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| 17:29 Uhr

Selbst Oxford schaut auf Senftenberg

Prof. Jan-Heiner Küpper von der BTU Cottbus-Senftenberg mit der brandenburgischen Wissenschaftsministerin Dr. Martina Münch (Mitte) und der Studentin Tina Helmecke bei der Preisverleihung in Potsdam.
Prof. Jan-Heiner Küpper von der BTU Cottbus-Senftenberg mit der brandenburgischen Wissenschaftsministerin Dr. Martina Münch (Mitte) und der Studentin Tina Helmecke bei der Preisverleihung in Potsdam. FOTO: Ralf-Peter Witzmann/BTU
Potsdam/Senftenberg. Für seine exzellente Lehre geht einer von nur drei Landeslehrpreisen an den Biotechnologie-Professor Jan-Heiner Küpper.Prof. Dr. rer. nat. habil. Jan-Heiner Küpper vom Institut für Biotechnologie der BTU Cottbus-Senftenberg hat den mit 5000 Euro dotierten Preis für exzellente Hochschullehre in der Kategorie "Vorschlag der Studierenden" erhalten. rpw/mf

Dies ist einer von nur drei Landeslehrpreisen, die Brandenburgs Wissenschaftsministerin Dr. Martina Münch (SPD) dieser Tage verliehen hat. Die beiden weiteren Lehrpreise gehen an die Fachhochschule Potsdam und an die Technische Hochschule Brandenburg. Die Auszeichnung gibt es seit fünf Jahren.

Prof. Küpper, der aus dem Rheinland stammt und seit 2007 in Senftenberg lehrt und forscht, wurde von seinen Studierenden für das Lehrprojekt "Molecular Biotechnology and Society" im internationalen Masterstudiengang Biotechnologie für die Auszeichnung vorgeschlagen. Tina Helmecke, die den Vorschlag mit zehn weiteren Studierenden eingereicht hat, sagt: "Mich beeindrucken insbesondere die Vielseitigkeit seiner Vorlesungen sowie der hohe Anwendungsbezug. Die geschickte Darstellung kontrovers diskutierter Themenbereiche der Biotechnologie, wie dem Embryonenschutzgesetz und der Gentherapie, regt auch außerhalb der Universität zum Nachdenken über die Verantwortung der Wissenschaftler von morgen an."

Zudem verdeutlichen die Studierenden, dass Prof. Küpper neben seinem umfangreichen Fachwissen auch auf seine zahlreichen Erfahrungen aus der Industrie zurückgreifen kann. Nach dem Biologiestudium in Hamburg promovierte der heute 57-jährige Wahl-Senftenberger in Heidelberg im Bereich der Krebsforschung.

Anschließend hat er eine Biotechnologie-Firma gegründet, aus der schließlich die zweite Neugründung hervorgegangen war. Dieses Unternehmen agiere heute erfolgreich am Weltmarkt.

Auch in Senftenberg würden aus der Forschung heraus Anwendungen verfolgt, die sich in Unternehmensgründungen niederschlagen sollen, blickt der Professor in die Zukunft. "Das ist aber ein langwieriger Prozess", bittet er alle Kritiker des mit Millionenaufwand errichteten Innovationszentrums in Senftenberg um Geduld. "Ein Universitätsstandort muss ein solches Zentrum besitzen", sagt er weiter. Er habe andernorts bereits erlebt, dass Ausgründungen ansonsten abwandern. Dies dürfe nicht geschehen.

BTU-Präsident Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach ist stolz darauf, dass Studenten der Universität zum wiederholten Mal ihren Professor für den Landeslehrpreis vorgeschlagen haben und die Jury dem gefolgt ist: "Mit Jan-Heiner Küpper haben unsere Studierenden in der Biotechnologie einen Professor gewählt, der für sein Fach brennt. Ihm gelingt es offenkundig, sie zu begeistern. Das spricht für das gute Verhältnis und das Vertrauen auf beiden Seiten."

An der BTU sind derzeit 207 Studierende in der Biotechnologie eingeschrieben, 49 davon im Masterstudiengang. Das Spektrum der Biotechnologie ist weit gefächert und eng mit den Herausforderungen der Gesellschaft verknüpft.

Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper leitet das Fachgebiet Molekulare Zellbiologie und lehrt im Bachelor- sowie insbesondere im internationalen Masterstudiengang Biotechnologie.

Dass ihn seine Studierenden für den Preis vorgeschlagen haben, erfüllt Prof. Küpper mit Freude: "In meiner Lehrveranstaltung gehe ich auf einige in die Gesellschaft wirkende Dimensionen der Biotechnologie ein. Dazu gehören die politische und auch die ethische Dimension, beispielsweise von Stammzelltechnologien und der Bedeutung der Biotechnologie für die Diagnostik und die Behandlung von Krankheiten. Ich gehe ebenso auf ingenieurwissenschaftliche und umweltrelevante Aspekte ein, wie die Begrenzung des Klimawandels. Meinen Studierenden gebe ich dabei mit auf den Weg, mit ihrem Repertoire an Wissen und Methodik verantwortungsbewusst umzugehen und ihre Aufgabe als Repräsentanten der Biotechnologie wahrzunehmen."

Jan-Heiner Küpper ist nicht ohne Grund mit Herzblut Professor in Senftenberg: "Wir haben ein sehr gut eingerichtetes Institut, das sich bestens entwickelt. Die Neugründung der Universität hat auch uns eine neue Dynamik verliehen. Hier wird viel aufgebaut. Das reizt einfach. Ich möchte hierbleiben."

Langsam, aber sicher spreche sich bundesweit herum, dass in Senftenberg auch in der Biotechnologie hervorragende Studier- und Lehrbedingungen herrschen. Dies sei, das versichert der Professor, der jährlich bis zu 300 000 Euro Drittmittel für die Forschung einwirbt, sogar bis hin zu den Eliteuniversitäten in Harvard und Oxford vorgedrungen. Absolventen sollen hier demnach besser ausgebildet sein als dort. Laut einer Evaluation gehöre die Biotechnologie an der BTU zu jenen mit der höchsten Qualität in Deutschland und in Österreich.

Mehr als 70 Prozent der Absolventen des Masterstudienganges streben in Senftenberg die Doktorarbeit an. Viele gehen in die Forschung im In- und im Ausland oder finden heimatnah eine Arbeit entsprechend ihrer hohen Qualifikation.

Und dann steht da noch diese Frage: Was macht ein Professor mit 5000 Euro Preisgeld? "Weil ich weder mit dem Preis noch mit der Gelddonation gerechnet habe, habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht", so Jan-Heiner Küpper.

Um von Forschung und Lehre abzuschalten, zieht es den Professor, wenn er nicht gerade Sport treibt, ins Grüne. Beim Naturschutzbund Deutschland beschäftigt er sich im Naturpark Grünhaus mit dem Brutvogelmonitoring.