mit Landrat Siegurd Heinze (parteilos) im Landwirtschaftsbetrieb von Thomas Domin in Peickwitz statt. Durch die Mitwirkung im Forschungsprojekt der BTU Cottbus-Senftenberg „Aufwerten-Agrarforstsysteme“ hat dieser Betrieb in den letzten Monaten bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

Allein schon optisch wirken die im Rahmen dieses Vorhabens angelegten Schutzstreifen beim Betriebsrundgang wie grüne Oasen in einer ausgetrockneten Landschaft. Das nun beendete fünfjährige Projekt hat wichtige Ergebnisse gebracht, aber auch neue Fragen aufgeworfen und sollte deshalb weitergeführt werden, so Domin.

Zu den ungelösten Problemen gehört etwa der Absatz der hier anfallenden Hackschnitzel. Es gibt derzeit noch keinen Markt dafür. Unbefriedigend seien auf diesen Flächen die Erträge bei Silomais mit 70 Dezitonnen je Hektar. Damit könne die betriebliche Biogasanlage nicht ausreichend versorgt werden und rentabel arbeiten. Deshalb wird sie nun aus der Produktion genommen, so Landwirt Thomas Domin.

Beispielhaft ist die Zusammenarbeit des Landwirtschaftsbetriebes mit der Gemeinde über viele Jahre, stellt der Peickwitzer Ortsvorsteher Ingo Amsel fest. Alles, was hier produziert werde, bleibe in der Region. Für Amsel ist das eine beispielhafte Kreislaufwirtschaft, die auch Arbeitsplätze im Dorf schafft.

Steigende Pacht- und Bodenpreise sind für Domin eine weitere Belastung geworden. Er und viele weitere Landwirte stellen in diesem Zusammenhang die Forderung „Ackerland in Bauernhand.“ Thomas Goebel sieht das als eine entscheidende Voraussetzung für die gedeihliche Entwicklung des ländlichen Raumes. Gesetzliche Regelungen, die das gewährleisten, „fehlen leider“ bisher.

Große Sorgen bereiten dem Vorstandsmitglied des Bauernverbandes und Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Großräschen Mario Weber die Schäden, die das Schwarzwild anrichtet. Zu den Ertragsausfällen in diesem Jahr durch die Trockenheit kommen auf der Anbaufläche von 200 Hektar Mais etwa 30 Prozent Wildschaden noch hinzu.

Gesperrte Kippenflächen als
Rückzugsgebiete für das Schwarzwild stellen Behörden, Anlieger und Landwirte vor scheinbar unlösbare Probleme auch in den nächsten Jahren. Allein die vom Landkreis gezahlte Abschussprämie und ein flächendeckendes Netz für die Abnahme von Proben zur veterinärmedizinischen Untersuchung können das Problem nicht lösen, so das Fazit.

Antwort auf diese und die anderen aufgeworfenen Fragen der Lausitzer Landwirte bei diesem Treffen in Peickwitz soll es im kommenden Jahr auf dieser Ebene geben. Einig waren sich die Teilnehmer darüber, dass im Jahr 2020 ein kreisliches Erntefest vorbereitet und durchgeführt werden sollte. In diesem Rahmen wäre es das erste nach der Wende 1989. Es soll Anerkennung und gleichzeitig Werbung für diesen für Mensch und Natur wichtigen Berufszweig sein.