ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:24 Uhr

Nach schlaflosen Nächten und Krisensitzungen
Seenland-Mobil Mammut kämpft beim Eco-Marathon in London

Sylvio Simon (r.) und Peter Biegel begutachten am Senftenberger Stadthafen das neue Auto „Mammut“. Die beiden Professoren unterstützen das Projekt seit Jahren. Im roten Overall steuert BTU-Student Niklas Richter das Seenland-Mobil in London.
Sylvio Simon (r.) und Peter Biegel begutachten am Senftenberger Stadthafen das neue Auto „Mammut“. Die beiden Professoren unterstützen das Projekt seit Jahren. Im roten Overall steuert BTU-Student Niklas Richter das Seenland-Mobil in London. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Punktlandung in letzter Sekunde: Damit sie kommende Woche mit ihrem selbst gebauten Auto in Englands Hauptstadt starten können, haben Studenten etliche Nachtschichten eingelegt. Von Jan Augustin

Es knirscht und knackt unter den Rädern von Mammut. Die kleinen Kieselsteine auf dem Asphalt am Senftenberger Stadthafen sind schuld. Ansonsten surrt das schwarze Gefährt, das dem Bat-Mobil aus dem bekannten Fantasyfilm ähnelt, fast lautlos eine kleine Runde entlang. Die Show vor maritimer Kulisse dauert keine zwanzig Sekunden. Doch sie zieht viele neugierige Blicke von Touristen an. Journalisten knipsen, was das Zeug hält, und die Sponsoren des Projektes schauen wohlwollend mit einem Glas Sekt in der Hand zu.

In einen roten Overall gekleidet, steigt Niklas Richter aus dem Auto - und grinst fröhlich wie ein Profi-Rennfahrer nach gewonnener Zieleinfahrt. Der Maschinenbau-Student an der BTU Cottbus-Senftenberg feiert Pilot-Premiere. In London soll der 22-Jährige nächste Woche den mit vier Carbon-Lagen umhüllten Mammut so effizient wie möglich durch den Olympic Park steuern.

Organisationschefin Christin Faulstich stellt den Sponsoren und Journalisten das „Mammut“-Projekt vor. Vom 5. bis 8. Juli startet das Fahrzeug unter diesen Namen beim Shell Eco-Marathon in London.
Organisationschefin Christin Faulstich stellt den Sponsoren und Journalisten das „Mammut“-Projekt vor. Vom 5. bis 8. Juli startet das Fahrzeug unter diesen Namen beim Shell Eco-Marathon in London. FOTO: LR / Jan Augustin

Das Team Lausitz Dynamics macht dann zum zehnten Mal beim Shell Eco-Marathon mit. 2012 gewannen die Senftenberger sogar. Von insgesamt 166 europäischen und afrikanischen Teams, die sich in diesem Jahr qualifiziert haben, kommen elf aus Deutschland. Ziel ist es, auf einer bestimmten Distanz mit möglichst wenig Kraftstoff auszukommen. Gefahren wird in zwei Klassen: Im Gegensatz zur Kategorie der „Prototypen“, bei der den Teams in der Konstruktion kaum Grenzen gesetzt sind, müssen die Fahrzeuge vom Typ „Urban Concept“ auch für den Straßenverkehr geeignet sein.

Mammut hat auch ein eigenes Logo.
Mammut hat auch ein eigenes Logo. FOTO: LR / Jan Augustin

Genau das ist auch die Vision für das wegen seiner Größe und Aufgabenvielfalt als Mammut-Projekt bezeichnete Vorhaben, betont Christin Faulstich, Organisationschefin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule bei der öffentlichen Präsentation des Fahrzeuges vor Sponsoren und Journalisten. „Wir wollen um das Lausitzer Seenland fahren“, sagt sie in den Räumen des Wasserverbandes Lausitz. Prof. Peter Biegel, Initiator und ständiger Wegbegleiter des Teams, bestätigt: „Wenn man am Bahnhof ist, ist man noch lange nicht am See, ob in Senftenberg, Großräschen oder Hoyerswerda.“ Sichtlich stolz lobt er das „erfolgreiche Projekt an der BTU“ und die Zusammenarbeit von „kreativen Studenten“ verschiedenster Fachrichtungen.

Vor zwei Jahren ist die Idee des Seenland-Mobils geboren worden, schaut Christin Faulstich zurück. Nun ist mit der Fertigstellung des mit Brennstoffzellen und Wasserstoff angetriebenen Autos zumindest ein großer Zwischenschritt erreicht - wenn auch in letzter Sekunde. „Dieses Jahr war es so etwas von knapp“, stöhnt die 33-Jährige. Schwierigkeiten bei Teile-Zulieferern und finanzielle Engpässe haben das Projekt sogar fast zum Scheitern gebracht. Doch das konnte verhindert werden – auch mithilfe des deutsch-griechischen Unternehmers Sokrates Giapapas, der bei Unternehmern der Region die nötigen Taler einsammelte. Das 15-köpfige Team hat sich selbst ordentlich ins Zeug gelegt. Team-Chefin Anastasia Skifov, im Vorjahr noch Pilotin, spricht von vielen gemeinsamen Nachtschichten, zahlreichen Krisensitzungen und Diskussionen. „Das war in den letzten Monaten ein wahrer Kraftakt“, sagt die 21-Jährige. Nun aber sei Mammut zum Leben erweckt.

Am Sonntag startet der Lausitzer Tross mit dem rund 100 Kilo schweren Mammut in Richtung London. Der Wettbewerb findet vom 5. bis 8. Juli statt.