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| 17:20 Uhr

Aus dem Gericht
Fan-Attacke im Hexenfeuerschein

 Wegen des versuchten Raubes eines Fußballfan-Schals am Hexenfeuer in Lindenau 2017, bei dem sich ein junger Ortrander verletzte, mussten sich die jugendlichen Täter von damals nun vor Gericht in Senftenberg verantworten.
Wegen des versuchten Raubes eines Fußballfan-Schals am Hexenfeuer in Lindenau 2017, bei dem sich ein junger Ortrander verletzte, mussten sich die jugendlichen Täter von damals nun vor Gericht in Senftenberg verantworten. FOTO: dpa / Britta Pedersen
Senftenberg/Lindenau. Wegen eines Fußball-Schals wurde ein Energie-Cottbus-Fan am Hexenfeuer in Lindenau attackiert. Vor dem Amtsgericht Senftenberg mussten sich nun die jugendlichen Täter verantworten. Die Richterin entschied jedoch milde. Von Catrin Würz

Wenn in diesen Tagen überall in der Region wieder die Hexenfeuer lodern und feucht-fröhlich in den Mai gefeiert wird, ist der Alkohol oft ein falscher Freund. So war es wohl auch vor genau zwei Jahren, als am Hexenfeuer in Lindenau nicht nur das Holz vor sich hin loderte, sondern zu vorgerückter Stunde sich auch die Gemüter erhitzten – mit folgenschwerem Ausgang.

Am Ende der Nacht flieht ein damals 18-Jähriger in panischer Angst vom Lindenauer Festplatz und zieht sich bei Stürzen teils schwere Verletzungen zu. Und das alles nur, weil er Fan des falschen Fußballclubs ist. . .

Energie-Fan mit Fußball-Schal am Hexenfeuer in Lindenau

Das schlimme Geschehen aus der Walpurgisnacht 2017 ist jetzt am Amtsgericht in Senftenberg vor dem Jugendschöffengericht verhandelt worden. Auf der Anklagebank sitzen drei junge Männer aus Lindenau, Großthiemig und dem sächsischen Schönfeld, die als Hauptakteure in dieser Nacht gelten. Die Anklage lautet: versuchter Raub mit Körperverletzung.

Was war geschehen? Ein damals 18-Jähriger aus Ortrand - das spätere Opfer – war zum Hexenfeuer in Lindenau gekommen. Der junge Mann ist Fan des Cottbuser Fußballclubs Energie (FCE) – und trug dies an besagtem Abend in Lindenau auch öffentlich zur Schau. Um den Hals hatte er seinen Fanschal gewickelt – doch dieser Anblick störte offenbar einige andere Fußballfans auf dem Festplatz, die einer anderen Mannschaft anhängen: der SG Dynamo Dresden.

Fan-Attacke wegen Schals im Hexenfeuerschein in Lindenau

Gegen 23 Uhr spitzte sich das Geschehen dann zu. Der damals 16-Jahre alte Angeklagte aus Großthiemig ging auf den FCE-Fan aus Ortrand zu und verlangte die Herausgabe des Energie-Schals.

Als der junge Mann aus Ortrand verständlicherweise darauf nicht einging, zog der Angeklagte an dem Schal und wollte ihn mit Gewalt entreißen. Auch das gelang nicht, weil der Angegriffene sein Eigentum festhielt.

Auf die Frage des Staatsanwaltes, warum der Angeklagte den Schal haben und was er damit tun wollte, kann der Großthiemiger nur mit den Schultern zucken. „Ich wollte ihn wohl als Trophäe; ich weiß nicht, ich hatte auch einiges getrunken“, sagt er bei Gericht aus.

Während des Gerangels um den Schal ist an jenem Abend dann Angeklagter Nummer Zwei ins Geschehen getreten. Der Jugendliche aus Schönfeld – damals 19 Jahre alt – schubste den 18-Jährigen aus Ort­rand von hinten so heftig, dass dieser stürzte und lang hinfiel. Er solle verschwinden, bevor noch mehr passiert, gab er dem am Boden Liegenden zu verstehen.

Energie-Fan verletzt sich auf Flucht vor Meute

Den so Angegriffenen hatte in diesem Moment längst die blanke Angst erfasst. Er sah noch, wie sich aus der Freundesgruppe seiner beiden Angreifer ein weiterer Pulk Menschen löste, der auf ihn zukam. Der Ortrander rappelte sich auf und rannte in die Dunkelheit davon – verfolgt von einer Meute Jugendlicher, deren Identität im Nachgang nicht mehr geklärt werden konnte.

Auf seiner Flucht stürzte der 18-Jährige über einen Zaun, zog sich dabei Verletzungen zu und versteckte sich anschließend in einem angrenzenden Feld, während eine aufgeheizte Meute scheinbar noch eine Weile nach ihm suchte, wie mehrere Zeugen in der Verhandlung bestätigten.

Senftenberger Gericht lässt nach Fan-Attacke Milde walten

Dass zwei Jahre nach diesem ungeheuerlichen Vorfall das Jugendschöffengericht unter Leitung der Richterin Grit Bergander trotzdem recht milde entscheidet, ist auch auf die Kooperation und die schon getätigte Reue der jungen Angeklagten zurückzuführen.

Weil die beiden Angeklagten aus Großthiemig und Schönfeld ihre Handlungen vor Gericht einräumten, sich beim Opfer entschuldigt haben und bereits für die materiellen Schäden – ein kaputtes Handy sowie zerissene Schuhe und Jacke – aufgekommen sind, werden die Strafverfahren eingestellt.

Bei dem dritten Angeklagten – einem damals 16-Jährigen Lindenauer – kann die Mittäterschaft an dem Gerangel vor zwei Jahren in der Verhandlung nicht nachgewiesen werden. Zeugen entlasten den heute 18-Jährigen während ihrer Aussage in der Verhandlung. Die Anklage wird fallengelassen.