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| 19:32 Uhr

Senftenberg
Gartensaison geht in die Verlängerung

Hier präsentiert Kleingärtnerin Sabine Schäfer ihre letzte Rose. So spät im Jahr blühen diese Pflanzen nur ganz selten.
Hier präsentiert Kleingärtnerin Sabine Schäfer ihre letzte Rose. So spät im Jahr blühen diese Pflanzen nur ganz selten. FOTO: Richter-Zippack
Senftenberg. Normalerweise endet Ende Oktober das Gartenjahr. In diesem Jahr wird aber noch im November gewerkelt. Anlass bildet das anhaltend warme und sonnige Wetter. Von Torsten Richter-Zippack

Plus fünf Grad, Wind, Nebel und Nieselregen: So sieht eigentlich der November in der Lausitz aus. Nicht so im Jahr 2018: Bei Temperaturen knapp unter 20 Grad und strahlendem Sonnenschein geht die Gartensaison in die Verlängerung. Beispielsweise in der Senftenberger Gartengemeinschaft Neue Erde am östlichen Stadtrand. Dort lässt Gerd Nitschke seiner elektrischen Heckenschere freien Lauf. Schließlich erhält die Liguster­hecke ihren obligatorischen Herbstschnitt. „Eigentlich sollte sie gar nicht so hoch wachsen. Aber dafür gibt es bei mir einen guten Grund“, erklärt der Hobbygärtner. „Die Hecke schützt die Passanten auf dem Weg vor meinen Bienen. Jetzt befinden sich die Insekten bereits in der Winterruhe, da kann ich den Liguster herunter schneiden.“

Obwohl laut Kalender bereits Anfang November ist, zeigen sich in einer weiteren Hecke noch weiße Blüten. Und aufgrund des ungewöhnlich warmen Wetters präsentiert selbst der Haselnussstrauch vor der Gartenlaube neue Blütenpracht, die eigentlich erst im Februar/März an der Reihe ist. „Normaler­weise wäre mit den Arbeiten längst Schluss. Aber das Wetter ruft einen regelrecht in den Garten“, sagt Gerd Nitschke. Schon zu DDR-Zeiten hat er dieses Fleckchen Erde selbst urbar gemacht. „Vorher befand sich hier eine Mülldeponie“, erinnert sich der ehemalige Sauoer und jetzige Senftenberger.

Mit der Motorhacke ist Edgar Zwonarz auf seinen Beeten in der Kleingartensparte Erholung zu Werke. „Jetzt streikt das Gerät allerdings. Wenn es nicht mehr in Gang kommt, bleibt mir wie früher nur der Griff zum Spaten“, weiß er. Jetzt im Herbst hat Zwornarz bereits den wuchernden Efeu verschnitten und aufgeräumt. „Aufgrund gesundheitlicher Probleme ist über den Sommer nicht allzu viel geworden. Das muss jetzt nachgeholt werden.“ Besondere Hoffnung setzt der Senftenberger auf seine Tomatenpflanzen. „Falls kein Frost kommt, habe ich selbst zu Weihnachten noch frische Früchte auf dem Teller“, weiß er. Und falls die Nachtschattengewächse bis dahin nicht die attraktive rote Farbe annehmen, wolle der Hobbygärtner einen Trick anwenden. „Dann lege ich die Früchte mit mehreren Äpfeln in einen Eimer. Durch die Ausgasungen der Äpfel werden die Tomaten dann rot.“

Imker und Kleingärtner Gerd Nitschke verschneidet spät im Jahr seine Liguster­hecke. Um diese Jahreszeit, so argumentiert er, brüten keine Vögel mehr im Geäst.
Imker und Kleingärtner Gerd Nitschke verschneidet spät im Jahr seine Liguster­hecke. Um diese Jahreszeit, so argumentiert er, brüten keine Vögel mehr im Geäst. FOTO: Richter-Zippack

Sabine Schäfer aus der benachbarten Gartensparte Heimatruh ist mit ihren Gartenarbeiten für das Jahr 2018 dagegen so gut wie durch. „Diesen Sonnabend wird noch das abgeschnittene Grünzeug abgeholt, und das war es dann. Schade, dass bereits diese Woche das Wasser abgestellt wurde. Jetzt kann ich gar keinen Kaffee mehr kochen. Und das bei diesem Wetter“, bedauert die Senftenbergerin, die seit genau 30 Jahren ihren Garten hegt und pflegt. Jetzt genießt sie die Sonne, um „noch ein paar Pigmente zu erhaschen“. Ihre Geranien zeigen sich nach wie vor in voller Blütenpracht, ebenso die letzten Rosen. „Meine Hortensien sind durch die extreme Hitze im Sommer dagegen verbrannt, sehr schade.“

Nur ein paar Gärten weiter kümmert sich Waltraud Schlinke um ihren Wasseranschluss. „Ich muss die Leitung entlüften, damit der Frost keinen Schaden anrichten kann“, erklärt die Senftenbergerin. Ansonsten gelte es, die zu üppig gewordenen Stauden zu verkleinern. Das Laubharken bereite ihr indes keine Freude. „Noch immer hängen die Blätter fest an den Bäumen.“ Schweren Herzens muss Waltraud Schlinke in wenigen Wochen Abschied von ihrem Birnbaum nehmen. „Er hat über Jahrzehnte hervorragend getragen. Jetzt ist er aber krank und zu alt. Einen neuen Baum wolle sie nicht mehr pflanzen. „Es gibt ja in jedem Laden Birnen zu kaufen“, begründet Schlinke.

Im Heimatruh-Garten von Vera Heinrich sieht alles schon winterfertig aus. Jetzt ist sie mit dem Laubharken beschäftigt. „Einige Bäume hängen zwar noch voll, aber das wird dann eingegraben“, erklärt die Hobbygärtnerin. Die Gehölze habe bereits ihr Sohn verschnitten. Über den Winter wolle Vera Heinrich öfter mal nach dem Rechten schauen gehen. „Falls dann das Wetter offen sein sollte, wird sicherlich auch noch der eine oder andere Handgriff erledigt.“