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| 18:14 Uhr

Schlaganfallsymposium Schlaganfallsyposium
Senftenberg gegen Schlaganfall

Zu neuen Wegen in der Langzeitbehandlung von Schlaganfallpatienten geben am Samstag  Prof. Fritjof Reinhardt (l.) und Physiotherapeut Martin Felgentreu (2.v.l.) Auskunft. Gute Erfahrungen damit gemacht  haben die Mitglieder der  Klettwitzer  Trainingsgruppe Sabine Wolf, Karl-Heinz Mielisch,  Siegfried Klaunigk und Arthur Engelmann (hinten, v.l.).
Zu neuen Wegen in der Langzeitbehandlung von Schlaganfallpatienten geben am Samstag  Prof. Fritjof Reinhardt (l.) und Physiotherapeut Martin Felgentreu (2.v.l.) Auskunft. Gute Erfahrungen damit gemacht  haben die Mitglieder der  Klettwitzer  Trainingsgruppe Sabine Wolf, Karl-Heinz Mielisch,  Siegfried Klaunigk und Arthur Engelmann (hinten, v.l.). FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Spezialisten treffen sich Sonnabend zum Symposium. Klinikum Niederlausitz unterstützt das Einführen einer Gesundheits-Schulstunde. Experten antworten beim Bürgerforum. Von Andrea Budich

Im Fahrradkeller wie aus heiterem Himmel vom Blitz getroffen. Mit Vollgas auf die Standspur. Eine, die genau das erlebt hat, ist Sabine Wolf aus Schwarzheide. Die 59-jährige Verkäuferin gehört zu den 600 Menschen, die pro Jahr auf der Senftenberger Schlaganfallstation, namens Stroke Unit, behandelt werden.

Vor einem guten Jahr vom Schlag getroffen, geht Sabine Wolf inzwischen wieder arbeiten. Vollzeit in einem Schwarzheider Einkaufsmarkt. Bei der Konzentration und beim schweren Heben wird ihr dabei immer wieder bewusst, dass ihr Leben aus der Bahn geschleudert wurde. „Es ist nicht mehr, wie es war“, hadert sie mit sich. Dabei gehört sie zu den nur 15 Prozent der Schlaganfallpatienten, die sich so gut erholen, dass sie wieder in ihr normales berufliches und privates Leben zurückfinden.

Den Rehabilitationserfolg verdankt Sabine Wolf an erster Stelle ihrem Mann. Der hatte am Schicksalstag vor einem Jahr nicht lange gefackelt und übers Handy den Notruf 112 gewählt, als seine Frau beim Abendbrot die Gabel nicht mehr halten konnte. Der Rettungswagen ist damals ruckzuck zur Stelle. Nur 15 Minuten später ist Sabine Wolf bei der Computertomografie, bei der ein Gefäßverschluss festgestellt wird. Sie selbst ist da inzwischen kaum noch bei Bewusstsein.

Schritt für Schritt in ihr altes Leben zurückgekämpft hat sich Sabine Wolf später bei der Trainingstherapie in Klettwitz. Mit einem Trainingsplan, der speziell auf ihre Bedürfnisse  und Wünsche zugeschnitten ist, stellen sich bald erste Erfolge ein. Mit Übungen auf der Rüttelplatte und im Telematik-Therapiezentrum festigt sie  ihr Gleichgewicht, bringt das Kurzzeitgedächtnis wieder auf Trab, und sie wird auch beim Gehen wieder sicherer.

Das Training ist inzwischen Teil ihres neuen Lebens. Nach der Arbeit fährt sie zweimal wöchentlich nach Klettwitz. Wie gut das aus San Francisco stammende Therapieverfahren den Patienten tut, erlebt Physiotherapeut Martin Felgentreu bei den zweieinhalbstündigen Trainingseinheiten immer wieder. „Die Erfolge sind so motivierend, dass die Teilnehmer dafür weite Anfahrtswege in Kauf nehmen“, sagt er.

Bestes Beispiel dafür ist Rentner  Siegfried Klaunigk aus Finsterwalde. Den heute 75-Jährigen hatte  der Schlag am Küchentisch beim Morgenkaffee getroffen. Seit er dienstags und freitags in Klettwitz trainiert, hat er die Schwindelgefühle besser im Griff. „Ich bin allgemein selbstsicherer geworden und fühle mich weniger abgeschlagen“, zeigt sich der Rentner hoch motiviert, den Trainingsplan umzusetzen.

Die Trainingstherapie, die in den Alltag passt, gehört inzwischen fest zum Senftenberger Schlaganfall-
modell. 100 Schlaganfall-Patienten der Senftenberger Stroke werden damit  jährlich therapiert. „Ziel dabei ist es, das Gerät zu Hause alltagsintegriert unabhängig von festen Übungsstunden zu nutzen“, erklärt der leitende Arzt der Senftenberger Stroke Unit, Prof. Fritjof Reinhardt, den Anspruch. Er will zudem an mehreren Hebeln ansetzen, um einem Schlaganfall noch besser vorzubeugen. „Oft höre ich auf der Station, das kam plötzlich, aus heiterem Himmel. Das stimmt so aber nicht, denn oft ist die Entwicklung absehbar“, erklärt der Professor.

Weil die wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall selbst beeinflussbar sind, macht sich der Senftenberger Mediziner stark für eine noch gezieltere Schlaganfall-Vorbeugung. Das Wissen um eine gesunde Ernährung, viel Bewegung, gute Blutdruck- und Blutfettwerte muss aus seiner Sicht so früh wie möglich vermittelt werden und nicht erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Das Klinikum Niederlausitz hat daher erste Kontakte zur Walther-Rathenau-Grundschule Senftenberg und zur Grundschule in Altdöbern geknüpft. Eine Arbeitsgruppe „Junge Sanitäter“ soll in beiden Schulen spätestens bis zum Sommer ihre Arbeit aufnehmen. Zudem will das Klinikum die geplante Einführung eines Unterrichtsfaches Gesundheit an den Schulen aktiv unterstützen.

Möglichkeiten, das eigene Schlaganfall-Risiko zu senken, werden auch beim Schlaganfalltag am Sonnabend aufgezeigt. Demonstriert wird beispielsweise, wie das Smartphone sinnvoll und gezielt für die eigene Gesundheit eingesetzt werden kann.

Beim Bürgerforum am Sonnabendnachmittag können Teilnehmer mit Mitgliedern der Senftenberger Selbsthilfegruppe Schlaganfall und mit dem harten Kern der Klettwitzer Trainingsgruppe ins Gespräch kommen.