Seine Welt sind die Spielorte der Briesker Knappen: Lothar Kintzel auf dem Fußballplatz.„Als ich vier Jahre alt war, hat mich mein Vater schon mit zu den Spielen genommen“ , erzählt der 64-Jährige, der jahrelang in Poley lebte und seinerzeit immer mit dem Fahrrad in die Bergarbeitergemeinde vor den Toren Senftenbergs fuhr. Heute nimmt er den Bus oder die Bahn, wenn er zu „seinen“ Fußballern in die Elsterkampfbahn will. Meist geht es an den Spieltagen früh zeitig los, denn vormittags kickt in der Regel der Nachwuchs, ehe am Nachmittag die 1. Mannschaft in den Punktspielen der Verbandsliga aufläuft.
Lothar Kintzel wäre aber wohl kein richtiger Fan, wenn er nicht auch auswärts regelmäßig mit von der Partie wäre. Ob nach Guben, Ludwigsfelde oder Neustadt - der Vorruheständler lässt sich kaum ein Spiel entgehen.
Das war schon zu jenen Zeiten so, als die Briesker Aktivist-Fußballer in der DDR- Oberliga in Aue, Thale oder Meerane ihre Visitenkarte abgaben. Irgendwann hatte sich Lothar Kintzel dadurch das Privileg erarbeitet, als einziger Zuschauer im Mannschaftsbus mitfahren zu dürfen.
„Damals spielte die Mannschaft immerhin noch in der DDR-Liga“ , erinnert sich der leidenschaftliche Schlachtenbummler an die 70er- und 80er-Jahre zurück.
So lange er den Traditionsverein beobachtet, haben sich bei Lothar Kintzel auch Höhepunkte im Gedächtnis eingeprägt. Die Einweihung des damaligen Glückauf-Stadions mit dem Spiel gegen Torpedo Moskau vor 33 000 Zuschauern im Jahre 1953 zählt ebenso dazu wie Vergleiche mit westdeutschen Mannschaften und der DDR-Vizemeistertitel 1956.
„Heinz Lemanczyk ist bis heute mein Lieblingsspieler geblieben“ , nennt er einen Aktiven, der seinerzeit an dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte beteiligt war. Auch Spieler wie Harry Ratsch, Heinz Auras und „Hotta“ Franke, Trainer Willi Schober oder der Vorsitzende und spätere Generalsekretär des Deutschen Fußball-Verbandes, Kurt Michalski, sind Zeitzeugen dieser Epoche, an die er zurückdenkt.
Seit vielen Jahren ist Lothar Kintzel, der früher im Eisenwerk Senftenberg arbeitete, auch Mitglied des heutigen FSV Glückauf Brieske/Senftenberg. „Ich habe mich besonders gefreut, als ich zum 80-jährigen Vereinsjubiläum 1999 eingeladen wurde.“