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| 16:00 Uhr

Stammzellspender in Senftenberg gesucht
Senftenberg kämpft für Baby Katharina

Olga Termer, Irina Schmidt, Birgit und René Heilemann haben in den vergangenen Wochen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um für die kleine Katharina eine Typisierungsaktion in Senftenberg zu organisieren. Auch für die Tombola haben sie unglaublich viel Unterstützung erfahren.
Olga Termer, Irina Schmidt, Birgit und René Heilemann haben in den vergangenen Wochen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um für die kleine Katharina eine Typisierungsaktion in Senftenberg zu organisieren. Auch für die Tombola haben sie unglaublich viel Unterstützung erfahren. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Stammzellspender dringend gesucht: Für die sieben Monate alte Katharina gibt es am Sonnabend eine große Spendenaktion. Nachbarn, Freunde, Verwandte und 100 Helfer wollen ein einmaliges Zeichen der Solidarität setzen. Von Andrea Budich

Eine Hilfsaktion, die von 100 ehrenamtlichen Helfern innerhalb von nur vier Wochen buchstäblich aus dem Nichts aus dem Boden gestampft wird, für die Nachbarn Urlaub nehmen und die von so vielen Vereinen, Einrichtungen, Fitnessstudios, Verbänden und Firmen unterstützt wird, hat es so in Senftenberg noch nicht gegeben.

Senftenberg rückt an diesem Samstag für die sieben Monate alte Katharina eng zusammen und will ein starkes Zeichen der Solidarität setzen.

Mit einer so großen Welle der Hilfsbereitschaft haben die Eltern des kranken Mädchens nicht gerechnet, als sie am 16. November niedergeschmettert von der lebensbedrohlichen Diagnose bei Nachbarin Birgit Heilemann in der Senftenberger Radojewskistraße anklopften und um Hilfe für ihre kleine Prinzessin baten.

Nach sechseinhalb Wochen im  Krankenhaus in der Uniklinik Dresden stand damals fest, dass die kleine Katharina an Septischer Granulomatose, einer lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems, leidet. Den Gendefekt hatte Mutter Anastasia (34) schon an Sohn Daniel vererbt. Als Zweijähriger daran erkrankt, konnte damals der große Bruder Andreas (heute 8 Jahre) Stammzellen spenden.

Dass sich das Schicksal so erbarmungslos wiederholt, macht die fünfköpfige Familie sprachlos. Mutter Anastasia war vor knapp 20 Jahren aus Krasnojarsk in Sibirien mit ihren Eltern nach Senftenberg gezogen. In der neuen Heimat lernt sie ihren Mann Alexander kennen. Sie heiraten, bauen ein Häuschen in der Radojewskistraße und bekommen ihre drei Kinder Andreas, Daniel und schließlich Nesthäkchen Katharina. „Dass unser Baby eine so schwere, lebensbedrohliche Krankheit hat, ist für uns kaum auszuhalten“, sagt die dreifache Mutter mit zitternder Stimme.

Ihr erschütternder Hilferuf zündet in der Nachbarschaft, die sofort geschlossen zur Stelle ist. „Wir haben  da nicht lange überlegt, wir haben einfach gemacht“, sagt Birgit Heilemann, die zwei Häuser weiter wohnt. Sie trommelt noch am selben Tag  einen ersten Helferstamm zusammen. Zum Organisations-Team, das eng mit der DKMS zusammenarbeitet, gehören inzwischen zwölf Mitstreiter aus der Nachbarschaft, Freunden und der Familie.

Zusammen haben sie in den vergangenen  vier Wochen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dem schwer kranken Baby zu helfen. Sie verteilen Spendendosen, Flugblätter und Flyer, organisieren Räume, sammeln Spenden und Sachpreise für die Tombola und begeistern knapp 100 freiwillige Helfer für die große Typisierungsaktion am Samstag.

„Wir haben unglaublich viel Unterstützung erfahren“, sagt Irina Schmidt. Die junge Frau hat in Senftenberg und Umgebung so viele Türen abgeklappert, dass am Ende mehr als 500 Sachspenden zusammen gekommen sind. „Jeder hat etwas gegeben“, erzählt sie von einer Welle der Solidarität, die zum Finale hin immer größer wird. Das Spielzeug, die Gutscheine und Präsente werden am Samstag bei der großen Tombola verlost.

Die lange Helferliste wird akribisch von Schwägerin Olga Termer geführt. Die Helfer fliegen aus fast allen Himmelsrichtungen am Samstag  nach Senftenberg ein. Sie kommen aus Schipkau, Großräschen, Lauchhammer , Cottbus, aus Sachsen, Berlin, Ulm und Kassel. Jeder von ihnen übernimmt bei der Typisierungsaktion einen festen Job, damit möglichst viele Menschen zum Lebensretter werden können. „Wir erwarten bis zu 1500 Teilnehmer“, zeigt sich Birgit Heilemann für einen großen Ansturm gerüstet. Es gibt Senftenberger Firmen und Einrichtungen, die gleich mit ganzen Teams anrücken, um sich typisieren zu lassen. Zusätzlich spenden die Firmenchefs oft auch noch die Kosten für die Typisierung, die für die Teilnehmer natürlich kostenfrei ist.

„Wir haben versucht, die Herzen zu berühren“, hofft jetzt das Organisationsteam auf möglichst viele potentielle Lebensretter am Samstag. Sie selbst werden schon ab 7 Uhr auf den Beinen sein, damit alles reibungslos klappt.

Katharinas Eltern, Mutter Anastasia und Vater Alexander, wollen sich am Samstag selbst ein Bild von der großen Hilfsbereitschaft der Senftenberger machen und bei der Registrierungsaktion mit vor Ort sein. Im Herzen haben sie dabei nur eine einzige große Bitte: „Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als unser Nesthäkchen aufwachsen zu sehen!“ Erst sieben Monate alt, soll ihre süße Katharina die Zeit geschenkt bekommen,  krabbeln, laufen und sprechen zu lernen und auch den ersten Zahn zu bekommen.

Die kleine Katharina kann nur mit einem passenden Stammzellspender überleben.
Die kleine Katharina kann nur mit einem passenden Stammzellspender überleben. FOTO: Annika Schirmacher / DKMS