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| 06:49 Uhr

Steinbruch am Senftenberger See
ICE rast auf Koschener Grauwacke

 Blick auf den Großkoschener Steinbruch. Dessen Vorräte reichen noch bis ans Ende des 21. Jahrhunderts.
Blick auf den Großkoschener Steinbruch. Dessen Vorräte reichen noch bis ans Ende des 21. Jahrhunderts. FOTO: Basalt AG Großkoschen
Großkoschen. Das Hartgestein vom Koschenberg am Senftenberger See ist überregional gefragt. Das Material dient nicht nur im Straßenbau, sondern hält ICE-Züge sicher auf den Gleisen. Von Torsten Richter-Zippack

40 000 Fernzüge mit 15,5 Millionen Passagieren pro Jahr, Reisegeschwindigkeiten bis 280 Kilometer je Stunde: Die ICE-Strecke zwischen Hannover und Würzburg gehört zu den am meisten frequentierten Bahntrassen Deutschlands. Doch ab 11. Juni rollt für ein halbes Jahr kein Intercity-Express mehr über den knapp 100 Kilometer langen Abschnitt zwischen Hannover und Göttingen. Der Grund: Die Strecke wird komplett erneuert. Neben Gleisen, Weichen und Signaltechnik erhält die Trasse ein neues Schotterbett. Künftig werden die Züge über Grauwacke vom Koschenberg rasen.

Der Steinbruch Großkoschen der Basalt-Actien-Gesellschaft (BAG) liefert einen Großteil des benötigten Hartgesteins. „Die Bahn gehört zu unseren wichtigsten Abnehmern“, sagt Matthias Zeipert, Technischer Leiter Ost bei der BAG. Dazu zählen auch mehrere Bauprojekte in der Region. Unter anderem stammt der neue Schotter in den Gleisbetten im umgebauten Bahnhof Ruhland aus Großkoschen, ebenso auf Abschnitten der grundsanierten Bahntrasse zwischen Berlin und Dresden. Die Grauwacke trägt das aus Schwellen und Schienen bestehende Gleisrost. Sämtliche, von den Zügen ausgehende Belastungen muss das Material aufnehmen, ebenso eine zügige Entwässerung garantieren.

Im vergangenen Jahr sind am Koschenberg rund 1,8 Millionen Tonnen Grauwacke abgebaut worden. Damit bewegt sich der Betrieb auf dem gleichen Niveau wie in den Jahren zuvor. Direkt nach der politischen Wende, als der Nachholbedarf in den neuen Bundesländern enorm hoch war, kamen die Großkoschener auf jährliche 2,0 Millionen Tonnen Gestein.

Neben den Bahntrassen beliefert der Koschenberg auch die Straßenbauer mit Grauwacke. Eines der größten Projekte bildet derzeit die Schnellstraße S 3 im westlichen Polen. Die vierspurig auszubauende, insgesamt knapp 480 Kilometer lange Trasse wird künftig die Ostseeküste bei Stettin mit dem Riesengebirge verbinden. Ein Großteil ist bereits vollendet. Der im Bau befindliche nördlichste Abschnitt wird derzeit aus Grauwacke vom Koschenberg hergestellt.

Um den Bedarf zu befriedigen, sind die Mitarbeiter des Steinwerkes im Zweischichtbetrieb tätig. 65 direkte Arbeitsplätze sind es am Standort insgesamt. Ein Drittel des gewonnenen und entsprechend zerkleinerten Gesteins wird per Lkw zu den jeweiligen Baustellen transportiert, der große Rest über die Schiene. Einmal in der Woche erfolgt nach Angaben von Matthias Zeipert im Steinbruch eine Sprengung, um genügend Material vorzuhalten. Vonseiten der Anwohner gab es seit langer Zeit so gut wie keine Beschwerden, auch nicht zum Lärm. „Wir pflegen mit den Großkoschenern ein sehr entspanntes Verhältnis“, sagt Matthias Zeipert. Das bestätigt Detlef Bonni vom Ortsbeirat: „An uns sind keine Beschwerden bezüglich des Steinbruchs herangetragen worden.“

Für das rund 80 Hektar große Areal existiert eine derzeit noch absehbare Restlaufzeit von 75 Jahren, erst dann könnten die Vorräte wohl erschöpft sein. Der Abbaubereich, so kündigt Matthias Zeipert an, werde auch künftig nicht die Umgehungsstraße um den Koschenberg überschreiten. Stattdessen bewege sich die Förderung in die Tiefe. Der eigentliche Koschenberg mit einer ursprünglichen Höhe von 176 Metern über dem Meer sei bereits vor Jahrzehnten abgebaut worden. Der tiefste Punkt im Tagebau liegt inzwischen rund 120 Meter tiefer. „Auch bei weiterem Abbau in die Tiefe ist die Lagerstätte immer noch nicht erschöpft“, erklärt Matthias Zeipert.

Zum Ende dieses Jahrhunderts werde ein tiefes Loch übrigbleiben, das sich mit Wasser füllt. Noch gibt es keine endgültigen Ideen für eine konkrete Nachnutzung. „Wir haben bis zu jenem Zeitpunkt noch genügend Zeit“, begründet Zeipert.

Indes will der Fachmann die Arbeit im Steinbruch stärker in die Öffentlichkeit rücken. Demnächst soll an der Großkoschener Bergstraße ein Infopunkt mit mehreren Tafeln entstehen. Perspektivisch ist auch ein Aussichtspunkt denkbar. „Allerdings steht die Sicherheit der Besucher für uns an erster Stelle“, stellt Matthias Zeipert klar. Immerhin: Wer Interesse an einer Besichtigung des Betriebes hat, könne sich für eine Führung anmelden. Dieses Angebot gelte auch für Schulklassen.

 Blick auf den Großkoschener Steinbruch. Dessen Vorräte reichen noch bis ans Ende des 21. Jahrhunderts.
Blick auf den Großkoschener Steinbruch. Dessen Vorräte reichen noch bis ans Ende des 21. Jahrhunderts. FOTO: Basalt AG Großkoschen