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| 10:00 Uhr

Ehrenamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Selbstlose Helferin in schwierigen Lebenslagen

Das Engagement von Bärbel Winkler (Mitte) ist mehrfach gefragt: Ob bei der Zusammenarbeit mit Katrin Brauer (l.), ambulante Hospiz-Koordinatorin beim Malteser Hilfsdienst Spreewald oder bei ihrer Pflegetochter Melinda (r.), die dauerhaft auf Hilfe und liebevolle Unterstützung angewiesen ist und diese seit 18 Jahren bei der Familie Winkler erhält.
Das Engagement von Bärbel Winkler (Mitte) ist mehrfach gefragt: Ob bei der Zusammenarbeit mit Katrin Brauer (l.), ambulante Hospiz-Koordinatorin beim Malteser Hilfsdienst Spreewald oder bei ihrer Pflegetochter Melinda (r.), die dauerhaft auf Hilfe und liebevolle Unterstützung angewiesen ist und diese seit 18 Jahren bei der Familie Winkler erhält. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Bärbel Winkler aus Lübbenau. Von Uwe Hegewald

Es ist das ansteckende Lächeln, mit dem es der taffen Melinda immer wieder gelingt, sich Zugang in die Herzen anderer Menschen zu verschaffen. Sie ist interessiert, aufgeweckt und in der beneidenswerten Lage, mit ihrem zugänglichen Wesen selbst fremde Leute mitzureißen. Dabei ist die Lage der 18-jährigen Melinda selbst alles andere als beneidenswert.

„Seit ihrer Geburt lebt Melinda mit einer körperlichen Behinderung und war frühzeitig auf einen Rollstuhl angewiesen“, erzählt Bärbel Winkler. Als wenige Monate nach der Geburt eine dauerhafte Pflegefamilie gesucht wurde, stand für die Lübbenauerin und ihren Ehemann Norbert fest: „Wir nehmen die Kleine zu uns nach Hause.“

Wollen ist das eine, dürfen das andere, gilt es doch im Fall von Melinda eine Rund-um-die Uhr-Betreuung abzusichern. 365 Tage im Jahr. „Sie ist uns wie die beiden eigenen Töchter ans Herz gewachsen“, betont Bärbel Winkler. Klar sei der Betreuungsumfang hoch, und selbstverständlich habe es auch mal Schwierigkeiten gegeben. „Wir bekommen aber sehr viel Liebe zurück und haben den 2000 erfolgten Schritt nie bereut“, bekräftigt die Lübbenauerin.

Es war nicht das erste Mal, dass die langjährige Horterzieherin ein Pflegekind in Betreuung genommen hat. „Angefangen hat es 1994 mit Kurzzeitpflege. Melinda ist inzwischen das sechste Kind“, erwähnt die 70-Jährige, in deren Worten hörbarer Stolz mitklingt. „Sie meistert ihren Alltag mit Bravour.“ Trotz massiven Handicaps und der unvorstellbaren Bürde, weder Hände, Arme oder Beine bewegen zu können, besuchte sie die Bauhausschule in Cottbus. Dort schloss sie die zehnte Klasse mit der Note 2 ab. „Das war auch Bedingung, um in einem Unternehmen in Gallinchen an einem Augensteuerungscomputer in der Bürokommunikation arbeiten zu können“, erzählt die für ihre Fürsorglichkeit bekannte Lübbenauerin.

Katrin Brauer, ambulante Hospiz-Koordinatorin beim Malteser Hilfsdienst Spreewald, weiß um die außergewöhnlichen Leistungen ihrer Mitarbeiterin. „2011 hat Bärbel Winkler eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizhelferin aufgenommen und abgeschlossen. Und sie hat sich entschieden, im Dienst zu bleiben, um anderen Personen zu helfen oder beizustehen“, würdigt sie.

Neben ihrer familiären Verpflichtungen und dem Umsorgen von Pflegetochter Melinda begleitet sie noch regelmäßig eine Lübbenauer Seniorin zu ihrer auswärts lebenden Schwester. Sie besucht Schwerstkranke und Sterbende und steht pflegenden Angehörigen und Freunden bei Fragen zur Seite. „Bärbel verfügt über ein Netzwerk. Sie weiß, wo Betroffene Hilfe bekommen, sollte sie mit ihren Möglichkeiten nicht weiterkommen“, sagt Katrin Brauer über ihre Helferin. Als Beispiel führt sie das für gesetzliche Betreuung zuständige Lotse-Büro Lübbenau an.

Mitunter sind es die vermeintlich kleinen Gesten, mit denen die engagierte Frau im Ehrenamt ihre Mitmenschen zu Herzen rührt: Zeit zum Zuhören, kleinere Botengänge oder spontane Besuche, zu denen sie auch schon mal Kuchen mitbringt. Von Angehörigen besonders wertgeschätzt wird die Zuverlässigkeit der regelmäßigen, kostenfreien Besuche der Hospizhelferin. Dann bekommen auch sie einmal die Zeit zum Durchatmen.

Warum sie das alles tut? „Damit für diese Leute die Welt etwas bunter wird. Vielleicht bin ich auch etwas aus der Art geschlagen“, antwortet die aus Sellendorf (Dahme-Spreewald) stammende Trägerin des Ehrenamtspreises des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Auch nach erhaltener Ehrung wird Bärbel Winkler ihr mütterliches Engagement nicht runterfahren. Anhang, vier Enkelsöhne und Pflegetochter Melinda lassen Langeweile weder zu, noch aufkommen. Aufgrund der körperlichen Behinderung von Melinda und die dadurch erforderlichen Behandlungen zählen Fahrten zu Medizinern oder Spezialisten bis in die Berliner Charité zur Normalität. Bei den Winklers haben sich die Familienmitglieder längst mit den Gegebenheiten arrangiert. So wurden Ausflüge oder Reisen oft gemeinsam mit Enkel- und Pflegekindern unternommen. „Wir sind schon eine harmonisierende und verständnisvolle Familie. Anders würde der Alltag auch nicht funktionieren“, sagt Bärbel Winkler. Malteser Hospizdienst-Koordinatorin Katrin Brauer spricht von einem Vollzeit-Job, den die Winklers bewältigen und in dem die einzelnen Familienmitglieder private Interessen sehr oft zurückstellen. Was in dieser Familie passiert, decke sich mit dem Leitbild der humanitären Organisation. Und es decke sich mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry (Der kleine Prinz), das die Malteser für sich adoptiert haben: „Man sieht nur mit dem Herzen gut – das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“