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| 19:31 Uhr

Einzelhandel
Senftenberg ist echte Einkaufsstadt

Der Einzelhandel soll auf die City konzentriert werden. Deren Grenzen werden heiß diskutiert. Von Torsten Richter-Zippack

Die Seestadt wird von ihren Einwohnern und den Menschen aus der näheren Umgebung durchaus als echte Einkaufsstadt wahrgenommen. So kaufen 99 Prozent der Senftenberger ihre Lebensmittel vor Ort. Und 82 Prozent der Umländer fahren zum Einkaufen in die Stadt. Diese Ergebnisse hat eine Telefonumfrage der Cima Beratung + Management GmbH aus Lübeck im Auftrag der Senftenberger Stadtverwaltung ergeben. Laut Projektleiterin Julia Lemke wurden dafür 200 Einwohner befragt, darüber hinaus 100 Menschen aus dem Altkreis. „Dieses Ergebnis ist auf die Einwohnerzahl von gut 25 000 Personen zwar nicht repräsentativ, aber wir bekommen einen aussagekräftigen Schnitt über das Einkaufsverhalten in der Region“, begründet die Fachfrau. Die Cima erarbeitet für die Seestadt ein neues Einzelhandelskonzept, das jetzt öffentlich präsentiert worden ist.

Zwischen den einzelnen Branchen existieren erhebliche Unterschiede. Die stärkste Bindung der Kaufkraft werde, so hat Julia Lemke ermittelt, im Bereich der Optik erreicht. 72 Prozent der Befragten nutzen dabei Senftenberg zum Einkauf. Eher schwach präsentieren sich dagegen Heimtextilien, preiswerte Uhren und Schmuck sowie Spielwaren und Möbel. „Die Menschen vermissen vor allem Angebote für Bekleidung und Wäsche. Ebenso fehlen Gastronomie, Freizeitangebote sowie Baumarktartikel“, erklärt Lemke. Um welche Angebote es sich allerdings genau handelt, kann die Expertin nicht sagen. „Mich würde mal die Gastronomie interessieren“, fragt der sachkundige Einwohner Frank Weidner nach. „Denn in Senftenberg gibt es viel zu viele Dönerläden.“

In der Seestadt sind aktuell 192 Einzelhandelsunternehmen mit fast 45 000 Quadratmetern Verkaufsfläche angesiedelt. Pro Jahr wird ein Umsatz von 144,3 Millionen Euro erzielt, mit Umland sogar 278 Millionen Euro. „In Ihre Stadt fließt Kaufkraft von außen hinein. Das ist positiv“, resümiert Julia Lemke. Zum Vergleich: Die Nachbarstadt Spremberg bringt es auf 212 Einzelhändler mit einem Gesamtjahresumsatz von knapp 111 Millionen Euro. Die Spreestadt gibt Kaufkraft nach außen ab. Sie fließt hauptsächlich nach Cottbus und Hoyerswerda.

Für Senftenberg empfiehlt die Cima im neuen Einzelhandelskonzept eine Fokussierung auf drei Bereiche. Das sind zum einen das Stadtzentrum, sprich die Altstadt, zum anderen die Bahnhof­straße und zum Dritten die Passage am See, wobei letztere ausschließlich der Nahversorgung dient. Damit können die Abgeordneten mitgehen, nicht aber mit den Grenzen für den Innenstadtbereich. „Der ist viel zu eng gefasst. Denn sowohl der Netto hinter der alten Realschule als auch der Expert-Markt gehören mit zur City“, moniert beispielsweise Altbürgermeister Klaus-Jürgen Graßhoff (CDU). „Welche Ambitionen sollte ein Investor haben, wenn sich unmittelbar hinter dem Schlossparkcenter eine rote Linie befindet, am Hafen zu investieren?“, fragt der Stadtverordnete. Und Arnd Kaiser (Wir für Senftenberg) fordert ebenfalls die Integration des Stadthafens in die City. „Da soll ja erst entsprechendes Gewerbe entstehen“, begründet der Sedlitzer.

Carsten Henkel, Leiter des Bereiches Stadtentwicklung und Bauen im Senftenberger Rathaus, hat mit der Abtrennung von Netto und Expert indes kein Problem: „Die meisten Leute, die dort hin möchten, reisen mit dem Auto an, gehen in die Geschäfte und fahren wieder ab. Keiner von denen geht noch bis zum Markt.“

Für Jan Przybilski (SPD) ist das neue Einzelhandelskonzept nichts als „heiße Luft“. Die Einzelhändler hätten keine Handhabe gegen die großen Märkte und Ketten. Dem widerspricht Julia Lemke: „Entsprechende Beschränkungen können über die Bauleitplanung integriert werden“, begründet die Expertin. Dadurch entstehe Investitionssicherheit in der Innenstadt. Ziel sei, vorhandenes Gewerbe im gesamten Stadtgebiet zu schützen und zu stärken. Mehr noch: Bei Neuansiedlungen solle genau hingeschaut werden. Sei bereits in der Altstadt ein bestimmtes Gewerbe vertreten, könne sich kein weiteres in den Außenbereichen ansiedeln.