Die Stadt Senftenberg schwenkt im Rennen um das Siegel als staatlich anerkannter Erholungsort auf die Zielgerade ein. Nur die Entwicklungskonzeption braucht noch den Segen der Ratsrunde. Dann kann das Land Brandenburg das Prädikat an Senftenberg an den fünf Seen vergeben. Das hat Wirtschaftsförderer Frank Neubert im jüngsten Finanzausschuss erklärt.

Die Übernachtungszahl für die Stadt sei beachtlich. Im Jahr 2015 habe Senftenberg die 300 000er-Marke geknackt. 296 000 Übernachtungen seien in den Herbergen mit (meldepflichtigen) neun und mehr Betten amtlich registriert worden.

Weitere 16 000 Besucher haben laut städtischer Wirtschaftsförderung darüber hinaus in kleineren Häusern in Senftenberg übernachtet. Damit rückt die Stadt unter den Erholungsorten im Land Brandenburg hinter Rheinsberg auf den zweiten Rang vor und hat Werder und die Spreewald-Hochburgen Lübben und Lübbenau überrundet.

"Trotzdem müssen wir weiter an Übernachtungskapazitäten arbeiten", betont Frank Neubert. Die Nachfrage steige - vor allem in der Sommer-Hauptsaison. Das geplante Hotel am Stadthafen werde dringend gebraucht.

Mit dem Gütesiegel, das nun in greifbare Nähe rückt, werde die Stadt in die Lage versetzt, für gewerbliche touristische Investitionen den Höchstfördersatz des Landes Brandenburg zu sichern.

Mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 3,9 Urlaubstagen ist Senftenberg im Land bereits Spitze. Die Marke von vier Tagen, die als Voraussetzung für das Prädikat als Erholungsort gilt, erfüllt derzeit keine anerkannte Kommune.

Das erforderliche Wettergutachten lässt den Wirtschaftsförderer erstrahlen: "Nach der Insel Usedom sind Senftenberg für das vergangene Jahr die meisten Sonnenstunden auch amtlich bescheinigt worden", sagt er. Die Garantie kann freilich dauerhaft nicht gegeben werden. Aber die Stadt arbeite daran, die touristische Entwicklung weiter voranzutreiben. Die Konzeption, die als letzte Hürde für das Prädikat im März beschlossen werden soll, sei eine gute Grundlage.

Bei Badeurlaubern hat Senftenberg einen ausgesprochen guten Ruf. Der Kultur- und Eventtourismus ist dagegen noch ausbaufähig - vor allem in der Vor- und der Nachsaison, betont Frank Neubert. Weitere Potenziale sollen im Wellness- und Gesundheitstourismus gehoben werden. Ein Aktivpark für alle Generationen mit einfachen und für jedermann zugänglichen Fitnessgeräten am Senftenberger See werde vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) bereits geplant.

Eine städtische Herausforderung bleibe, weitere Stellflächen für motorisierte Gäste zu schaffen und den Parksuchverkehr durch bessere Leiteinrichtungen einzudämmen. Bis zum Sommer sollen nächste Schritte erfolgen.

Auf den Weg gebracht werden soll gemeinsam mit den sächsischen Seenland-Nachbarn zudem, dass die S-Bahn-Linie von Dresden über Kamenz bis Hosena - und damit ins Herz der Seen-Reiseregion - erweitert wird.

Zum Thema:
Das Prädikat als staatlich anerkannter Erholungsort versetzt die Stadt Senftenberg grundsätzlich in die Lage, perspektivisch eine touristische Abgabe zu erheben. Eine Bettensteuer, Fremdenverkehrsabgabe, Kurtaxe oder Vereinbarung mit den Leistungsanbietern sind möglich. Dies erwägt Senftenberg frühestens ab 2018, erklärt Wirtschaftsförderer Frank Neubert. Grundlage und Standortbedingungen sind derzeit Themen einer studentischen Masterarbeit.