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| 15:42 Uhr

Bahn-Geschiche
Erfolg für ein starkes Eisenbahner-Doppel im Bahnwerk Senftenberg

Ansturm: 100 Jahre Bahnbetriebswerk Senftenberg FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Das überwältigende Bürger-Interesse am Bahnbetriebswerk Senftenberg macht zwei Betriebsleiter besonders stolz. Von Kathleen Weser

Das Eisenbahner-Doppel Frank Bayer (60) und Frank Scheithauer (63) schaut stolz und auch mit etwas Wehmut auf den Trubel auf dem Gelände des Senftenberger Bahnbetriebswerkes. 100 Jahre ist es in diesem Jahr geworden. Über turbulente Zeiten haben die Männer den Werkstatt-Standort für Lokomotiven und Güterbahn-Waggons als Betriebsleiter geführt.

Frank Scheithauer aus Großrä­schen ist schon vor einigen Monaten in den Ruhestand gewechselt – und sichtlich zufrieden. Frank Bayer aus Brieske verabschiedet sich am Sonnabend in Senftenberg, an dem Tag, an die Betriebstore für ehemalige Mitstreiter und neugierige Bürger erstmals geöffnet sind.

Das ist „seine Party“, bestätigten vergnügte Bahner – wissend und anerkennend, dass Frank Bayer sowohl mit langer als auch strenger Hand in schweren Jahren ihre Jobs gesichert hat.

Als Lehrling des zweiten Jahrganges hatte Frank Scheithauer 1973 als Elektriker im Bahnwerk angefangen. Die Dampfloks sind damals rasant von den Diesel-Fahrzeugen auf der Schiene abgelöst worden. „Das Markenzeichen unserer Werkstatthalle waren in der Zeit die großen Schwellenstapel, die das Einstürzen des Daches verhindert haben“, erzählt der Großräschener. Mitte der 70er-Jahre war das Bahnbetriebswerk Senftenberg vor allem mit der Instandhaltung und Reparatur der Dieselloks der DR Baureihe 130 (DR – Deutsche Reichsbahn) ausgelastet. Die Güterwaggons wurden noch unter freiem Himmel gewartet.

Im Jahr 1980 ist dann entschieden worden, das Bahnbetriebswerk zu modernisieren. Frank Scheithauer hat damals die Meisterschule begonnen. Der alte Lokschuppen wurde im März 1986 abgerissen und eine moderne Werkstattanlage gebaut, die nun auch den Anforderungen an ein Elektro-Lok-Betriebswerk genügen musste. Am 4. Oktober 1989 ging die große und moderne Dienst­stelle in Betrieb. Und Scheithauer war dabei, als Anlagenbetreuer.

Frank Bayer blickt lachend auf den Ansturm der Neugierigen an seinem Tag der offenen Tür zum großen Jubiläum des Bahnwerkes Senftenberg. Fast wäre es vom Gleis geschoben worden. „Ich hatte einfach schonmal frühzeitig und eigenmächtig das Stadtoberhaupt eingeladen. Schließlich ist das Bahnbetriebswerk eines der ältesten Betriebe in der Stadt Senftenberg“, erzählt er. Um die peinliche Wieder-Ausladung sei er gerade noch so herumgekommen. Aber wirklich verwundert über den Bahn-Haudegen, der zum 100sten  einfach die Initiative ergriffen hatte,  ist wohl auch keiner seiner Vorgesetzten wirklich gewesen. Denn für das  Bahnbetriebswerk Senftenberg kämpft er schon ein ganzes Arbeitsleben lang. Und das nicht immer vergnügungssteuerpflichtig.

Der gelernte Dreher hat 1975 als Schienenfahrzeugschlosser hier angefangen und vor allem Dampfloks repariert. Zehn Jahre später war Frank Bayer dann Meister. Er wechselte nach Hoyerswerda, um Reisezüge für die Schiene flott zu machen. Als Personal- und Betriebsrat ist der Briesker auch unbequem gewesen. In Cottbus war Frank Bayer für das Bereitstellen der Triebfahrzeuge zuständig, denn die Loks müssen regelmäßig untersucht werden. Nach fast 17 weiteren Arbeitsjahren bei der Bahn in Berlin in der Flottensteuerung, in denen er auch Werkstätten mit Aufträgen versorgt hat, ist er 2015 nach Senftenberg zurückgekommen – eigentlich mit der Aufgabe, das Bahnwerk mit seinem vorzeitigen Abgang in den Ruhestand gleich mit abzuschließen.

„Ohne mich“, sagt der Briesker dazu. Auch als Betriebsleiter hat er aufgepasst, dass die noch immer moderne und platztechnisch großzügige Werkstatt ihren Ruf als verlässlicher Partner behauptet hat und damit nachgefragt geblieben ist. Dafür hat er auch Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt, ohne Rücksicht darauf, sich hier und da auch unbeliebt zu machen.

Frank Bayer hat mit dafür gesorgt, dass das Bahnbetriebswerk Senftenberg bis heute sicher erreichbar ist. Denn die Reppister Brücke, über die die einzige Zufahrt führt, hatte vor einigen Jahren deutlich ersichtliche Mängel aufgewiesen. Das Protokoll der entscheidenden Brückenprüfung aber lag in der Senftenberger Betriebsstelle gar nicht vor. Bayer hat sie ausgraben lassen und entdeckt, dass dies gefährlich zu werden drohte. Und in die Brücke wurde rechtzeitig investiert.

„Wir sind ein ostdeutsches Phänomen“, sagt Frank Scheithauer sichtlich stolz und auch emotional berührt. 45 Arbeitsjahre bei der Bahn ohne eine durch Arbeitslosigkeit gebrochene Erwerbsbiografie – in der Lausitz ist das nicht selbstverständlich. „Und ich musste mir zu Beginn meiner Ausbildung schon anhören, warum ich statt zur Bahn nicht lieber in die Kohle ginge“, erzählt er, der „das Geschäft von der Pieke auf gelernt hat“.

Frank Scheithauer bestätigt das auch für sich. Und er wünscht dem Traditionsstandort „weitere 100 Jahre“. Der Abschied in den Ruhestand fällt ihm „von den ehrlichen Kollegen“ verdammt schwer. Das riesige Interesse der Bürger an diesem Tag der offenen Tür versöhnt ihn auch mit Vielem. „Wir müssen viel öfter zeigen, dass hier ein anspruchs­voller, guter Job gemacht wird, um junge und motivierte Fachkräfte zu gewinnen“, sagt er und beweist damit sofort, dass ihm das Loslassen nicht leicht fallen wird.

In Senftenberg werden länderübergreifend Güterzüge aus dem Raum Dresden, den Industriestandorten Zwickau für Volkswagen und Schwarze Pumpe sowie der Lausitz repariert und gewartet. Im Strukturwandel, so sagt Betriebsleiter Alexander Helbing, könne das Werk eine wichtige Rolle einnehmen.

  Frank Bayer (60/l.) und Frank Scheithauer (63) haben das ganze Arbeitsleben im Bahnbetriebswerk Senftenberg verbracht und Zukunft gestaltet.
Frank Bayer (60/l.) und Frank Scheithauer (63) haben das ganze Arbeitsleben im Bahnbetriebswerk Senftenberg verbracht und Zukunft gestaltet. FOTO: Steffen Rasche
 Die Neugier der Bürger auf die Bahntechnik und das Bahnwerk Senftenberg/Reppist ist groß gewesen – zur Freude der Bahner im 100jährigen Werk.
Die Neugier der Bürger auf die Bahntechnik und das Bahnwerk Senftenberg/Reppist ist groß gewesen – zur Freude der Bahner im 100jährigen Werk. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
 Frank Bayer (60) und Frank Scheithauer (63)
Frank Bayer (60) und Frank Scheithauer (63) FOTO: Steffen Rasche
 Senftenberg.Tag der offenen Tür im Bahnwerk Senftenberg/Reppist.Deutsche Bahn
Senftenberg.Tag der offenen Tür im Bahnwerk Senftenberg/Reppist.Deutsche Bahn FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Ansturm: 100 Jahre Bahnbetriebswerk Senftenberg FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE