65 Jahre Ehe, 65 Jahre gemeinsam durch gute, aber auch schlechte Zeiten – das muss man erst mal schaffen. Inge und Heinz Stephan aus Sedlitz haben es geschafft. Ihr Ehe-Geheimnis? Arbeiten, schaffen, zusammenhalten, streiten und sich schnell wieder vertragen. „Nicht gleich auseinander rennen wie die jungen Leute heutzutage“, erklärt die eiserne Braut Inge das simple, aber wirkungsvolle Ehe-Rezept für 65 glückliche Jahre mit ihrem Heinz.

Sedlitzer Paar hat entbehrungsreiche Jahre erlebt

Das Leben hat den 90-Jährigen und die 88-Jährige aus Sedlitz zusammengeschweißt. Es war nicht immer einfach, und es waren nicht immer nur gute Tage. Entbehrungen und viel harte Arbeit gehören zu der langen gemeinsamen Zeit.

Wenn die Mutter von drei Kindern von ihrem Knochenjob im Gleisbau Heim kam, dann ging es noch zum Melken in den Stall oder raus aufs Feld. Hühner und Kaninchen wollten versorgt sein.

Heinz hat tagsüber als Kraftfahrer auf dem Bock beim Bau- und Montagekombinat Cottbus gesessen. Daheim hat er in der Werkstatt viel getischlert, Bretter gehobelt und Hoftore gebaut. „Wir hatten immer etwas zu tun und haben nicht den ganzen Tag aus dem Fenster geguckt“, sagt Inge und ihr Heinz nickt zustimmend.

Auf dem Tanzsaal hat’s bei den Sedlitzern gefunkt

Kennengelernt haben sich die zwei Ur-Sedlitzer 1952 auf dem Tanzsaal im Gasthaus Semch, dem heutigen „Lindengarten“. Sie haben sich gesehen und nicht lange gefackelt. Heinz hat seine Inge aufgefordert, mit ihr den ersten Walzer gedreht, sie nach Hause gebracht – und seitdem sind sie zusammen. „Da gab es kein großes Tamtam“, sagt Heinz und nimmt seine Inge schützend in den Arm.

Verliebt, verlobt, verheiratet – das ist ihre Geschichte, die inzwischen fast 70 Jahren anhält. Weil Inge aber nicht lange verlobt sein wollte, wurde am 16. April 1955 geheiratet. Er war damals 25 Jahre jung, seine Zukünftige 23. „Für die Feier mussten die Eltern alles notdürftig zusammen stoppeln. Schön war es trotzdem“, schwelgen sie in Erinnerungen.

Für’s Hochzeitsmahl der Sedlitzer wurden Lebensmittelkarten gesammelt

Gefeiert wurde im Elternhaus der Braut in der Raunoer Straße. Die Ranke haben Nachbarn und Freunde in der Waschküche geflochten. Den Anzug des Bräutigams hat der Onkel, Schneidermeister Wilhelm Schulze, genäht. Der Brautstrauß war aus weißen Callas gebunden.

Fürs Festmahl mussten wochenlang die Lebensmittelkarten gesammelt werden. Zur Hochzeitssuppe kamen dann Putenbraten und Frikassee auf den Tisch. Das Speise-Service, das das Paar als Hochzeitsgeschenk bekam, hat Inge über all die Jahre gehütet wie ihren Augapfel. Es steht noch immer gut verpackt und nahezu vollständig im Wohnzimmerschrank. Rausgeholt wird es nur zu besonderen Anlässen.

Auch wenn ihre Liebe nie gerostet ist, fällt das Gehen inzwischen schwer. Allen beiden. Die Gehhilfen zu benutzen, ist für Inge und Heinz keine Schande. „Die Knochen wollen nicht mehr so recht“, sagt Heinz. Dabei würde er gern mit seiner Inge noch einmal eine Walzer-Runde drehen. Wie bei der Goldenen Hochzeit in der Senftenberger Kumpelklause oder bei der Diamantenen im „Stadl“.

Die Sedlitzer Familie machte Urlaub am Schwielochsee

Den Heimatort Sedlitz hat das Paar nur selten verlassen. Geurlaubt wurde mit den drei Kindern Karin, Uwe und Frank in Bungalows am Schwielochsee. Einmal ging es zu DDR-Zeiten sogar im Flieger in die Sowjetunion. Das große Fernweh hat sie aber nie getrieben. „In Sedlitz war doch immer viel los, nicht nur zum Zampern“, sagt Inge.

Früher gab es im Ort zwei Bäcker, zwei Fleischer, zwei Konsum-verkaufsstellen, zwei Kneipen, einen Arzt und eine Apotheke und sogar eine Tankstelle. Heute ist davon kaum noch was übrig, und die zwei Rentner wären verloren, wenn sich ihre Kinder und Enkel nicht kümmern würden.

Sedlitzer Paar muss wegen Corona auf die Feier verzichten

Ihren Wunsch für die Zukunft fasst Inge Stephan so zusammen: „Wir lieben uns und halten weiter eisern zusammen. Wir möchten einfach nur glücklich und zufrieden in unserer schönen Wohnung in Sedlitz zusammen leben.“ Die geplante große Feier in der Gaststätte „Colorado“ in Sedlitz mit allen Kindern, Schwiegerkindern, vier Enkeln und zwei Urenkeln ist Corona zum Opfer gefallen.

„Wir holen das aber nach“, hofft das eiserne Paar auf bessere Zeiten. Dann wird auch noch einmal auf den 90. Geburtstag von Opa Heinz angestoßen. Und zur Feier des Tages gibt es dann vielleicht auch sein Leibgericht: Eisbein. Das natürlich niemand so vortrefflich zubereiten kann wie seine Inge.