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| 01:42 Uhr

Senftenberg ist Nord-Süd-geteilt

Die unsichtbare Grenze zwischen Nieder- und Oberlausitz verläuft heute auch durch den Senftenberger See. Foto: T. Richter/trt1
Die unsichtbare Grenze zwischen Nieder- und Oberlausitz verläuft heute auch durch den Senftenberger See. Foto: T. Richter/trt1 FOTO: T. Richter/trt1
Senftenberg. Durch Senftenberg verläuft eine unsichtbare Grenze. Denn mitten im Stadtgebiet treffen die beiden Lausitzen aufeinander. Während die Kernstadt, Brieske, Sedlitz sowie Groß- und Kleinkoschen zur Niederlausitz gezählt werden, befinden sich Niemtsch, Peickwitz und Hosena bereits in der Oberlausitz. Torsten Richter trt1



Im Unterschied zu Berlin verläuft die Senftenberger Grenze nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen Nord und Süd. Die Stadtfläche nördlich der Schwarzen Elster wird zur Niederlausitz, das kommunale Gebiet südlich des Flusses zur Oberlausitz gerechnet.

Im Gegensatz zur einstigen Berliner Mauer ist die Trennlinie, die durch die Kreisstadt verläuft, keine politische Grenze mehr, sondern eine historisch bedingte. Denn zwischen den Jahren 1815 und 1952 grenzten an der Schwarzen Elster der brandenburgische Kreis Calau, zu dem die Kernstadt Senftenberg gehörte, und der schlesische, später sächsische Kreis Hoyerswerda aneinander. Somit waren neben Senftenberg die heutigen Ortsteile Brieske, Sedlitz sowie Groß- und Kleinkoschen brandenburgisch, Niemtsch, Peickwitz und Hosena dagegen schlesisch, ab 1945 sächsisch.

Laut historischen Landkarten bildete die Schwarze Elster im Raum Senftenberg aber nicht direkt die Kreis, Landes- und innere Lausitzgrenze. Diese verlief ein paar hundert Meter weiter südlich des Flusses. So zeigt es beispielsweise die "Karte des Kreises Hoyerswerda und Umgebung" aus dem Verlag C. Ziehlke in Liebenwerda. Das Werk stammt aus der Zeit um das Jahr 1920.

Die Oberlausitz beginnt demnach unmittelbar am nördlichen Ortseingang von Niemtsch. Die Grenze verläuft dann in nordöstlicher Richtung parallel zur Schwarzen Elster und knickt in Höhe Buchwalde abrupt nach Süden ab. Dann zieht sich die Trennlinie durch das frühere Niemtscher Teichgebiet zur ehemaligen Bahnlinie Senftenberg - Hosena. Ganz hart an der Grenze, bereits auf Oberlausitzer Seite, befindet sich die Hosenaer Kobold-Mühle. Auch die nahe Pluto-Mühle ist oberlausitzisch, ebenso die Bär-Mühle. Das Dörfchen Lauta gehörte dagegen zum Kreis Calau in der Niederlausitz, genauso wie die Siedlung Lautawerk, die heutige Stadt Lauta.

Seit rund vier Jahrzehnten verläuft die Grenze zwischen Nieder- und Oberlausitz im Senftenberger Raum quer durch den Senftenberger See. So baden die Menschen am Großkoschener Strand in der Niederlausitz, die Leute an der Peickwitzer Südsee sowie in Niemtsch jedoch in der Oberlausitz.

Zu DDR-Zeiten geriet durch die Bildung des Kreises Senftenberg die alte Grenze zwischen den Lausitzen ins Hintertreffen. Nach der politischen Wende trat eine Rückbesinnung auf die traditionellen Verhältnisse ein. Bekanntestes Beispiel dürfte das Wappen des Landkreises Oberspreewald-Lausitz sein. Dieses zeigt nämlich in der oberen Hälfte den roten Niederlausitzer Stier, im unteren Bereich hingegen die gelbe dreigezinnte Mauer mit dem Löwen auf blauem Grund. Blau und Gelb gelten als die Farben der Oberlausitz.

Senftenberg ist heute die einzige Stadt der Lausitz, die sich sowohl in der Nieder- als auch in der Oberlausitz erstreckt. Vielleicht wird dieses historisch bedingte Alleinstellungsmerkmal in Zukunft einmal von örtlichen Marketingexperten und Touristikern erkannt und genutzt.