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Selbst gebastelte Herzen fliegen vom Vereinshaus in das Seniorenheim

Beim Basteln kommen Paten und Flüchtlinge gut miteinander ins Gespräch – das Integrationskonzept des Vereins geht auf.
Beim Basteln kommen Paten und Flüchtlinge gut miteinander ins Gespräch – das Integrationskonzept des Vereins geht auf. FOTO: Wieduwilt
Senftenberg. Es ist gemütlich im Vereinshaus "Unsere Welt, eine Welt" in Senftenberg. Von der Decke hängen handgemachte weiße Kugeln, Tee dampft auf dem Tisch. pm/jw

Buntes Stimmgewirr geht durcheinander, oft wird gekichert und gelacht. Auf dem Tisch liegen stapelweise Herzen aus Stoff. Mit einem Bändchen dran werden sie demnächst den Weg ins Seniorenheim nach Brieske antreten, um dort den Senioren das Herz zu erwärmen. Das gemeinsame Basteln ist Teil des Lotsendienst-Projektes des Vereins.

Projekt aus Taufe gehoben

"Wir möchten den vielen Neuankömmlingen mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn sie aus einem fremden Land hier neu herkommen", sagt Maria Stauber vom Verein. Als im vergangenen Jahr die Zahl der Flüchtlinge sprunghaft auch in Senftenberg zunahm, wussten die Vereinsmitglieder, dass sie etwas tun wollen. "Wir beschäftigen uns schon seit Jahren damit, Migranten zu unterstützen. Viele von uns sind selbst vor vielen Jahren nach Deutschland eingewandert und inzwischen sehr gut integriert", beschreibt Maria Stauber das Anliegen. Daher haben die Vereinsmitglieder mit dem Lotsendienst für Einwanderer ein Projekt aus der Taufe gehoben, das praktische Hilfe zur Selbsthilfe gibt. Deshalb entstand die Idee, Deutsche ehrenamtlich als Lotsen den neuen Senftenbergern zur Seite zu stellen und sie zu begleiten. "Wir helfen bei Behördengängen, sprechen viel deutsch mit ihnen, zeigen die Stadt und helfen, wenn es bei den Kindern in der Schule einmal klemmt", erklärt Maria Stauber.

Vor allem Einwanderer aus dem arabischen Raum treffen derzeit auf das Team der engagierten Lotsen. Dabei sind unter anderem eine Journalistin, eine Lehrerin und eine junge Frau aus Syrien, die unbedingt einen medizinischen Beruf ergreifen möchte.

Gemeinsam geht es besser

Sie sprechen kurz Arabisch mit einander, dann geht es mit Händen und Füßen daran, gemeinsam mit den Deutschen herauszufinden, wie man die gebastelten Herzen am schnellsten und besten zusammenfügt. Die Begriffe "Nadel und Faden" lernen die Teilnehmer so am praktischen Beispiel. Kulturelle Unterschiede werden besprochen. "Ich habe die Patenschaft für die Frauen gerne übernommen", sagt Johanna Grabig. Die ehemalige Lehrerin spricht betont laut und deutlich - so wird sie von den Zuwanderern gut verstanden. "Wir haben gemeinsam gekocht, uns gegenseitig bewirtet, Ausflüge gemacht, und wir haben auch schon Filme gemeinsam angeschaut. Nicht nur über unsere christliche, sondern auch über die muslimische Religion. Das hilft für gegenseitiges Verständnis", sagt sie.

Der Verein arbeitet eng mit anderen Organisationen zusammen. Dazu gehören die Ausländerbeauftragten von Kreis und Stadt, der Sportverein Blau-Weiß Sedlitz, das Kultur- und Freizeitzentrum Pegasus und das Projekt Refugees welcome.

"Gemeinsam geht es viel besser und wir können die Kräfte bündeln", sagt Maria Stauber. Das sehen Asmaa Fadel, Alyouse Khatoun und Alhalbi Salam genauso. Zu den Treffen im Vereinshaus kommen sie sehr gern. "Es hilft schon sehr, wenn jemand da ist", sagen sie.